To our Yesterday

Kapitel 1 Transplantierte Welt

Auf dieser lang erwarteten Pressekonferenz gab das Val-Sanatorium bekannt, vorübergehend keine neuen Patienten mehr aufzunehmen. Laut offizieller Erklärung möchte man die begrenzten Ressourcen und das Fachwissen auf Patienten mit höherem Bedarf konzentrieren. Direktor Wicker, der als Sprecher fungierte, beantwortete keine Fragen der Medienvertreter und verbeugte sich, bevor er den Konferenzraum verließ. Nachdem er den unerbittlichen Kameras entkommen war, fühlte sich Direktor Wicker zufrieden. Seine Mission war erfüllt, und es blieb nur noch, seinen Abschlussbericht einzureichen. Gerade als er sich entspannte, flackerte in seinem Augenwinkel ein Vorhang. Ein harter Gegenstand drückte gegen seinen Hinterkopf.  

Direktor Wicker: …! 

???: 
Ich frage, und Sie antworten. Solange Sie nicht lügen, kann ich Ihnen garantieren, dass Ihr Kopf unversehrt bleibt. 

Direktor Wicker
Wir … können darüber reden. 

???:
Wo ist Benedict?  

Direktor Wicker: 
Ich weiß nicht – 

Kaum hatte er die Lüge instinktiv ausgesprochen, ertönte das Geräusch einer aufgeladenen Laserwaffe. Direktor Wicker biss sich auf die Zungenspitze. Der stechende Schmerz half ihm, seine Gedanken wiederzufinden und seine Optionen abzuwägen.  

Direktor Wicker: 
Ich bin mir nicht sicher. Aber er könnte sich auf … einer namenlosen, schwebenden Insel befinden. 

???:
Der genaue Ort? 

Direktor Wicker:
Es ist eine sich bewegende Insel. Niemand kennt ihre genauen Koordinaten … Dass jemand wie ich so viele Informationen hat, ist bereits eine Ausnahme von den Regeln. Bitte haben Sie Verständnis. 

???:
Eine letzte Frage. 

Direktor Wicker: 
Ja! 

???: 
Lebt Stanley noch? 

Direktor Wicker fühlte sich, als hätte ihn ein Blitz im Hinterkopf getroffen. Sein ganzer Körper, sogar sein Herz, fühlte sich leicht taub an. Offenbar unsicher, was er antworten soll, murmelt er unverständlich, als ob die Frage selbst ihn mit ungeheurer Angst erfüllte. Hinter ihm hallen gedämpfte Schüsse wider. Direktor Wickers Beine versagen, und er stürzt. Er umklammert seinen Kopf. Entsetzt starrt er auf die Spiegelungen an der Wand. Der Angreifer, der ihn attackiert hat, wird gezwungen, durch das Fenster zu fliehen. Sein Gesicht wird nicht gezeigt, nicht ein einziges Mal. 

Schritte nähern sich. Zitternd dreht sich Direktor Wicker um und schreit erschrocken auf.  

Direktor Wicker: 
Benedict!  

Benedict: 
Direktor Wicker, Sie haben die Pressekonferenz gut gemeistert. Sie haben meine Erwartungen erfüllt. Es scheint jedoch, als hätten Sie Zugang zu Wissen, das Ihnen normalerweise nicht zustehen sollte. Da Sie sich für die schwebende Insel interessieren, möchten Sie sie sich selbst ansehen? 

Beim Anblick von Benedicts ausgestreckter Hand weiß Direktor Wicker, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als zuzustimmen. Das Privatflugzeug startet im Schutze der Nacht. Es stößt auf eine schwebende Insel, die plötzlich wie eine Fata Morgana erscheint. Das Flugzeug landet, und Benedict trägt den bewusstlosen Direktor Wicker in den einzigen dichten Wald der Insel. Er legt den veränderten Direktor Wicker irgendwo im Wald auf eine Metallfläche. Fast wie ein Opfer sinkt der Körper in den Boden. Die Plattform durchdringt rasch den künstlich aufgeschütteten Boden und gelangt in einen kalten, metallischen Innenraum. Am Ende dieser Reise befindet sich eine riesige Halle. Anorganisches Licht flackert und breitet sich aus. Elektronische Displays, die kaltes Licht ausstrahlen, hüllen den Raum ein. Helle Böden, geschwungene Wände und sanftes Licht werden durch holografische blaue Linien erzeugt. Innerhalb von nur zehn Sekunden ist der Raum vollständig aufgebaut. Noch feinere Laser verweben sich zu vier oder fünf menschlichen Gestalten. 

Träge Frau: 
Das soll die neueste Errungenschaft der Quelle von Atei sein? Sieht nicht gerade beeindruckend aus.  

Eine Gestalt geht um Direktor Wicker herum, verliert nach der Hälfte das Interesse und wendet sich einem anderen Hologramm zu. 

Träge Frau: 
Lange nicht gesehen, Professor Lucius. Sie haben so viel von meinem Gaia Biotech mitgenommen. Und das ist alles, was Sie zustande bringen? 

Lucius: 
Der Kern der Quelle von Atei hat nichts mit Ihrem wertvollen Forschungszentrum zu tun. Seelen lassen sich nicht formen, und externe Geräte sind nutzlos. 

Stiller Mann:
…Sie sind hier. 

Eine neue Gestalt im holografischen Raum lässt Lucius und die anderen verstummen. Sie drehen sich gleichzeitig um, um ihren Respekt zu zeigen. Sie wirken höflich und vertrauensvoll, obwohl er ein alter Mann im Krankenhausbett ist.  

Stanley: 
Schenken Sie diesem Testsubjekt nicht zu viel Beachtung. Es ist nur der heutige Statist. Oder besser gesagt, ein Medium.  

Der alte Mann winkt mit der Hand. Die schwebende Plattform mit Direktor Wicker gleitet langsam auf ihn zu.  

Stiller Mann:
 …Sind die neuen Wellenlängen des Weltraum-Signals erfolgreich entschlüsselt worden? 

Die Stille ist abrupt, und die Hologramme verharren regungslos. Offensichtlich beherrschen sie es meisterhaft, ihre Gefühle zu verbergen. Schließlich erwacht der alte Mann aus seinen tiefen Gedanken. Seine sonst emotionslose Stimme bekommt einen Hauch von Nachdruck. 

Stanley: 
Die jüngsten Störungen im Weltraumtunnel erinnern mich an jene sternenlose Nacht vor über einem Jahrzehnt…Die Nacht, als das Signal aus dem Weltraum die Erde erreichte. 2034… In jener Ära des rasanten Fortschritts der Raumfahrttechnologie wuchs der Ehrgeiz der Menschheit, den Weltraum zu erforschen…Noch gewaltiger als der Urknall. Institutionen wetteiferten darum, es zu entschlüsseln. Jeder wollte der Erste sein. Die Literaturwelt dramatisierte es, unwissende Massen verehrten es, und sie gründeten sogar die Weltraumakademie. Doch nur unsere entschlüsselten Informationen kommen der Wahrheit am nächsten. Die Erde steht kurz vor einer großen Auslöschung.  

Er atmet langsam aus und unterdrückt mühsam seinen aufgewühlten Tonfall und seine Emotionen. 

Stanley: 
Dann erschienen die Monster, geomagnetische Störungen traten auf, und Massenaussterben beschleunigten sich … Die Warnungen im Signal wurden nach und nach Realität. Die große Auslöschung ist ein groß angelegter Eliminierungsprozess. Dieser Planet will uns auslöschen und in seine nächste Existenzphase eintreten. 

Lucius
Seit über einem Jahrzehnt setze ich mich vehement für die Quelle von Atei ein. Ich habe die Farspace Flotte in die Tiefen des Weltraumtunnels entsandt, um nicht ausgelöscht zu werden. Es gab Rückschläge, aber wir konnten die Schachfigur, die ihr am nächsten war, erobern. Um noch einmal auf 2034 zurückzukommen … Gab es ein Zwischenfall? 

Stanley: 
„…Um nicht ausgelöscht zu werden.“ Damit wirst du nur zu einem Hund, der um die Gnade des Schicksals bettelt.  Lucius, du bist alt. Die Zahnräder in deinem Gehirn sind verrostet. Es dauerte nur wenige Jahrzehnte, bis sich die Evolver von einfachen Menschen entwickelten. Das beweist, dass wir in der Zukunft einen Punkt erreichen können, der unsere kühnsten Vorstellungen übertrifft. Wir können Unsterblichkeit erlangen. 

Träge Frau: 
…Wer weiß, ob es unmöglich ist oder nicht? Die Lemurier, die der letzten Großen Ausrottung entkommen sind, sind praktisch lebende Beispiele für Unsterblichkeit. Natürlich gibt es auch die Kleinen, die von der anderen Seite des Weltraums zurückgekehrt sind. Das beweist, dass manche einen Weg zum Überleben gefunden haben. Planetare Unsterblichkeit kostet nur ein paar Leben mehr … Aber sie ist trotzdem kosteneffektiv. Was meinst du, Soren? 

Soren: 
…Hmpf. 

Stiller Mann: 
Abgesehen vom entschlüsselten Weltraumsignal gibt es keine konkreten Beweise dafür, dass die Erde einer Apokalypse entgegengehen wird. Was dieses unsterbliche Monster in der N109-Zone betrifft, können wir nicht bestätigen, ob diese Lebensform wirklich unzerstörbar ist. Wie können wir also entscheiden, ob unser Streben nach Unsterblichkeit ein edles Unterfangen oder absurde Paranoia ist?  

Stanley: 
Das Weltraumsignal ist kein Orakel und keine Prophezeiung. Es ist die Gnade der Gesetze des Universums, die der Menschheit eine Atempause gewähren wollen. Was wir entschlüsseln können, sind vorbestimmte, in Stein gemeißelte Fakten. Diese Beweise, die du suchst … Hehe, sie sind bereits Teil dieser Welt.  

Er hebt die Hand. Heftig schwankender Metaflux umhüllt den Mann, der auf der Plattform gefesselt ist. Die Transformation ist augenblicklich abgeschlossen. Ein Wanderer ersetzt die menschliche Hülle, nur um Augenblicke später von verborgenen Waffen getötet zu werden. Ein klarer, metallischer Klang begleitet den frischen Protonenkern, als er auf die Plattform fällt.  

Stanley: 
Protonenkerne gehören zu den wichtigsten Beweismitteln. Nach der Chronorift-Katastrophe entdeckte ich die Verbindung zwischen Protonenkern-Energie und ihr. Ich wusste, welche Mission mir das Universum aufgetragen hatte. Protonenkerne zu nutzen, um die Entwicklung der menschlichen Zivilisation zu beschleunigen und der Menschheit eine Unsterblichkeit zu ermöglichen, die mit diesem Prozess einhergeht – nur so können wir die Große Auslöschung mit geringen oder gar keinen Verlusten überstehen. Die Anomalien, die durch den Weltraumtunnel verursacht werden, treten immer häufiger auf. Protonenkerne leiten uns ständig. 

Der Protokern bebt und rollt in einen Behälter, der sich unter der Plattform erstreckt. Soren macht mehrere Gesten in der Luft. Der rautenförmige Behälter aktiviert den Protonenkern, als würde er eine Verbindung mit einem fernen Ort herstellen. Ein Riss, kürzer als ein Finger, öffnet sich in der Luft. Er schließt sich schnell wieder, als seine Energie aufgebraucht ist. 

Soren: 
In letzter Zeit hat die Häufigkeit der Raum-Zeit-Anomalien und Magnetfeldstörungen beinahe die Grenzen von Raum und Zeit erreicht. Sobald ein Planet davon erfasst wird, wird er bald vollständig zerfallen. 

Träge Frau:
Hast du dir eine andere Methode ausgedacht, um mit deinem ehemaligen Teamkameraden fertigzuwerden? Ich hoffe, wir können deinen kleinen Prinzen besiegen und ihm beweisen, dass unser Soren der Fähigste ist. 

Soren: 
Angelegenheiten, die die Backtracker betreffen, sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. 

Lucius: 
Braucht Ihr unsere Hilfe? 

Soren: 
Ich habe genug von diesen widerlichen Manipulationstaktiken, die Ihr an Euren gehirngewaschenen Testsubjekten anwendet. 

Alle:  … 

Soren: 
Ich brauche weder Hilfe noch die Zustimmung von irgendjemandem. Ich werde Xavier zu Fall bringen, wegen seiner Heuchelei, Arroganz und Realitätsferne. Dieses Ergebnis wird beweisen, dass ich Recht habe. 

Stanley: 
In Ordnung. Eure persönlichen Angelegenheiten interessieren sie ohnehin nicht.
 

Mehrere heisere, unregelmäßige Hustenanfälle hallen wie ein kaputtes Uhrwerk wider. Es erzeugt eine rhythmische Unruhe, die die Herzen flattern lässt. 

Stanley: 
Der Weltraumtunnel schließt sich, und der Käfig ist eng. Sie lässt nach. Hust, hust… Es ist Zeit, sie zu uns zurückzubringen. Sei vorsichtig. Und lass den Abgesandten nicht wirklich erwachen. Unsere größte Hoffnung darf nicht ausgelöscht werden. 

Sorens Bild flackert und verschwindet, und das Treffen ist beendet. 

Die träge Frau: 
Ich wünsche euch alles Gute. 

Die Hologramme zerstreuen sich und verblassen, während sich die Wände des kalten Labors auflösen. An ihre Stelle tritt die Szenerie von Wolken, die in den Farben des Sonnenuntergangs gefärbt sind. Ein leeres Krankenhausbett schwebt über den Wolken. Es entscheidet sich, mit der Dämmerung zu verfallen, anstatt sich der Nacht zu ergeben. 

 Reifen kratzen über den Boden und wirbeln den Wind auf. Eine brandneuer 470HM bringt mich über die Mover-Brücke, die sich über der Stadt befindet.
 

Tara
Das Magnetfeld am Ort des Geschehens zeigt gekoppelte Fluktuationen, aber die Wanderer, die ihnen entsprechen, sind nirgends zu finden. Es könnte ein neuer Typ sein. Seid vorsichtig.  

MC: 
Verstanden. Ich bin noch fünf Kilometer von meinem Ziel entfernt. Ich bin bereit für die dynamische Datenerfassung.  


Tara: 
Seufz… Linkon City, das durch Dinge hindurchgeht, Dimensionsrisse, Raum-Zeit-Risse – unsere Missionen waren in letzter Zeit echt seltsam. Alle waren total verunsichert von dem Schneefall, der außerhalb des Winters stattfand. Jetzt sind sie alle nervös. 

MC:
Wenn die Welt zu friedlich ist, suchen sich die Leute eben ihre eigenen Unterhaltungsmöglichkeiten.  


Tara: 
Es gibt 500 Missionen pro Tag. Du magst dich ja amüsieren, ich aber nicht. 

MC: 
Okay, okay. Nicht so trübsinnig. Ich spendiere dir eine Limo, wenn wir zurück sind. 


Nach meinem Gespräch mit dem Datenanalyseteam schaue ich in den Himmel nahe des Missionsstandorts. Die kilometerweiten Wolken wirken, als wären sie von einer riesigen Klinge durchschnitten worden. Der Schnitt sieht sauber aus. 

MC: 
Hat Linkon Online etwa schon wieder Probleme? Es sieht aber wunderschön aus.

  

Während der Schnee, der außerhalb des Winters gefallen ist, schmilzt, gerät der jüngste Alterum-Vorfall langsam in Vergessenheit. Doch ungewöhnliche Himmelsphänomene haben apokalyptische Ängste in den Herzen der Menschen wieder aufleben lassen.  Danach tauchen Anomalien, große wie kleine, nacheinander auf. Begleitet werden sie von wilden Gerüchten wie der Theorie der Weltraumtunnel-Expansion, dem sechsten Massenaussterben und der Großen Menschheitskatastrophe von 2099.  

Abgesehen davon, dass diese Gerüchte die Deepspace Hunter und die Evol-Polizei mit unzähligen unnötigen Aufgaben belasten, sorgen sie für jede Menge chaotische Unterhaltung im sonst so eintönigen Leben der Linkon-Bewohner. Das einzig Beruhigende ist, dass Zayne keine weiteren „Auffälligkeiten“ gezeigt hat. Aber ich weiß, seine Probleme sind nicht vorbei, nur weil die Pressekonferenz von der Quelle von Atei abgesagt wurde. Benedict verfolgt seinen Plan wieder im Verborgenen. Vielleicht hat sich Zaynes Konfrontation mit ihnen auch vorübergehend in den Hintergrund verlagert. Seit wir uns auf dem Friedhof getrennt haben, besucht er die Fraktalbibliothek häufiger. Vielleicht versucht er, in der „Welt der Bücher“ eine Lösung für sein Dilemma zu finden. Dieser seltsame Junge mit den weißen Haaren hat mir das alles erzählt. Er nannte sich „Shuai“. Er hat sich irgendwie eine elektronische Uhr besorgt. Wenn er sie nicht gerade benutzt, um die unbekannte Welt des Internets zu erkunden, vertraut er sich mir , wie er es nennt, „respektlosen Worten“ an.  

Zum Beispiel… „Der Abgesandte versteckt sich im Labyrinth der Bücherregale und ignoriert alle!“ 

„Der Abgesandte macht mal wieder die ganze Nacht durch…“ 

„Der Abgesandte bestellt nur Milchtee für sich. Er fragt mich nicht, ob ich etwas möchte.“ 

(Wenigstens hat die Fraktalbibliothek Internetzugang.) 

Ich stelle den Motor des Motorrads ab, als ich mein Ziel erreiche. Ich konzentriere mich neu, nehme meinen Helm ab und nähere mich dem Rand einer geschäftigen Menschenmenge. 

Passant: 
Schau mal da drüben! Gleich kommt etwas aus den Wolken…! 

Kleines Mädchen: 
Papa! Wer hat die Wolken so zerschnitten?  

Vater des Mädchens: 
Nun, ich war’s nicht. Meine Bastelkünste sind nicht so gut. Oh, vielleicht war es deine Mutter.  

MC: 
Die dynamische Datenerfassung vor Ort dauert 30 Sekunden. Ich überprüfe die Aufzeichnungen des nahegelegenen Stabilisators… Die Schwankungsamplitude war in den letzten drei Tagen normal. Immer wenn diese gekoppelten Schwankungen auftreten, fallen sie mit dem Durchzug von Protonenkern-Transportfahrzeugen zusammen.  


Tara: 
Dies fällt unter normale Störungen… Dynamische Datenerfassung abgeschlossen. Einen Moment bitte…Die Ergebnisse aus den Advanced Tech Labs sind da. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftauchen eines Wanderers liegt bei 0,51 %. Super! Wieder ein Fehlalarm. Viele seltene Phänomene sind einfach astronomische Ereignisse. Wir sind wahrscheinlich paranoid. 

MC: 
Das ist gut so. Ein Fehlalarm ist besser als das tatsächliche Ereignis. Da die Daten verifiziert wurden, schließe ich den Fall ab. 

 

Systemanzeige Auftrag 

Kunde / Sondereinsatzgruppe 

Status / In Bearbeitung 

Details: Im Bezirk Lumiaestas wurden umfangreiche Protonenkern-Anomalien festgestellt. Sofortige Bestätigung vor Ort 

Benachrichtigung erforderlich. 

Ziel:  Gemeinsame Untersuchung mit der Spezialeinheit zur Einschätzung potenzieller Bedrohungen durch Wanderer durchführen. 

Evol-Polizist:
Bitte blockieren Sie nicht den Bereich! Die Spezialeinheit wird bestätigen, ob dies mit hochgefährlichen Evolvern zusammenhängt. Die Deepspace Hunter sind unterwegs! Hey! Benutzen Sie das nicht als Ausrede, um auf der Mülltonne zu stehen! OTTO, der Stadtinspektor, wird alles fotografieren und aufzeichnen!  

Ich dränge mich durch die Menge und durchquere die Lichtschranke der Spezialeinheit. Als ich mich umdrehe, blicke ich dem diensthabenden Beamten in die Augen.  

MC & Evol-Polizist:
Sie sind es schon wieder! 

Evol-Polizist: 
Das ist jetzt schon das fünfte Mal, dass wir für dieselbe Mission eingeteilt wurden, oder? Was für ein Zufall. 

Nachdem wir die Menge evakuiert und unsere Mission abgeschlossen hatten, öffneten der Polizist und ich uns vor einem Supermarkt Energydrinks.
 

MC: 
Nach dem letzten Vorfall mit Alterum führen Ihre Abteilung und unsere Association eine langfristige gemeinsame Operation durch. Wir werden uns wohl immer wieder über den Weg laufen. 


 Evol-Polizist:
Heh… Angeblich soll das die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Huntern stärken und den gegenseitigen Wissensaustausch fördern. Aber…  Ich wette, da gibt es Dinge, die sie nicht länger geheim halten können. Haben Sie gehört? Jemand hat ein futuristisches Raumschiff im Wald gesehen. Es ist aus einem Raum-Zeit-Riss gefallen. Der Fall verschwand, sobald er im System erfasst war. Finden Sie das nicht verdächtig?  

MC: 
Echt? Ein futuristisches Raumschiff? Das ist ja Science-Fiction pur. Hehe… 

 

Evol-Polizist: 
Ich habe heute schon fünf Anomalien erledigt. Ich werde noch zwei weitere bearbeiten, bevor ich mir was zu essen hole. Und du?  

Hinter mir ist eine extrem subtile Störung. Es ist wie zwei Blasen, die aus ruhigem Wasser aufsteigen. Ihnen folgt eine Spur, ähnlich sanften Wellen, die schnell wieder verschwindet. Ich sehe mir den Magnetfeldstabilisator an. Er sendet keinen Alarm.  

Evol-Polizist: 
Was ist los? Haben wir ein Problem?  

 (Es kommt aus der No Hunt-Zone 39… Da steckt vielleicht mehr dahinter, als es auf den ersten Blick scheint. Ich sollte vorerst niemanden einbeziehen.) 

 Ich schüttle den Kopf, und Xaviers Worte von vorhin hallen in meinem Kopf nach. 

Xavier: 
Meiner Beobachtung und Analyse zufolge fühlen sich besonders fähige Evol-Polizisten meist zu bizarren Fällen hingezogen.   

MC: 
Ach ja. Es gibt Neuigkeiten zu dem Fall, den wir zusammen bearbeitet haben – dem mit dem Waschbecken, das sich in pures Gold verwandelt hat. Diesmal hat sich die Toilette verwandelt. Eine Kinderhand klebt daran.  


Evol-Polizist:
Echt? Sag bloß, ich treffe gleich auf einen Evolver mit einem goldenen Händchen …  Ich kümmere mich um den Fall mit der goldenen Toilette. Ich kann weitermachen. Viel Glück bei deiner nächsten Mission. Pass auf dich auf!  

Sobald die Gestalt des Polizisten in der Ferne verschwunden ist, hole ich mein Handy heraus und schicke eine Sprachnachricht an einen bekannten Chat.   

MC:
Xavier, No-Hunt-Zone  39 zeigt Anzeichen einer Magnetfeldüberlappung. Ich bin jetzt auf dem Weg dorthin. Wie sieht es bei dir aus? 

Die No-Hunt-Zone  39 war einst Teil des Lumiaestas-Distrikts. Dort erstreckte sich entlang des Flussufers ein weitläufiges Gebiet mit Hochhäusern, die einen herrlichen Blick auf den Fluss boten. Doch als die Chronorift-Katastrophe eintrat, verlor die natürliche Schönheit und der Wert, den die Menschen ihr beigemessen hatten, jegliche Bedeutung. Es heißt, die No-Hunt-Zone  39 sei nicht für die Ewigkeit bestimmt gewesen. Doch irgendwann tauchten unaufhörlich Wanderer aus den sich überlappenden Schatten der Gebäude auf. Es war, als hätte sich ein Riss aufgetan, der zu einem Monsterversteck führte. Die Energiewerte in dem Gebiet sanken später deutlich und blieben stabil, und die Gefahrenstufe liegt weit unter dem Durchschnitt für No-Hunt-Zonen. Dennoch glaubt niemand, dass die No-Hunt-Zone  39 jemals wiederhergestellt werden kann. Ich habe gerade mein Motorrad außerhalb des Perimeters geparkt, als Xavier einen Videoanruf mit mir startet. 

Xavier: 
Bist du allein? Und bist du sicher, dass es sich um eine Überlappung des Magnetfelds handelt? 

MC: 
Ja. Diese gekoppelten Fluktuationen – wie zwei Blasen, die nacheinander auf der Wasseroberfläche platzen – sind deutlich zu erkennen. Das ist kein Fehlalarm der Vereinigung. Ich mache hier Schluss und suche dich. Gib mir zwei Minuten … höchstens zweieinhalb. 


Xavier: 
Falls du jemanden siehst, der wie ein Backtracker aussieht … 

MC: Ich werde ihm unauffällig folgen. Das hast du mir schon mehrmals gesagt. Du bist mit deinem ständigen Genörgel zu einem richtigen Nörgler geworden, Xavier. 


Xavier: 
Oh, ich sehe, jemand, der denkt, ich nörgle ständig, will die Ergebnisse zum biometrischen Schlüssel nicht wissen. 

MC:
Habt ihr es endlich herausgefunden? Erzählt schon! 


Xavier
Es ist dasselbe wie bei der Voruntersuchung. Wir können es nicht öffnen. Wir wissen nur, dass sich darin eine unbekannte Substanz befindet, und es ist kein … 

MC:
Du meinst …  


Xavier: 
Wir können nur zu Soren gehen und sehen, ob er es entsperren kann. Er kennt das alte Gaia-Forschungszentrum.  Du musst also weiterhin heimlich arbeiten, ohne dass die Association davon weiß. 

MC: 

Es ist eine Win-Win-Situation. Aber du stellst es so dar, als würde ich benachteiligt.  


Ich kann mir ein inneres Murren nicht verkneifen und tippe auf sein lächelndes Gesicht auf dem Bildschirm.  

(Wer hätte vor zwei Wochen gedacht, dass es so laufen würde …) 

Vor zwei Wochen · Hunter’s Association 

Jenna: 
Ob es sich nun um einen „Bruch“ handelt oder um Fälle, in denen Gebäude „ein- und ausblenden“, sie hängen grundsätzlich mit Magnetfeldschwankungen zusammen und müssen ernst genommen werden. Ich weiß, es gab in letzter Zeit viele Falschmeldungen, wodurch man leicht echte Bedrohungen übersieht. Alle müssen wachsam bleiben. 

Als die Besprechung endet und sich die Menge auflöst, sehe ich eine Gestalt, die hier nicht sein sollte.  

(Xavier…? Er ist freiwillig aufgetaucht. Geht die Welt etwa unter?) 

In einer normalerweise menschenleeren, ruhigen Ecke der Lobby des UNICORNS-Gebäudes hebe ich den Arm, um der verdächtigen Gestalt den Weg zu versperren.  

Xavier: 
Was für eine Überraschung, Partner. Wir sind uns in einer Ecke über den Weg gelaufen. Das muss Schicksal sein.  

MC: 
Das ist kein Schicksal. Ich stelle dich zur Rede und lasse den Smalltalk aus.  Xavier, du bist bei der Association, weil diese anomalen Magnetfelder tatsächlich ein Problem darstellen. Stimmt’s?  


Xavier:
Ja, das Problem ist, dass die Magnetfelder anomal sind. 

Mein anderer Arm schnellt hoch, und ich versperre ihm sofort den Fluchtweg auf der anderen Seite. 

Seine Wimpern sind gesenkt, und er sagt nichts. Er sieht mich nur an. 

MC: 
Was soll das? Willst du mit deinen Augen deine Aufrichtigkeit beweisen? Darauf falle ich heute nicht rein. 


Xavier: 
Soll ich es dann anders versuchen? 

Während er spricht, runzelt er die Stirn, seine Augen verraten Vorwurf. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände. 

MC:
Darauf falle ich auch nicht rein. 


Xavier: 
Oh. Tja, ich schätze, ich bin gescheitert. Ich habe keinen weiteren Trick mehr im Ärmel. 

(Wie kann er es wagen?!) 

MC:
Na gut. Wenn du es mir nicht sagst, frage ich unseren guten Freund … Jeremiah.

 

Xavier: 
Ich versuche, jemanden zu finden. Soren. Nach allem, was wir über ihn wissen, versteckt er sich höchstwahrscheinlich in Gebieten mit Magnetfeldanomalien. Und die meisten dieser Anomalien könnten mit dem Flux Nexus zusammenhängen.  

MC: 
Gibt es außer dem Verstecken in Magnetfeldern noch andere Hinweise, die uns helfen können, Soren so schnell wie möglich zu finden?  


Xavier:  
Kürzlich sind einige Backtracker, zu denen ich den Kontakt verloren hatte, heimlich nach Linkon zurückgekehrt. Sie haben die Backtracker verlassen, um Soren zu folgen. Damals ließ er die Backtrackers bei ihnen zurück, und sie alle schlossen sich EVER an. Wo Soren ist … ich fürchte, nur Isaiah weiß es. 

Ich habe den Namen Isaiah schon einmal gehört. Ich habe ihn in einer psychiatrischen Klinik gesehen. Damals hielt ich ein Seminar zur Verteidigung gegen die Wanderer und traf zufällig auf Xavier, Jeremiah und die Person, die sie hinter sich versteckten.  Er war ein seltsamer junger Mann, der psychisch krank wirkte, doch er starrte mich mit durchdringendem Blick an und sagte, er kenne mich. Laut Xavier war Isaiah bereits mit vielen geheimen Informationen von EVER geflohen. Er war eine Zeit lang auf der Flucht. Als sie ihn wiedersahen, war er bereits benommen und verwirrt. Er hatte auch einen Teil seiner Erinnerung verloren.  

MC:
Ich habe Isaiah schon lange nicht mehr gesehen. Jeremiah muss ihn woanders hingebracht haben. Wie geht es ihm in letzter Zeit? Hat er sich an die Streitigkeiten und Verwicklungen zwischen euch erinnert? Kann er sich noch an Soren erinnern? 


Xavier: 
Er ist verschwunden. 

MC:
Was?! Hat Soren ihn entführt? 


Xavier:  
Ich glaube nicht. Ich war in der Hütte, in der Jeremiah ihn untergebracht hatte. Seine Kleidung war noch da. Nur die Uniform des Ordens der Lightseeker fehlte. Wahrscheinlich hat er sich an etwas erinnert und möchte die Angelegenheit in der Identität klären, die ihm am wichtigsten ist.  

Am Rande der No-Hunt-Zone 39 huscht eine etwas verstohlene Gestalt vorbei. Die langen Roben wirken in Linkon City fehl am Platz. 

Xavier:  
Und was noch seltsamer ist … 

MC:  
Hat er bei seinem Verschwinden die Uniform des Ordens der Lightseeker mitgenommen und Turnschuhe? 


Xavier:
....
Ein Paar Turnschuhe fehlten aus dem Schuhschrank. Sie waren blau.
 

Ich überquere sofort die Absperrung und starte den 470HM. Ich renne den blauen Turnschuhen hinterher.  

MC
Ich sehe ihn! Beeil dich! Du musst jetzt hier sein!  


Der 470HM rast durch die heruntergekommenen Straßen, während ich beobachte, wie Isaiah in eine Kreuzung saust. Er bog in eine enge, gewundene Gasse ein. zwischen zwei hohen Gebäuden. Wer weiß, wohin es führt… 

(Als ich ihn das letzte Mal sah, ging es ihm nicht gut. Aber er ist immer noch ein Backtracker, also sollte ich ihn nicht unterschätzen.) 

Ich halte an der Kreuzung an, um einen Moment nachzudenken. Dann lasse ich den Motor des Motorrads laufen und steige leise ab. Ich werde den Eingang der Gasse zu Fuß erreichen. Als ich die Kreuzung entlangblicke, bemerke ich etwas, das tief in der Dunkelheit der Gasse verborgen ist. 

(Das fühlt sich nicht wie eine Falle oder ein Hinterhalt an…Diese Schwankung! Sie ist in mir…Wenn Isaiah weiß, wo Soren ist, dann ist er vielleicht hierher geflohen, um ihn zu treffen…?) 

Ich schicke Xavier die aktualisierten Koordinaten und ducke mich, während ich in die Gasse schlüpfe. Meine Kampfstiefel gleiten lautlos über den staubbedeckten Boden. Nicht einmal ein Staubkorn wirbelt auf. Ich gehe vorsichtig vorwärts, als sich mein Körper plötzlich schwer anfühlt. Es ist, als hätte ich eine unsichtbare Barriere durchbrochen. Ich zucke zurück und sehe plötzlich ein sanftes Leuchten vor mir – 

(…Was ist denn hier los?!) 

Die enge Gasse weicht einer breiten Steinstraße, die zu einem Platz führt. In der Mitte steht eine riesige Skulptur. Ich trete zurück und drehe mich um, doch ich befinde mich nicht in vertrauter Umgebung. Das Gefühl unter meinen Füßen ist so real, dass es unbestreitbar ist. 

(Ich habe das schon einmal bei den anderen Magnetfeldüberlappungen erlebt, mit denen ich zu tun hatte…)   

In einem Park taucht wie aus dem Nichts ein alter Stall auf. Eine Treppe, die zu einem Dach führt, verwandelt sich in ein Wandgemälde, ein Brunnen materialisiert sich neben einer Plattform… 

(Aber keine dieser Anomalien war so lebhaft wie diese. Es fühlt sich wirklich an, als wäre ich in eine andere Welt gereist.) 

???: 
Wie lange willst du denn noch so da stehen? 

MC:


Diese etwas hochmütige Stimme gehört Isaiah, der noch arroganter aussieht, als er klingt.  Die gut sitzende Ritteruniform lässt ihn viel eleganter wirken. Und wenn man seine blauen Turnschuhe außer Acht lässt, wäre er wahrscheinlich einschüchternd. …Leider sind sie schwer zu übersehen. 

Isaiah: 
Du bist aber unhöflich! Was soll denn dein Gesichtsausdruck? Wenn meine Ritterstiefel in der letzten Schlacht nicht beschädigt worden wären, bräuchte ich mich nicht so lächerlich anzuziehen. Jeremia, dieser verabscheuungswürdige Schurke… Er hat mir nur gewöhnliche Schuhe gegeben… 

(Wow… Er hat definitiv etwas zu meckern.) 

Da ich nicht auf seine Klagen reagiere, hat Isaiah  wohl das Gefühl, mit sich selbst zu reden. Er knirscht mit den Zähnen, sein Gesichtsausdruck verändert sich. Er hebt das Kinn und wendet sich mir mit neuem Würde zu.  

Isaiah: 
Ich habe dich außerhalb der No-Hunt-Zone gesehen. Ich wusste, dass du dem Ruf unseres königlichen Vaterlandes folgen und hierherkommen würdest. Dies ist deine Bestimmung. Und welch eine Gelegenheit mir das Schicksal gewährt hat…! 

Ein schwaches Leuchten sammelt sich in seiner Hand und verwandelt sich in ein Kurzschwert. Er richtet es auf mich. 

Isaiah
Isaiah, Anführer der Fünften Staffel des Ordens der Lightseeker, Hoher Ratsherr des Königlichen Rates und Mitglied der letzten Generation der königlichen Familie –Ich fordere euch formell zu einem ehrenvollen Duell heraus! 

MC: 
Moment  mal, du willst gegen mich als drei Personen kämpfen? 


Isaiah: 
Ich kann im Kampf für die Ehre sterben, aber ich weigere mich, mich von euch zu Tode beleidigen zu lassen! 

Es stellt sich heraus, dass selbst der arroganteste Mensch seine Würde verliert, wenn er bis zum Äußersten getrieben wird. Isaiah wartet nicht auf meine Antwort. Kaum hat er losgebrüllt, stürmt er auf mich zu wie eine elegante, aber wütende Gans. Er hebt sein Schwert. Ich bewege mich fast gleichzeitig. Ich werde etwas Abstand zwischen uns bringen und ihn mit Elektrogeschossen kampfunfähig machen. Sobald die Kugel den Lauf verlässt, ist mein Ziel bereits verschwunden.  

(Er kann sich auch teleportieren…)  

Nachdem ich Xaviers Teleportations-Kampfstil so oft gesehen habe, stockt mir der Atem. Ich wähle eine Richtung und renne los. 

Isaiah:
Du rennst während eines Duells weg? Hmpf… Du hast dich verändert.  

Ich blicke zurück. Isaiah steht nun dort, wo ich gestanden hatte, sein Schwert schneidet in die Luft. Er schaut in die Richtung, in die ich geflohen bin, und seine Gestalt flackert erneut auf und verschwindet.  

( Tch. Gegner, die sich teleportieren können, sind so nervig! Xaviers Schwäche … Wie war das noch mal …) 

Bevor ich es herausfinden kann, blitzt ein Licht auf. Isaiah teleportiert sich nur wenige Schritte von mir entfernt.  

(Genau … Distanz! Selbst wenn beide das Licht-Evol benutzen, ist er immer noch nicht Xavier.) 

Nur diejenigen, deren Evol so stark ist wie Xaviers, können sich überall hin teleportieren. Isaiahs Evol zufolge liegt seine Grenze bei zehn Metern.  

Allmählich nimmt eine Strategie in meinem Kopf Gestalt an, und ich sprinte mit voller Geschwindigkeit auf den Platz zu. Die Fallen, die ich unterwegs gelegt habe, funktionieren gelegentlich. Sie setzen Isaiah unter Strom, bis er „flackert“ wie eine defekte Straßenlaterne. Als ich den Sockel einer riesigen Skulptur erreiche, bereite ich mich darauf vor, einen wütenden Isaiah in meine Falle zu locken. Doch er bleibt plötzlich stehen. 

Isaiah:  
Von allen Orten, die du hättest wählen können ... Weißt du überhaupt, was es bedeutet, sich hier zu duellieren? 

Seinem Arm folgend, betrachte ich die etwas verschwommene Statue hinter mir. Das Magnetfeld ist nicht stabil genug. Die obere Hälfte der Skulptur verschwindet in einem formlosen Nichts, und die untere Hälfte wirkt auch nicht wirklich fest. 

 (Es sieht aus wie ein Schwert.) 

Isaiah:  
Ob absichtlich oder nicht – du hast entschieden, dieses Duell unter den Augen des Heiligen Schwerts der Göttin fortzusetzen ... 

Isaiah lässt seine Klinge aufblitzen und nimmt dann eine formelle Haltung ein. 

Isaiah:  
Ich werde das nun ernsthaft angehen und mein Bestes geben. 

(Warum ist er plötzlich so ernst geworden ...?)  

Isaiah:  
Du willst nichts sagen? Ich weiß, was du vorhast. Du willst mich provozieren, damit ich die Fassung verliere. Und dann nutzt du eine Öffnung aus. Mal sehen, ob du meine Schwerttechniken noch vorhersagen kannst.

Als ich seinem ruhigen Blick begegne, beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Seine Schläge werden immer schneller und kommen Schritt für Schritt näher. Als meine Ferse gegen den harten Sockel der Statue stößt, merke ich, dass ich keinen Ausweg mehr habe. Klang!
 

MC:  ! 


Isaiah:  
Xavier! 

Noch bevor das Licht verblasst, ruft Isaiah bereits mit zusammengebissenen Zähnen den Namen der Person vor ihm. 

Xavier: 
Du ziehst dein Schwert gegen eine unbewaffnete Gegnerin – nennst du das Ritterlichkeit? 

Isaiah:  
Was soll das heißen? Sie hat eine Pistole! 

Xavier schaut mich und die Pistole in meiner Hand an. Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert. 

Xavier:  
Es ist falsch, wenn in einem Duell eine Seite kein Schwert führt. Um deiner Ritteruniform willen erkenne ich deine Aufrichtigkeit für dieses Duell an.

Die vertraute Lichtklinge in seiner Hand sammelt Strahlen, während er mich sanft mit seinem Arm zurückdrängt. Die Klinge schneidet durch die Luft und richtet sich direkt auf seinen Gegner.
 

Xavier:  
Sie hat kein Schwert. Aber ich.  

Isaiah:  
Hältst du mich für dumm? Ich habe letztes Mal nicht gegen dich gewonnen, also werde ich nicht— 

So wie Isaiah mir keine Möglichkeit gegeben hat abzulehnen, wartet Xavier ebenfalls nicht. In einem Blitz aus Licht prallen zwei Klingen – eine lange, eine kurze – aufeinander. Zuerst bewundere ich die Intensität ihres Kampfes und die Meisterschaft ihrer Schwertkunst. Doch dann werden die Lichtblitze – hell und dunkel – so grell, dass ich den Verlauf des Kampfes nicht mehr erkennen kann. Schließlich durchschneidet ein Schmerzensschrei das blendende Licht. 

Isaiah:  
Argh ...! 

Ob hell oder dunkel – nun sind alle Lichter erloschen. Isaiah rollt über das glatte Steinpflaster und kommt direkt vor mir zum Stillstand. 

Xavier:  
Die ganze Ehre, die du eingesetzt hast, gehört jetzt ihr. 

Isaiah:
Auf welcher Grundlage?! 

Xavier:  
Auf der Grundlage, dass du verloren hast. 

MC: 
Gut. Es wäre ohnehin sinnlos für mich, sie anzunehmen. 


Xavier muss leicht lachen. Und Isaiahs Blick nach zu urteilen, würde er am liebsten aufspringen und uns beide durchbohren. Ich hocke mich vor ihn und hebe ein Abzeichen auf, das von seiner Uniform gefallen ist. 

MC:  
Da du verloren hast, sollte ich ein paar Fragen stellen dürfen. Du bist geflohen und bist den ganzen Weg hierhergekommen. Warum? 


Isaiah:  
Hmpf. 

Xavier:  
Das ist nicht der richtige Ort für ein Verhör. Das Magnetfeld ist instabil. Bringen wir ihn zurück und befragen ihn richtig. 

Ich sehe Xavier an, und er schüttelt sanft den Kopf. 

Xavier:  
Soren ist nicht hier. 

MC:
In Ordnung. 


Als in Xaviers Hand ein Lichtband so dick wie ein Seil erscheint, richtet sich Isaiah auf. Hass schwingt in seinen Worten mit. 

Isaiah:  
Wagt es ja nicht, mich zu fesseln! Ich bin der Anführer der Fünften Staffel des Ordens der Lightseeker, Seniorberater des Königlichen Rates— 

Xavier:  
Versprichst du, dass du nicht wieder versuchst zu fliehen? 

Isaiah:  
Das Heilige Schwert der Göttin soll mein Zeuge sein.  

Zum ersten Mal seit seiner Ankunft blickt Xavier direkt auf die Statue des Heiligen Schwerts der Göttin. Er wirkt ruhig wie stilles Wasser und sagt nichts weiter. 

Isaiah:  
Mich gefangen zu nehmen ist sinnlos, Xavier. Du weißt nicht, wie man diesen Ort verlässt. 

MC:  
Aber es klingt, als würdest du es wissen. 


Isaiah:  
Ich werde nichts sagen. 

MC:  
Du gehörst jetzt zu uns. Was du weißt, wissen wir auch. 


Isaiah:  
Wie soll ich zu euch gehören? 

Xavier:  
Selbst ein besiegter Feind ist immer noch ein Mensch. 

Während er spricht, fließen Lichtbänder wie Wasser und legen sich fest um Isaiahs Handgelenke. 

Isaiah:  
Du ...! Hmpf ... 

MC: 
Hör auf auszuweichen. Sag uns einfach, wie wir hier rauskommen. Du willst doch nicht für immer gefesselt bleiben, oder?  


Xavier kommt herüber, stellt sich neben mich und verschränkt die Arme. Mit ruhiger Zuversicht sehen wir Isaiah an. Isaiah bewahrt eine gefasste Miene, während er die Zähne zusammenbeißt. Dann deutet er widerwillig auf mich.
 

Isaiah: 
Für andere ist es schwierig, ein Magnetfeld zu durchbrechen. Aber da du hier bist, wird es einfach sein. Finde den Flux-Nexus, der Energie sammelt, und zerstöre ihn. Dann wird sich die Energie zerstreuen. Das Feld wird kurz darauf zusammenbrechen.  

Ich gehe in die Hocke und lege meine Handfläche auf den Boden. Ich bin kurz davor, mit der Umgebung in Resonanz zu treten, aber Xavier zieht mich zurück.
 

Xavier: 
Handel nicht überstürzt. Wenn es nur darum geht, den Flux-Nexus zu zerstören, kann ich das auch. 

Isaiah: 
Natürlich. Ein einziger gewaltiger Evol-Ausbruch kann jedes Magnetfeld explodieren lassen. Vorausgesetzt, du hast dieses Ding nicht am Hals. 

Isaiah  hebt das Kinn, um seinen Hals zu entblößen, und tippt sich spöttisch an den Nacken.   

Isaiah:  
Sonst wäre es Selbstmord. 

MC:
Lass mich das machen.  


Ich klopfe Xavier auf den Handrücken. Dann schließe ich die Augen und aktiviere meine Evol, um den Flux Nexus im Magnetfeld zu suchen. Ich gehe dorthin, wo die Energie zusammenläuft, und stelle fest, dass der Flux Nexus nicht sehr stark ist. Ich zerstöre ihn mit der Resonanz-Evol. Die wirbelnde, ungewöhnlich konzentrierte Energie zerstreut sich wie Lämmer, die aus einem Pferch gelassen werden. Sie driftet friedlich davon. Die Umgebung zerbricht, stürzt ein und bebt heftig. Ich werfe einen letzten Blick auf das verschwommene Antlitz des Heiligen Schwertes der Göttin, unterdrücke das seltsame Gefühl in meinem Herzen und ergreife Xaviers ausgestreckte Hand.  


Der 470HM rast davon, und der Lärm verebbt mit den sich auflösenden Staubwolken. Dieser Teil der Stadtruinen kehrt in seinen leblosen Zustand zurück. Es ist nach Mitternacht. Dichter Nebel steigt zwischen den hoch aufragenden Gebäuden auf und kriecht lautlos an ihren Außenwänden empor, um sie einzuhüllen. Drei Gestalten mit Kapuzen treten in den Nebel und hinterlassen unheimliche Wellen.  

Ruhig klingender Backtracker: 
Ohne Ankerpunkt kommen wir jetzt nicht rein.  

Kraus klingender Backtracker:
Ich hätte nicht erwartet, dass sie und Xavier so vorpreschen. 

Ruhig klingender Backtracker: 
Das ist alles Isaiahs Schuld. Wenn er durchdreht, fürchtet er nichts mehr. 

Melodisch klingender Backtracker:
Hat sie das Heilige Schwert der Göttin gesehen? Glaubst du, sie wird sich an uns erinnern … und an Philos? 

Die Backtracker, die als ihre Anführerin fungiert, kauert sich hin, ihre Handfläche schwebt über dem Boden. Die chaotischen Spuren verschwinden, als wären sie von Wasser weggespült worden. Die rissige Straße darunter wirkt wie fehlerhafter Code. Ein kleiner Abschnitt verwandelt sich in eine verwitterte, schwere Platte aus reinweißem Stein. 

Ruhig klingender Backtracker: 
Soren hat uns nicht angelogen. Diesmal ist es ernst gemeint. Er hat es tatsächlich getan. Jetzt ist Warten unsere beste Verteidigung. 

Rau klingender Backtracker:
Aber Soren hat uns ausdrücklich gebeten, mit EVERs Reinigungskräften zusammenzuarbeiten, um Xavier und die anderen abzufangen und zu eliminieren… 

 

Melodisch klingender Backtracker : 
Gilt das auch für Ihre Majestät und Jeremiah?  Sie sollten Sorens Plan nicht mehr aufhalten können. Ist das wirklich nötig…?  

Der Backtracker verstummt. Sie drückt ihre Hand gegen die Steinplatte und streichelt sie langsam und widerwillig. 

Ruhig klingender Backtracker : 
Soren ist kein geeigneter Anführer. Es liegt an dir, ob du seinen Befehlen folgen willst.  Ungeachtet dessen, ob sein Herz von Hass verzehrt oder von Wahnsinn verblendet ist, hat sein Handeln das ursprüngliche Ziel der Backtracker nicht verraten. Bis die Entscheidung gefallen ist, werde ich nicht aufgeben. Das ist meine Pflicht als Backtracker. Es geht auch um meine Ehre als Mensch. 
 

Rau klingender Backtracker: 

Ein unbekannter Weg liegt vor uns, und wir geben alles … Wenn wir jetzt noch zögern, wären wir zu schwach.  Wenn alle immer so wären wie Xavier … hätten sich die Backtracker r nicht getrennt oder wären so geendet wie wir.  

 

Melodisch klingender Backtracker :  
Seufz … 

Der leise Klang einer Glocke dringt aus den Tiefen des Nebels. Fast gleichzeitig blicken die drei in die Ferne. Klassische Gebäude unterschiedlicher Höhe werfen Schatten, die flackernd erscheinen und wieder verschwinden. Sie verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, während dichter Nebel mit verborgenen Strömungen aufsteigt. Jemand wartet ungeduldig auf die endgültige Abrechnung. 

  

Nachdem wir die No Hunt Zone 39 verlassen haben, begleiten wir Isaiah zurück zum Blumenladen. Seine Hände sind von Lichtbändern gefesselt.  

Isaiah: 
Du hast versprochen, mich nicht zu fesseln, aber du hast dein Wort gebrochen! Ich werde dich zerstückeln, dich zu Pudding verarbeiten und auf Brot streichen – 

Xavier: 
Du magst keinen Pudding. 

Jeremia: 
Sie haben gesagt, sie würden dich nicht fesseln. Aber habe ich das gesagt? Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht. 

Nun in Jeremias Revier packt er Isaiah mit einer fließenden Bewegung und wirft ihn auf den Stuhl. Dann holt er Kabelbinder hervor, um ihn an der Lehne festzubinden. Als ich den Glücksbambus daneben eingewickelt sah, … Isaiah 

 strampelt panisch mit den Beinen. Ein Eimer mit Staudenpfingstrosen erstklassige Qualität mit schwarzem Etikett  kippt um. Die Blumen liegen verstreut auf dem Boden. Jeremiah scheint am Ende seiner Kräfte zu sein.
 

Jeremiah:
Kann ich ihn bewusstlos schlagen?  

MC: 
Das ist keine gute Idee.  


Jeremiah: 
Glaubst du wirklich, er wird uns nicht wieder verraten?  

Wortlos zieht Xavier einen hohen Hocker heran und setzt sich. Er hebt leicht die Hand und erschafft vier Lichtwände, die Isaiah umgeben.  

Isaiah:
Du…?! Warum wendest du die Strafe unserer Familie gegen mich wegen so einer Kleinigkeit an? Wie beleidigend…! 

Jeremiah:
 Er stammt aus der königlichen Familie von Philos. Er ist Xaviers jüngerer Brud – äh, Cousin. Er hatte schon immer ein Hühnchen mit Xavier zu rupfen, seit er geboren wurde.  

MC: 
Was? Er ist von königlichem Geblüt?  


Xavier: 
Diese Blumen sind kostbar. Du hättest sie nicht umstoßen sollen. Ich lasse dich gehen, sobald du ein paar Fragen beantwortet hast.  

Isaiah starrt uns schweigend an. Er hat sich mit einem gewaltlosen, aber nicht kooperativen Zustand abgefunden. Die Pattsituation dauert einen Moment. Dann sehen Xavier und ich uns an. Sein Mundwinkel zuckt, als wolle er mir signalisieren zu gehen, aber ich ziehe eine Augenbraue hoch, um ihm zu signalisieren, dass er gehen soll.  Drei Sekunden vergehen. Xaviers Blick wandert leicht. Er steht auf, führt mich auf den Barhocker, sodass ich ihm den Rücken zuwende, legt seine Hände auf meine Schultern und flüstert.  

Xavier: 
Wir müssen schnell nützliche Informationen aus ihm herausbekommen. Du bist die Einzige, die das kann. Jeremiah streitet sich ständig mit ihm, und wir sind einander feindselig gesinnt. Er wird nicht kooperieren.   

MC: 
Nach dieser unschönen Begegnung im Magnetfeld-Überlappungsbereich wird er wohl auch nicht mit mir kooperieren wollen. 


Ein leises Lachen dringt an mein Ohr. Xavier berührt sanft mein Ohrläppchen.
 
 

Xavier: 
Unterschätze nicht, wie viel du ihm bedeutest. Du bist anders als alle anderen Backtracker.
 

Na gut. Schlimmstenfalls verlieren wir noch mehr Zeit. Wenigstens haben wir noch etwas übrig. Xavier dreht mich und den Hocker zu Isaiah um. Ich räuspere mich, bevor ich ihn anspreche.  

MC:
Warum bist du weggelaufen?  


Isaiah: 
Warum bist du in der Nähe der No-Hunt-Zone  39 aufgetaucht? 

MC: 
Ich habe dort eine Magnetfeldanomalie gespürt. Wir untersuchen in letzter Zeit einige Anomalien. 


Isaiah:
Untersuchen… Du bist dir also auch nicht sicher, was sich in diesem Magnetfeld befindet. Hast du keine Angst, dass ich dich in die Irre führe? 

Meine Vorgehensweise ist Isaiah nicht gewachsen. Er bestimmt den Gesprächsverlauf.  

MC: 
Du bist in die No-Hunt-Zone 39 geflohen? Wegen der Magnetfeldüberlappung? Wie hast du sie gefunden? Mit Spezialausrüstung? Oder hat dir jemand Informationen gegeben?  Das liegt auf der Hand. Dieser Ort muss mit den Backtrackern in Verbindung stehen. 


(Aber Xavier und Jeremiah konnten nur systematisch nach anomalen Magnetfeldern suchen…Unterstützt jemand Jesaja? Oder hat er den Flux Nexus in diesem Magnetfeld platziert?) 

Dieses unerbittliche Verhör setzt ihn enorm unter Druck. Ich fühle mich selbstsicherer. Für die nächste Frage wende ich mich an Jeremiah.

MC: 
Er hat heute beschlossen zu fliehen. Ist heute ein besonderer Tag? 


Jeremiah: 
Ich habe ihm ein Monatsabo für Linkon Monthly gegeben. Ich habe ihm keine anderen Möglichkeiten gelassen, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Heute sollte er die Zeitschrift erhalten. 

MC: 
Mit anderen Worten, du hast erst heute von den anomalen Vorfällen in Linkon City erfahren. Wir können davon ausgehen, dass du von der Überlappung der Magnetfelder in der No-Hunt-Zone Nr. 39 wusstest. Aufgrund der Zeitungsberichte wusstest du, dass bestimmte Dinge bereits begonnen hatten.

  

Isaiah
…Du hast deine Annahmen getroffen. Warum stellst du mich immer noch in Frage?  

Isaiah sieht mich teilnahmslos an, sein trotziger Widerstand schwindet allmählich.  

Isaiah: 
Die No-Hunt-Zone Nr. 39 war einer der Orte, die Soren ausgewählt hatte. Sie war am nächsten, also beschloss ich, sie zu überprüfen.  Ich hätte nie gedacht … Heh, alle haben Soren unterschätzt. 

Jeremiah
Ich nicht. 

MC: 
Ich wusste immer, dass man sich besser nicht mit ihm anlegt. 


Xavier:
Ich habe auch nicht an ihm gezweifelt. 

Isaiah: 
Na gut, ich war also der Einzige, der das Offensichtliche nicht gesehen hat! Hörst du mir überhaupt zu?! 

Xavier und ich halten Jeremia sofort zurück, und Xavier macht ein ernstes Gesicht. Er gibt Isaiah ein Zeichen, fortzufahren.  

Isaiah: 
Während unseres Rückwegs haben wir viele mögliche Lösungen für Philos' Krise erwogen. Eine davon war die Planetentransplantation. Du hast gesehen, wie sich der Zustand des Magnetfelds überlappte. Sag mir nicht, du hättest nicht gewusst, dass das eine der Methoden zur Planetentransplantation ist. 

Xavier:
Alle Methoden, die wir besprochen haben, existieren nur in der Theorie. Sie sind unmöglich umzusetzen.  

Isaiah:  
Wie erklärst du dann, was wir im Magnetfeld gesehen haben? Wenn es sich nur um ein anomales Magnetfeld gehandelt hätte, verursacht durch Raumbrüche oder Verschiebungen, wäre es innen leer gewesen. 

MC: 
Er hat recht. Was ist mit den Gebäuden, die wir gesehen haben? Das sind eindeutig die Zeugnisse einer Zivilisation. 


Xavier: 
In der No-Hunt-Zone  39 befand sich… Philos. 

MC: 
P-Philos?! 


Obwohl ich so etwas schon geahnt hatte, bin ich von der Bestätigung dennoch erschüttert. 

(Daher kamen die Backtracker? Xaviers Heimat…?) 

Als ob er meine unausgesprochenen Fragen erahnte, schüttelte Xavier den Kopf. 

Xavier: 
Es sieht aus wie unsere Heimat, aber ich bezweifle, dass das das echte Philos ist. Es ist eher eine Projektion. Denk mal daran, wie lange das Licht eines Planeten braucht, bevor es uns erreicht. Was wir in diesem Moment sehen, ist eigentlich das, was es vor vielen Jahren war.  

Isaiah:
Ich stimme deiner Einschätzung zu. Was wir im Moment bestätigen können, ist, dass Soren einen Weg gefunden hat, Magnetfeldüberlappungen zu erzeugen. Vielleicht versucht er tatsächlich eine Transplantation. 

Alle sind ruhig, also fasse ich mich schnell und folge ihrer Argumentation.
 

MC: 
Ich verstehe das mit der Planetentransplantation nicht so ganz. Aber da es Philos' Problem lösen soll, müsste es doch Auswirkungen auf Philos haben, oder? Soren ist gerade auf der Erde. Du glaubst doch nicht, dass er plant, die Erde zu „transplantieren“, oder? 


Isaiah: 
Gute Frage. Wenn du mich nicht zurück gezerrt hättest, hätte ich ihn schon längst aufgespürt und ihn gezwungen, mir seine Pläne zu verraten. Ich schätze, ihr müsst die Antwort selbst finden. 

Jeremiah: 
Siehst du? Vielleicht hätten wir ihn einfach bewusstlos schlagen sollen. 

Müde lehnte ich Jeremiahs „freundliches Angebot“ ab und hielt dabei seine gierigen Fäuste fest. Ich fragte mich, warum Xavier Jeremiah nicht zurückgehalten hatte, und sah ihn mit gerunzelter Stirn nach unten blicken. Er schien in Gedanken versunken. 

MC: 
Xavier? 


Xavier: 
Hmm? 

MC: 
Denkst du über Sorens Pläne nach? 


Xavier: 
Ich kann mir im Moment nicht erklären, was er plant, aber… vielleicht müssen wir es gar nicht wissen. Wenn wir uns darauf versteifen, seine Züge vorherzusagen, lassen wir uns leicht an der Nase herumführen. Wir müssen nicht alles wissen. Solange wir ein allgemeines Muster erkennen und den entscheidenden Punkt treffen, können wir unser Ziel erreichen. Und Soren ist ganz offensichtlich der entscheidende Punkt in all seinen Plänen.  

MC: 
Aber wie überzeugen wir ihn, aufzugeben, wenn wir ihn gefunden haben? 


Xavier:
Das müssen wir nicht. 

Xavier blinzelt. 

Xavier: 
Im schlimmsten Fall können wir Jeremiahs Rat befolgen und ihn bewusstlos schlagen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. 

MC:
Ich schätze, Leute bewusstlos zu schlagen ist eine Tradition unter den Backtrackern. 


Xavier nickt leicht verlegen. Es ist, als hätte ihn gerade jemand gelobt. Ich bin sprachlos. Xavier hebt den Finger. Die Lichtwände und Lichtbänder um Isaiahs Handgelenke zerstreuen sich in Sternenstaub, bevor sie verschwinden. 

Xavier:
Abgesehen von der No-Hunt-Zone  39, welche anderen Orte hat Soren ausgewählt? 

Isaiah: Wollt ihr sie alle einzeln durchsuchen? Ich rate euch, das zu überdenken. Als du von EVER gefangen genommen wurdest, hat Soren auch an der Modifizierung deines Supressors mitgewirkt. Wir anderen haben bessere Chancen gegen ihn.
  

Isaiah analysiert die Situation ruhig, obwohl seine Unzufriedenheit mit Xavier in jedem Wort deutlich wird. 

Isaiah:
Die Überlappung der Magnetfelder ist Sorens Alles-oder-Nichts-Spiel. Diesmal wird er keine Gnade kennen. Glaubst du, er hat angesichts seines Zugangs zu EVERs Ressourcen etwas entwickelt, das speziell auf deinen Supressor abzielt? 

Xavier: 
Wahrscheinlich. 

MC:
Soren hat deinen Supressor modifiziert? Was hat er getan? 


Xavier:
Keine Sorge, ich werde mich nicht benachteiligen lassen.
 

Isaiah:
Du könntest den Supressor entfernen. 

Jeremia: 
Das werden wir niemals tun! 

Isaiah:
Dann kannst du dich zurücklehnen und zusehen, wie die Erde in Stücke gerissen wird. 

Isaiah schnaubte verächtlich. Sein Gesichtsausdruck verriet eine Mischung aus distanzierter Gleichgültigkeit und unterschwelliger Besorgnis. Diese Besorgnis löste auch in mir ein leichtes Unbehagen aus. 

(Sind die Probleme, die Soren verursacht hat, wirklich so schlimm? Isaiah neigt dazu, etwas zu übertreiben, wenn er spricht …Ich muss eine Gelegenheit finden, Xavier unter vier Augen nach seinem Suppressor zu fragen …) 

Xavier
Alle sind erschöpft. Lasst uns etwas ausruhen. Soren ist auch nur ein Mensch. Selbst wenn er Unfug treibt, braucht er Schlaf. 

Jeremiah
Gut, ich kümmere mich um ihn. Wir können morgen besprechen, wie wir seine Situation lösen. 

Jeremiah steht auf, um uns zu verabschieden, und nutzt die Gelegenheit, Isaiah heimlich zu treten. Doch der weicht aus. Xavier und ich tun so, als ob wir nichts bemerken. Wir richten unsere Blicke auf das, was vor uns liegt, während wir gehen. Wir biegen um die Ecke. Da der Blumenladen geschlossen ist und niemand zu sehen ist, treffen sich unsere Blicke und wir brechen in Gelächter aus. 

Xavier: 
Die streiten sich bestimmt gerade. 

MC:
Bringen wir ihnen morgen Salbe mit.

22:00 Uhr ist für Linkon City nicht gerade spät. Normalerweise würde das warme Licht der kleinen Stände die Fußgängerzone erhellen. Ihr sanftes, aber einladendes Leuchten schafft einen freundlichen Weg für Besucher. Als Xavier und ich die etwas leere Straße entlanggehen, überkommt mich ein Gefühl der Trostlosigkeit. 

Xavier: 
Ich rieche nichts Gebratenes. Reis oder gegrillte Wurst. 

MC: 
In letzter Zeit tauchen viele Anomalien auf. Die Leute scherzen darüber, dass sie sich den Weltuntergang herbeisehnen, aber tief im Inneren machen sie sich Sorgen. Der Supermarkt müsste noch geöffnet sein. Willst du hingehen? 


Xavier: 
Ich habe keinen Hunger. 

Ich kneife die Augen zusammen und packe ihn am Hemd an der Schulter. 

MC: 
Du verhältst dich seltsam, seit wir Isaiah verhört haben. Und jetzt sagst du, du hättest keinen Hunger? 


Xavier: 
Ich habe tatsächlich keinen Hunger. 

MC: 
Solange es kein ernstes Problem gibt, würdest du „okay“ sagen und etwas essen, selbst wenn du keinen Hunger hättest. 


Xavier:
Stimmt. Ich denke gerade über ein Problem nach. 

MC: 
Was? 


Xavier: Ich denke gerade darüber nach… 

Die Stille um uns herum macht Xaviers Zögern – er ringt nach einer Antwort – umso deutlicher.  Unter meinem immer eindringlicher werdenden Blick drückt sich ein Finger sanft gegen meine Stirn. Er schiebt mich zurück. 

Xavier: 
Ich denke darüber nach, wie genau du Isaiahs Schwächen erkannt hast. Du hast ihn noch nie zuvor getroffen, wusstest aber, wie du mit ihm umgehen musstest. Hast du einfach improvisiert? 

Xavier ist wieder einmal gerissen…Er benutzt meine Art, Isaiah zu verhören, um meinen Fragen auszuweichen! Xavier lächelt unschuldig, doch in seinen Augen blitzt ein Hauch von Schalk auf.  

Xavier: 
Ich verstehe. Dein Gehirn ist überlastet von der Informationsflut. Deshalb will es mich als Ablenkung nutzen, um sich ein wenig zu entspannen. Wenn du dich entspannen willst, habe ich viele Möglichkeiten, dir dabei zu helfen. 

MC: 
Nein, danke. Mich bewusstlos zu schlagen, ist nicht entspannend!  


Ich verschränke die Hände über dem Kopf, um die Handfläche abzuschirmen, die sich über mir bewegt.  

Xavier: 
Glaubst du, ich löse meine Probleme nur mit Gewalt?  

MC: 
So habe ich darüber noch nie nachgedacht. Aber seit Isaiah aufgetaucht ist, ist mir dieser Eindruck immer deutlicher geworden… Es ist nicht meine Schuld. 


Xavier nutzt meinen entspannten Zustand aus, durchbricht meine Abwehr und reibt mir mit beträchtlicher Kraft den Kopf. Bevor ich protestieren kann, drücken seine Finger auf mehrere Druckpunkte. Mein angespannter Geist fühlt sich tatsächlich entspannt an. 

Xavier:
Besser?  

MC:
Vorübergehend. Aber keines dieser Probleme ist gelöst. Ich muss dich außerdem genau im Auge behalten. Diese Momente der Entspannung sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  


In der Dunkelheit flackert das Licht in Xaviers Augen einen Moment lang. Er seufzt leise in meinem Ohr.  

Xavier: 
Du weißt schon, was ich vorhabe, nicht wahr? 

MC: Du willst, dass Isaiah dir die restlichen Standorte verrät. Dann findest du Soren selbst.

 

Xavier: 
Das wirst du nicht akzeptieren. 

MC:
Genau. Würde ich auch nicht. Ich weiß, wir haben vielversprechende Hinweise, also sollten wir ihn so schnell wie möglich finden. Wir dürfen ihm nicht zu viel Zeit geben und die Situation außer Kontrolle geraten lassen. Es sah so aus, als hätte ich die Raum-Zeit-Anomalien heute problemlos bewältigt, aber das lag an meiner Evol und dem Ätherkern. Die Anzahl der anomalen Vorfälle nimmt zu. Wenn diese Dinge in Zukunft überall auftauchen, werde ich todmüde sein und trotzdem nicht alles bewältigen können.  


Xavier: 
Um sicherzustellen, dass du noch lebst, sollten wir Soren so schnell wie möglich fassen. 
 

Die verlassene Geschäftsstraße ist ironischerweise der perfekte Ort für ein ernstes Gespräch geworden. Mitten auf der Straße tritt Xavier an die Straßenlaternen und zieht mich mit sich. Wir bewegen uns, als würden wir gemütlich spazieren gehen.  

Xavier
Ich möchte Soren allein finden, aber ich will ihn nicht sofort aufhalten. Isaiah hat Recht. Wir wissen nicht, was oder wie viel er mit den Ressourcen von EVER erschaffen hat. Er hat definitiv ein paar Dinge vorbereitet, die speziell auf mich abzielen. Isaiah war nicht paranoid. Wenn Soren die Planetentransplantation vollendet, werden die Stände, Märkte und das Leben, wie wir es kennen, aufhören zu existieren. Das darf nicht passieren. Und wenn Philos so zurückkehrt, ist es vielleicht nicht das, was wir uns erhoffen.  

Etwas melancholisch nicke ich. Ich weiß, seine Strategie ist so gut wie narrensicher.  

MC:
Aber du bist nicht der Einzige, der das kann.

 

Xavier:
Gibt es im Vergleich zu mir jemanden, der diese Aufklärungsmission eher unbeschadet überstehen könnte? Jeremia? Isaiah? Alles in allem ist keiner von beiden so geeignet wie ich.  

Wenn ich Xaviers Worte ausblende, könnte man aufgrund seines lässigen Tons meinen, er spräche über etwas so Triviales wie mehr Haare haben als alle anderen.  

MC: 
Das Problem ist, dass deine Chancen, unbeschadet davonzukommen, stark gesunken sind. Alles wegen dieser Sache.  


Als Xavier meinen Blick auf seinem Hals spürte, senkte er leicht das Kinn, und sein Gesichtsausdruck wurde etwas komplexer. 

Xavier:
Dann überlegen wir uns, wie wir ihn loswerden. 

MC: 
Du hast neben der Suche nach Soren auch darüber nachgedacht, wie wir den Supressor Mechanismus entfernen können, richtig? 


Xavier wollte gerade antworten. Doch nachdem er mich kurz angesehen hatte, blieb er stehen, und seine Augen verengten sich. 

Xavier: 
Du klingst eifrig. 

MC: 
Ich komme mit. 


Xavier
Für w Was? 

MC: 
Diese beiden Dinge. Den Supressor zu entfernen, ist bestimmt nicht einfach. So etwas ist vergleichbar mit einer großen Operation. Du brauchst Familie oder Freunde, die dich unterstützen. Und wenn wir danach Informationen sammeln, könntest du einen Überraschungsangriff starten und Soren überwältigen. Ich muss mit dir zusammenarbeiten, um uns den Weg freizukämpfen.  


Im Vergleich zu Xaviers Strategie ist meine etwas idealistischer. Aber ich habe mich bereits entschieden. Wenn er nicht vernünftig ist, werde ich jeden seiner Schritte rund um die Uhr überwachen. 

MC: 
Brauche ich einen Grund, um meinem Partner in allem beizustehen? 


Ich höre den Ton einer Benachrichtigung. Xavier liest sie. Dann steckt er sein Gerät weg und blickt auf. 

Xavier
Auf geht's.  

MC: 
Wohin gehen wir? 


Xavier: 
Wir müssen Dinge erledigen, bei denen die Familie von Anfang bis Ende dabei sein muss. 

Unter der Straßenlaterne verschmelzen plötzlich zwei Schatten. Nach einem hellen Lichtblitz ist die Straße wie ausgestorben. Um Mitternacht brennt in einem Gebäude in einem Geschäftsviertel noch immer das Licht im Obergeschoss. Das ist ganz normal.  Der elegant gekleidete Mann liest die Dokumente in seiner Hand zu Ende. Nachdem er ihre Richtigkeit überprüft hat, wirft er sie in den Aktenvernichter. Im Zeitalter papierloser Büros gehört er zu den wenigen, die immer noch lieber mit Papierdokumenten arbeiten. Bei bestimmten Informationsaustauschen ist diese Angewohnheit zu seinem Markenzeichen geworden.  

Die raue Oberfläche unter seinen Fingern vermittelt ihm ein Gefühl der Befriedigung. Elektronisch gespeicherte Texte hingegen lassen ihn leer fühlen.  

??: 
Billige, ineffiziente Informationen sind des Papiers nicht würdig, auf dem sie gedruckt werden könnten.  

??: 
Vielleicht sollte The Nest seine Geschäftsstrategie ändern. Nachtigallen scheinen besser zum Informationssammeln geeignet zu sein als Ameisen… 

Während er darauf wartet, dass der Aktenvernichter den dicken Stapel Dokumente vernichtet, überlegt er, wie er sein Geschäft verbessern kann. Eine handgemachte Visitenkarte dreht sich in seinen Händen, und Licht fällt auf den Namen „Randal“. Sie ist ziemlich gewöhnlich. 

Randal:
Es gibt nicht mehr viele Maulwürfe in der N109-Zone. Sie für EVERs Abfall zu verschwenden, lohnt sich nicht. Ich sollte sie für etwas Sinnvolleres aufsparen. Dieser rachsüchtige Meermann braucht im Moment auch keine „neuen Listen“. Wie schade. Der Älteste hinter Biosun Pharmaceuticals lässt sich nicht so leicht täuschen. Dieses Geschäft… ich muss seinen nächsten Schritt sorgfältig überdenken.  

Ein Lichtblitz erscheint draußen vor den bodentiefen Fenstern und verblasst schnell. Randal hält kurz inne. Dann blickt er auf die Uhr. Der Stundenzeiger steht noch nicht auf zwölf. Selbst in Märchen wäre er um diese Zeit sicher.  

Randal:
Wenn die Magie nicht versagt hat, dann klopft das Unheil an die Tür.  

Zwei Gestalten erscheinen auf der Aussichtsplattform draußen. Einer von ihnen drückt die Glastür auf und tritt ohne zu zögern ein. Er spricht, als wolle er Miete kassieren.  

Xavier:
Ich habe gehört, du hättest Informationen darüber, wie EVER meinen Supressor modifiziert hat.  

Randal:
Xavier, du weißt, wie du mich erreichen kannst. Musst du wirklich mitten in der Nacht vor meiner Tür stehen? Und wenn du schon um diese Uhrzeit auftauchen willst, hättest du dich mit deiner Evol in Licht hüllen und die Partikel langsam zerstreuen lassen sollen. Das wäre märchenhafter gewesen.  

Xavier: 
Ich lese keine Märchen. 

Randal: 
Was für eine Verschwendung von Evol…Oh, Miss Sie sind also zusammen hier.  

MC:
Kennen wir uns?  


Randal: 
Ich habe Sie im Nest gesehen. Oder besser gesagt, ich habe Sie gesehen, aber Sie mich nicht. 

Ich fange die Visitenkarte auf, die er mir zuwirft, und betrachte sie einen Moment. Schon bald entdecke ich eine kleine Textzeile unter einigen niedlichen Pilzillustrationen. 

MC: 
Das Nest… Randal. Sie waren also derjenige, der mich als Beute für den Jagdtag auserkoren hat?  


Randal: 
Sie überschätzen mich. Meine Beziehung zum Nest ist ungefähr so ​​intim wie die zwischen Ex-Partnern.  

Sein Gesichtsausdruck ist völlig normal. Ich will gerade das Thema wechseln, als ich Xavier sprechen höre. 

Xavier:
Das Nest hat keinen Besitzer, aber wer auch immer als sein Gesicht dient, wird ausgetauscht. Jetzt ist er an der Reihe.  

Randal:
Das sind vertrauliche Informationen. Du sagst es, als wäre es nichts Besonderes – oh …  

Eine Lichtklinge drückt gegen Randals Brust. Xavier sitzt bereits hinter seinem Bürostuhl.  Ich lade gemächlich meine Hunter-Feuerwaffe nach, entsichere sie und richte den Lauf auf Randal.  

MC: 
Da du ein Datenhändler bist, solltest du die geladenen Kugeln erkennen.

  

Randal: 
Das ist unnötig. Ich bin nicht unkooperativ.  

Xavier: 
Genug Unsinn für heute. Die Akten.  

Unter dem Lauf meiner Waffe und Xaviers Klinge trägt Randal ein schiefes Lächeln, zeigt aber kaum Furcht. Er gibt eine Reihe von Passwörtern auf dem Tisch ein und scannt seine beiden Handabdrücke. Ein verstecktes Fach fährt heraus.  Xavier hebt mit seinem Schwert eines der Papiere auf. Er wirft einen Blick darauf, bevor er es schnell wieder hinlegt. 

Xavier:
Das ist alles?  

Randal:
Mehr kann ich nicht bekommen. Die Gaia-Biotechnologie-Forschungsergebnisse Das Zentrum ist keine planlose Angelegenheit. Es ist nicht mehr dasselbe Institut wie früher.  

Xavier nickt mir von der anderen Seite des Tisches zu. Ich verstehe, was er meint. Dann stecke ich meine Waffe in den Holster und ziehe mich zum bodentiefen Fenster zurück. Das helle Bürolicht wird gleichzeitig schwächer. Als wir in Dunkelheit gehüllt sind, kehrt Xavier an meine Seite zurück. Bevor wir uns wegteleportieren, höre ich ihn leise Randal Lebewohl sagen.  

Xavier: 
Deine Dienste sind alles andere als besonders.  

Randal: 
Das ist hart, findest du nicht?  

MC: 
Ich kann Jeremiah eine Nachricht schicken, die bestätigt, dass Isaiahs Informationen stimmen. Vielleicht hilft ihm das, Isaiah etwas mehr zu vertrauen.  

MC:
Warum hast du die Papiere nicht mitgenommen?  


Xavier:
Wenn ich sie Randal überlasse, wird er sie wieder als Geheimdienstinformationen verkaufen. Die Käufer werden nicht wissen, dass ich weiß, was da drin ist. Wenn sie diese Informationen gegen mich verwenden wollen, können wir sie gegen sie verwenden. 

MC: 
Du bist ja ein richtiger Stratege, was? Ich bin beeindruckt! Was war da drauf? Kann man den Suppressor irgendwie entfernen?  


Xavier berührt seinen Hals und schüttelt langsam den Kopf.  

Xavier: 
Da war nicht viel. Nur zwei Dinge. Den Suppressor zu modifizieren, war NIEMALS der Hauptgrund, warum sie mich gefangen genommen haben. Gaia Biotech wollte meine Evol-Gene, aber der Suppressor machte die Extraktion unmöglich. Also haben sie in letzter Minute eine Anfrage an Soren gestellt. Sie baten ihn, den Supressor zu modifizieren. Im zweiten Teil hieß es, Sorens Modifikation sei erfolgreich gewesen. Er habe die Wirkung des Supressors verstärkt.  Mein Evol-Einsatz ist jetzt eingeschränkter.  

MC: 
Dieser Mistkerl … Woher genau stammt dein Supressor? Und warum konnte Soren ihn modifizieren?

  

Diese Frage beschäftigt mich schon so lange. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sie zu stellen. Ich dachte, hinter dem Schalldämpfer verbirgt sich eine weitere außergewöhnliche, komplexe und beunruhigende Geschichte. Aber ich hätte nie erwartet …  

Xavier:
Meine Familie hat ihn für mich angefertigt.  

MC: 
Deine Familie?  


Xavier: Ja. Er wurde ursprünglich zu meinem Schutz angefertigt. Auf Philos sind die Evol-Energie und die Lebenskraft eines Evolvers ein und dasselbe. Die Nutzung deines Evol bedeutet, dass du dein eigenes Leben für Macht opferst. Auf der Erde sind wir in Raum und Zeit verdrängt. Die Energie, die wir verbrauchen, kann nicht regeneriert werden. Der Suppressor schützt mich durch seine Fesselung.  

Der Klang meines Herzschlags wird in meinen Ohren verstärkt. Ich bezweifle fast, dass das, was ich höre, real ist. Trotz alledem klingt Xavier so ruhig.  …Natürlich konnte er das. Er wusste schon lange, dass dies sein Schicksal war. Was blieb ihm anderes übrig, als sich daran zu gewöhnen und distanziert zu bleiben? 

Xavier: 
Bist du so überrascht? 

MC: 
Im Grunde sagst du also … wir sollten den Suppressor nicht entfernen.  


Kein Wunder, dass Isaiah sagte, es wäre Selbstmord, wenn wir das täten … Ich drücke Xaviers Hand fester und wiederhole diese Worte bewusst. Wir können ihn nicht entfernen.  

Xavier: 
Hast du vergessen, was ich gerade gesagt habe?  

Xavier drückt beiläufig meine Hand, sein Tonfall wird entspannter.  

Xavier: 
Die Dokumente enthüllten keine Methode, den Supressor zu entfernen. Ein Überraschungsangriff auf Soren wäre jetzt also schwierig. Wenn wir morgen früh aufwachen, müssen wir uns neue Strategien überlegen. 

MC:
Gibst du die Entfernung des Supressors wirklich auf?  


Xavier: 
Ich habe keine Wahl. Die Erforschung dieser technologischen Mechanismen ist nicht meine Stärke. Ich kann es einfach nicht.  

Als ich sehe, wie er aufrichtig den Kopf schüttelt, bin ich tatsächlich erleichtert.  

Xavier: 
Ein Notruf von Jeremiah…  

Jeremiah: 
Eine Gruppe weißbehandschuhter Männer mit neuartigen Protonenkern-Waffen ist gerade in den Blumenladen gestürmt! Wir sind mit einem Auto geflohen! Isaiah sagte – 

Isaiah: 
Das sind EVERs Cleaner. Und wir sind nicht ihre einzigen Ziele. Wo seid ihr?!  

MC: 
Ich teile Jeremiah meinen Standort in Echtzeit mit.  

(Neue Protonenkern-Waffen? Weiße Handschuhe? Ich glaube, ich habe im Darknet etwas darüber gelesen …) 

Sie erledigen die Drecksarbeit für EVER. Brecht schnell durch und nehmt euch vor Selbstmordangriffen in Acht.  

Jeremia
Isaiah kann nicht allein gegen zwanzig Leute kämpfen. Er wird nicht lange durchhalten!  

Isaiah: 
Ein paar Backtracker sind auch hier. Jeremiahs Schwertkampf war schon immer einer der schlechtesten in unserem Team … Er konnte sie vorher nicht besiegen, also wird es jetzt unmöglich sein.  

Xavier: 
Verstanden. Konzentriert euch darauf, von dort wegzukommen.  

Das Gespräch endet, und das Chaos am anderen Ende legt sich vorübergehend. Ich weiß nur zu gut, dass wir keine Zeit haben, herumzusitzen und uns etwas Neues auszudenken.


 An einem gewöhnlichen Werktagmorgen gehen die Leute an der Straßenecke vorbei. Doch sie riechen nicht den vertrauten Blumenduft.  

 

Passant A: 
Ist heute geschlossen? Ich wollte ein paar Blumen fürs Büro holen.  

Passant B:
Wussten Sie das nicht? Der Besitzer schließt den Blumenladen ab und zu. Er nimmt es ganz gelassen. Junge Leute wie er, die Blumenläden in den belebten Vierteln der Großstädte eröffnen, haben meist Fernweh. Sie ziehen weiter, wann immer sie wollen. Wenn sie Lust dazu haben.

Die Kundin, die Blumen kaufen wollte, gibt nicht auf und geht zur Glastür, um in den Laden zu schauen. Auf dem Tresen steht ein Strauß frischer Blumen. Das Geschenkpapier ist nur teilweise um ihn gewickelt, was zeigt, wie eilig der Besitzer gegangen ist.
 

Passant A: 
Einfach so weggehen zu können … Ich bin so neidisch …  

 

Jeremiah: 
Wir fahren schon so lange, dass uns jeder, der versucht hat, mitzuhalten, längst abgehängt haben müsste.  

Xavier: 
Wir haben sie vor einer Viertelstunde abgehängt. 

Der endlose Strom des Berufsverkehrs zieht sich vor ihnen entlang, während sich ein kleiner Lieferwagen hindurchschlängelt. Unruhig schwankend, nutzt er seine schmale Bauweise aus. Einige Fahrer zücken ihre Handys, um die waghalsigen Manöver des Wagens festzuhalten. Leider verlieren sie ihr Ziel im Nu aus den Augen.  

Xavier:
Aber unsere Wahl ist klar. Sie werden uns früher oder später einholen. 
 

Ein kaltes Schnauben ertönt vom Beifahrersitz.  

Isaiah: 
Warum rammst du nicht einfach alle und schleuderst sie durch die Luft? Selbst wenn es sie nicht umbringt, würden sie wenigstens leiden.  

Jeremia: 
Die Waffen dieser Maskierten sahen gefährlich aus. Wer weiß, was sie sich diesmal wieder ausgedacht haben …  

Isaiah: 
Schon vor dem Kampf den Mut verlieren. Hehe, ich wusste, Feigheit liegt dir im Blut. 

Jeremia: 
Ja, ich bin nicht wie du. Als eiserner Adeliger hast du auch einen eisernen Kopf, nicht wahr? Warum gehst du nicht nach vorne und hilfst mir, die Scheinwerfer zu überprüfen? 

Bevor dieser „Kampf“ weiter eskalieren kann, ziehe ich mich zurück und stelle mich an Xaviers Seite. 

Isaiah: 
Wenn uns die Umstände nicht dazu gezwungen hätten, gäbe es keinen Platz für dich in meinem Geschwader…  

Jeremiah:
Du wärst perfekt als Leiter der  No-Hunt-Zone 99. Du würdest dich um diese mutierten Wanderer mit unreinem Blut und ihre biologischen Probleme kümmern…  

Ich höre den anhaltenden Spott von den Vordersitzen, reibe mir die Ohren und senke die Stimme. 

MC: 
Kommen die so wirklich klar? Auf der Flucht haben sie gut funktioniert.  


Xavier: 
So entspannen sie sich.  

Wenn sie Zeit zum Streiten haben, bedeutet das, dass die Lage nicht so schlimm ist. Du kannst das auch als Gelegenheit zum Entspannen nutzen.  

MC:
Wenn keine Gefahr in der Nähe ist, werden sie zur größten Bedrohung füreinander? 

Xavier: 
Ja, die Dynamik in unserem Team war schon immer so – reif und temperamentvoll. 

Die Ladefläche des kleinen Trucks wurde umgebaut, um mehr mittelgroße und große Pflanzen aufzunehmen. Xavier und ich pflücken ein Bananenblatt, um uns daraufzusetzen. Wir sitzen zwischen den Pflanzen wie zwei Zen-Blinde Passagiere.  

MC: 
Dein Supressor hat gerade geflackert.  


Xavier:
Das ist normal. Du hast das schon mal erlebt.  

MC: 
Heißt das nicht, dass du deine… Energie über das Sicherheitslimit hinaus verbrauchst?  


Xavier: 
Nicht unbedingt. Er könnte einfach eine Fehlfunktion haben.  

Je fortschrittlicher die Technik, desto anfälliger ist sie schließlich für Verschleiß. Er arbeitet seit vielen, vielen Jahren unermüdlich. Hör auf, mich mit ernster Miene hinters Licht zu führen…  

Xavier: 
Ich sage die Wahrheit. Er ist länger im Einsatz als ein durchschnittliches Raumschiff für Zeitreisen. Und er wurde über die Jahre modifiziert. Fehlfunktionen sind normal. Solange ich nicht ausfalle, ist alles gut.   

Ein paar Lichtpunkte steigen aus seiner Handfläche auf. Ihr Leuchten ist dasselbe wie sonst, wenn ich sie mit dem Finger berühre. Sie drehen sich im Kreis.  

Xavier
Von seiner Entstehung bis zu seinem Tod erlebt ein Stern Milliarden von Jahren. Seine Energie reicht aus, um mehrere Generationen auf der Erde zu überdauern. Selbst wenn mir eines Tages die Energie ausgeht, wird das noch sehr lange dauern.  

MC:
Du bist wirklich optimistisch.  


Ich habe die Existenz des Suppressors zwar zur Kenntnis genommen, aber zu sehen, wie Xavier davon betroffen ist, macht mich noch trauriger. Dieses rote Licht ist wie ein Countdown vor dem Ende. Allein seine Anwesenheit erfüllt mich mit Unbehagen.
 

MC:
Sie sind direkt auf Philo zugegangen, weil es dort eine Gruppe von Backtrackern gibt, die sich Soren angeschlossen haben. Und sie sind hinter dir her? 


Die anderen Backtracker waren Xavier gegenüber nicht feindselig gesinnt. Sie hatten es auch nicht so auf ihn abgesehen wie Soren. Aber jetzt …  

Isaiah: 
Die Backtracker waren von Anfang an keine harmonische Gruppe. Wer weiß, wie viele ihren aufgestauten Groll auf ihn projizieren?  

Xavier: 
Wenn wir ihre Handlungen als emotional motiviert betrachten, unterschätzen wir die Backtracker gewaltig.  

Diejenigen, die bereit waren, mit EVER zusammenzuarbeiten, und diejenigen, die später ausgestiegen sind, sind keine Narren. Sie sind intelligent, und deshalb ist jede ihrer Entscheidungen die optimale.  

MC: 
Selbst wenn diese Entscheidungen das Team auseinanderreißen und ehemalige Kameraden zu erbitterten Feinden machen würden?  


Xavier:
 „Das Team auseinanderreißen“ … „Ehemalige Kameraden zu erbitterten Feinden machen“  …  Die ursprünglichen Backtracker entstanden unter ähnlichen Umständen. Alle, die sich uns anschlossen, wussten, dass der Titel „Backtracker“ auf Philos keinerlei Ehre bedeutete. Er stand für Rebellion, Widerstand und verzweifelten Wahnsinn. Unsere Reise begann alles andere als mit Segen. Niemand erwartete unsere Rückkehr jenseits der Tiefen.

MC:
Xavier…  


Ich runzle die Stirn. Ich verstehe Xaviers Interpretation der Backtrackers, doch tief in mir drin will ich sie nicht akzeptieren. 

Xavier: 
Nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit haben sie mich verstanden, und ich habe sie verstanden. 

Ich verstand die Verwirrung, die Enttäuschung, die sich nach jedem Fehlschlag immer weiter aufstaute. Ich wusste auch, dass, obwohl der Weg vor uns in dichten Nebel gehüllt war… … niemand wirklich aufgegeben hat. Angesichts von Isaiahs und Jeremiahs stillschweigender Zustimmung merke ich, dass ihr Verständnis ihrer ehemaligen Teamkollegen mit Xaviers übereinstimmt. Doch diese Analyse verstärkt nur meine Erwartungen an die Situation.
 

MC: 
Also… sie haben sich für Soren entschieden, weil das Ziel, das er erreichen will, ihnen Hoffnung gab.  


Was Sorens Vorhaben angeht, haben wir immer das Gefühl, einen Schritt oder auch nur einen halben Schritt hinterherzuhinken.  

Isaiah: 
Aber die Backtracker  auf ihrer Seite hätten unsere Aktionen vorhersehen können. So ist das eben, wenn man seinen Feind kennt.  

Xavier: 
Du musst sie dir nicht so furchteinflößend vorstellen. Auch wenn sie jetzt Feinde sind, glaube ich nicht, dass sie hinterhältige Taktiken gegen uns anwenden würden. Wenn ein Konflikt unvermeidbar ist, wird es nur ein paar einfache Schlachten geben. Mehr nicht.  

Isaiah:
Ich sagte doch schon am Anfang, dass diese Leute auf die eine oder andere Weise verrückt sind. Mir tut es manchmal leid, wie ihr Leben verlaufen ist. Wenn du immer noch irgendwelche Illusionen über sie hast, heh… …werde ich den Rest meines Lebens damit verbringen, deine Geschichte als König des Leids zu schreiben. Dein Schande soll sich von unserem Sonnensystem bis zum Sternbild Schütze verbreiten. Jeder Stern der Galaxie wird deinen Namen kennen.  

MC: 
Du schreibst Bücher?  


Isaiah: 
Alle vielversprechenden Mitglieder der Königsfamilie tun das.   

MC: 
Das erklärt, warum du auf dem Schiff der Backtrackers Gedichte geschrieben hast –  


Xavier schiebt mir wie von Zauberhand einen Keks in den Mund. Er unterbricht mich, bevor er sich umdreht und mit autoritärer Stimme spricht.  

Xavier
Da du so gern schreibst, sprich jetzt nicht mehr. Du kannst gleich anfangen. Schreib auf, was immer du sagen willst.  

Isaiah: 
Du liest ja nicht mal, was ich schreibe!  

Xavier: 
Ich schaue es mir an, wenn ich Zeit habe.  

Jeremiah: 
Haha.  

Isaiah:
Warum lachst du?  

Jeremiah: 
Ich kann lachen, wann immer ich will. Was? Willst du mir etwa eine Geschichte über den König des Lachens erzählen?  

Isaiah::
Ich will nicht mit jemandem reden, der so schamlos ist wie du.  

 

Isaiah hatte genug von den Spötteleien. Er verschränkte die Arme und ignorierte alle.  Mein Blick wanderte von Isaiah Hinterkopf zu Jeremiahs Hinterkopf. Dann blieb er an Xaviers Profil hängen.  

 Xavier: 
Warum lachst du?  

MC: 
Stimmt. Ihnen beim Streiten zuzuhören, ist entspannend.  


Xavier schüttelte resigniert den Kopf und lehnte sich gegen den schweren Blumentopf. Einen Moment lang war er still. Dann kicherte er leise.  

MC:
Woher kommt eigentlich der Keks?  


Xavier: 
Ähm. Den habe ich von einem Baum gepflückt. Jeremiah hat einen Baum als Geschenk für einen wichtigen Kunden vorbereitet. Wir klauen ein paar Kekse, also lass dich nicht erwischen.  

Als ich sah, wie er die kleine Geschenkbox mit ein paar Blättern herunterzog, schluckte ich meinen Keks hinunter und ging näher an den Baum heran.
 

MC: 
Xavier, in einem Punkt irrst du dich. Wenn ich in deiner Heimat wäre … würde ich auf deine Rückkehr warten.  


Wir folgen Jeremiahs Plan und rasen eine Weile über die Vorstadtautobahn, bevor wir uns dem Lufttunnel nähern. Sobald wir im Hochgeschwindigkeitstunnel sind, können wir unsere Verfolger abschütteln und uns genug Zeit verschaffen, um uns neu zu formieren. Doch schon von Weitem können wir den Kontrollpunkt vor dem Tunnel sehen. Er blinkt rot. Wie eine unheilvolle Warnung ist der dünne Nebel kaltrot gefärbt.  

Xavier: 
Sieht so aus, als wäre er geschlossen.  

MC: 
Was für ein Zufall … Sag bloß … 


Xavier: 
Ihr Einfluss reicht nicht so weit. 

Lasst uns aufteilen und die Gegend erkunden. Wir treffen uns in zehn Minuten an der südwestlichen Ecke des Rastplatzes.  

Isaiah
Fünf Minuten.  

Nachdem er uns an der Kreuzung zum Rastplatz abgesetzt hat, macht Jeremiah eine Geste hinter dem Fenster seines Trucks und fährt langsam davon. Seine Geste war cool, aber sein kleiner Truck ist ziemlich ramponiert. Das Schild mit der Aufschrift „Philos Blumenlieferung“ ist nur noch ein „P“ übrig.  

MC: 
Wie kann der Innenraum noch intakt sein, wenn er voller Löcher ist?  


Xavier: 
Abgesehen von der Karosserie ist an diesem Truck nichts original. Jeremiah hat ihn zu so etwas wie einer Militärfestung umgebaut.  

Im schlimmsten Fall kann sich die Fahrerkabine angeblich in eine Schleuderkapsel verwandeln und die Ladung hinten für eine schnelle Flucht opfern.  

MC: 
Mit anderen Worten, er könnte die Blumentöpfe, die Pflanzen und uns opfern? 

  

Xavier:
Wenn das hier vorbei ist, werde ich Jeremiah bitten, die Schleuderkapsel etwas zu vergrößern.  

Ich nicke.  

Rastplatz am Lufttunnel   

Hunderte von Fahrzeugen parken auf dem Rastplatz. Die meisten davon sind gepanzerte Fahrzeuge oder Schwerlastwagen, die wertvolle Fracht transportieren. Ein runder holografischer Bildschirm in der Mitte ist in mehrere Anzeigen unterteilt. Der linke Bereich zeigt die Anzahl der aktuell dort befindlichen Fahrzeuge an. Als ich an einem der gepanzerten LKW vorbeifahre, überkommt mich ein Anflug von Neid. 

MC: 
Ich erinnere mich an Daten, die belegen, dass ein Fahrzeug mit ausreichender struktureller Integrität im Lufttunnel fast Schallgeschwindigkeit erreichen kann. Kann Jeremiahs umgebauter Lieferwagen das auch?  


Xavier
Ja.  

MC
Dann können wir also extrem hohe Geschwindigkeiten erleben?  


Xavier:
Die Expressspur ist sehr teuer.  

Der Lufttunnel verwendet Protonenkern-verstärktes Material als primäres Strukturbauteil. Im Vakuum gibt es fast keinen Widerstand. Dadurch sind die täglichen Wartungskosten astronomisch. Würde man normale Güter durch den Lufttunnel transportieren, würden allein die Mautgebühren den Wert der Ladung übersteigen.  

MC: 
Wenn wir den Tunnel verlassen, könnten alle Pflanzen hinten im Laderaum als Luxusartikel durchgehen. 


Fahrer A:
Tunnelinstabilität ist normal. Er ist seit zwei oder drei Jahren in Betrieb. 

Fahrer A: 
Wann wird er wieder geöffnet? Keine Ahnung. Wenn du nicht warten kannst, nimm einfach die normale Autobahn!  

Fahrer B: 
Sie sagten, es ginge um Dinge wie anomale Magnetfelder und ungewöhnliche Energieschwankungen. Sie werden den Tunnel erst wieder öffnen, wenn sich die Lage stabilisiert hat. Fernverkehr ist so anstrengend. Du könntest dich genauso gut ausruhen wie ich und dir eine Massagekapsel suchen.  

Nachdem wir einige Lkw-Fahrer befragt hatten, gingen Xavier und ich zur südwestlichen Ecke des Rastplatzes, um uns mit Jeremiah und Isaiah zu treffen. Die Erklärung des Personals deckt sich mit den Informationen, die wir erhalten haben. Niemand kann sagen, wann der Tunnel wieder geöffnet wird.  

MC: 
Haben sie einen Grund für die Schließung genannt? 


Jeremiah:
Anormale Magnetfelder, Energieschwankungen und andere Faktoren verursachen Instabilität im Tunnel.  

MC:
Das ist doch nur eine Ausrede … 


Isaiah: 
Was ist also der Plan? Warten wir weiter oder nehmen wir einen anderen Weg?  

MC: 
Es gibt nur einen Weg in den Lufttunnel. Wenn wir jetzt umkehren, laufen wir womöglich unseren Verfolgern über den Weg.  Aber wenn wir hier zu lange warten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie uns einholen. … Ich tendiere dazu, umzukehren und einen anderen Weg zu suchen. Was meint ihr?  


Xavier: 
Ich bin dafür, zu bleiben.  

Xavier und ich tauschen einen Blick. Dann sehen wir die anderen beiden an.
 

MC & Xavier: 
Was wählt ihr?  

Jeremiah
Ich… äh…  

Isaiah: 
Ich bin dafür, umzukehren. 
 

Jeremia:
Dann bleibe ich. Da wir auf jeder Seite zu zweit sind, wird niemand ausgeschlossen. Ach, ich weiß. Warum bleiben wir nicht einfach, und Isaiah kann gehen? 

Isaiah: 
Du spinnst wohl.  

Es scheint, als gäbe es nichts Wichtigeres als ihre verbalen Scharmützel. Genervt drehe ich den beiden den Rücken zu und frage Xavier nach seinen Gründen zu bleiben.  

Xavier: 
Nach meinem jetzigen Verständnis der Lage ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir ihnen begegnen, wenn wir zurückgehen.  

MC:
Schon? Hatten wir sie nicht kurzzeitig aus den Augen verloren, als wir auf der Autobahn waren? 


Xavier: 
Das reicht nicht.  

Unsere Entscheidung, die Autobahn zu verlassen, ist ein Signal.
 

Xavier: 
Sie wissen, dass wir ihnen jetzt nicht direkt gegenübertreten wollen und dass wir Abstand schaffen, um Zeit zu gewinnen.  

MC: 
Und unter den schnellsten Wegen, Linkon City zu verlassen, ist der Lufttunnel die beste Wahl.  


Xavier überzeugt mich und Isaiah. Alle beschließen einstimmig zu bleiben. Jeremiah zeigt mir den Daumen nach oben. 

Jeremiah: 
Dann ist es beschlossen. Ich habe seit gestern nichts gegessen oder getrunken, also ist das die perfekte Gelegenheit, neue Energie zu tanken. Ihr solltet das auch tun. Geht nicht mit leerem Magen in den Kampf.  

MC: 
Schon gut. Iss du zuerst. Wir sind sowieso nicht so hungrig.  


Xavier: 
Ja… Wir sammeln in der Zwischenzeit Informationen.  

Angesichts der Pflanze, deren Gaben fast zur Hälfte bereits vernichtet sind, nehmen Xavier und ich unsere arbeitsbereite Haltung ein. Der runde Bildschirm ist in sechs Segmente unterteilt. Er zeigt Live-Nachrichten, Verkehrsmeldungen und aktuelle Kinofilme und Fernsehsendungen. Manche Fahrer haben ihre Autotüren offen und lehnen sich zurück, um die Bildschirme zu beobachten. Andere stehen in der Nähe der Essensausgabe, um etwas zu essen und zu trinken. Der Tunnel befindet sich in großer Höhe, und die Raststätte ist ständig in leichten Nebel gehüllt. Das verleiht ihr eine überraschend gemütliche, wohnliche Atmosphäre.  

Xavier: 
Du siehst genauso aus wie der Lieferfahrer, der sich Sorgen gemacht hat, zu spät zu kommen. Perfekte Tarnung.  

MC: 
Wer? Ich? Nein …  


Xavier: 
Denkst du nicht eher an so etwas wie: „Hätte ich das gewusst, wäre ich anders gefahren“? 

MC:
Magnetfeldanomalien können den Tunnel beeinflussen. Ich hatte mit Problemen im Zusammenhang damit zu tun, aber diesen Zusammenhang habe ich völlig übersehen.  


Xavier nickt und beginnt zu zählen.  

Xavier: 
In diesem Fall sollten wir Jeremiah zur Verantwortung ziehen. Er fuhr den LKW.  Auch Isaiah trägt eine große Verantwortung. Hätte er die Verfolger nicht auf sich aufmerksam gemacht, hätten wir Zeit gehabt, alternative Routen zu planen. Ah. Da ich alleine gehandelt und sie nicht richtig beaufsichtigt habe, trage ich die Hauptverantwortung.  

Seinen Berechnungen zufolge scheint die Verantwortung für einen Fehler nicht für vier Personen zu reichen. Ich fühle mich ziemlich hilflos. 

MC: 
Ja, ja, alle sind schuld. Meine Strafe ist, mir Isaiahs Geschichten anzuhören, und deine ist, für Jeremiah zu arbeiten.  


Xavier: 
Lass Isaiah stattdessen für Jeremia arbeiten. Meine Strafe ist, dir meine 310hm zu geben. So hast du drei Generationen von HM-Motorrädern. Jeremiah … Seine Strafe ist, sich Isaiahs Geschichten anzuhören. Du würdest sie sowieso nicht verstehen. 
 

MC:
Was soll ich dann tun?  


Xavier: 
Du bist dann dafür verantwortlich, mich zur Arbeit und zurück zu fahren, wenn ich kein Motorrad habe?  

MC:
Hast du dein Team so geführt? Langsam verstehe ich den wahren Grund für die Trennung der Backtrackers.  


Xavier: 
Ähm. 

Xavier wendet sich lässig ab und bewundert die ferne, neblige Landschaft. Ich weiß, Xavier hat Recht. In einem Kampf, in dem Verbündete Seite an Seite kämpfen, ist es respektlos gegenüber den Teamkameraden, die gesamte Verantwortung übernehmen zu wollen.  

MC: 
Könntest du vielleicht versuchen, deine Teamkameraden nicht im Stich zu lassen, wenn du das nächste Mal jemanden trösten willst? Ich befürchte, Jeremiah wird uns eines Tages so satt haben, dass er uns zu Dünger verarbeitet.  


Xavier: 
Gefällt dir nicht, was ich gesagt habe? 

MC: 
Doch…  


Als er sieht, wie ich seufze und gleichzeitig erleichtert bin, lächelt Xavier verständnisvoll und lehnt sich zur Seite. Er blickt sich beiläufig um.  

Xavier: 
Mir ist aufgefallen, dass du immer wieder die Stirn runzelst und dann aufschaust. Was hat deine Aufmerksamkeit erregt?  

MC: 
Der Wetterbericht. Er besagte, dass die Anomalien anderswo unter Kontrolle seien, aber in Linkon würden sie sich nur verschlimmern.  


Xavier:
Die Wetteranomalien und die ungewöhnlichen Magnetfelder dürften mit Sorens Aktivitäten zusammenhängen.  

MC:
Aber warum Linkon City? Liegt es daran, dass EVER hier über mehr Ressourcen verfügt? Ich dachte, so etwas würde an Orten mit weniger Menschen stattfinden. Es würde nicht so schnell auffliegen. 


Xavier: 
Wenn sein Ziel darin besteht, Philos durch eine Magnetfeldüberlappung zu retten, dann kann das nur in Linkon geschehen. Der Weltraumtunnel hat die größten Auswirkungen auf Linkon City. Verschiedene Operationen, die magnetische Schwankungen nutzen, lassen sich hier leichter durchführen. Und… Hier stürzte Traceback II ab. Für ihn und einige andere Backtracker ist es auch der Ort, an dem sie fielen. Wenn sie eine Chance auf ein Comeback haben, wird Linkon City ihr neuer Ausgangspunkt sein. 

MC:
Ich verstehe.  


Über verlorene Heimatländer zu sprechen, scheint hier unangebracht.
 

(Schade, dass ich keine Gelegenheit habe, die anderen Backtracker zu fragen, wie es ihnen auf der Erde ergangen ist…) 

Gefällt ihnen die Erde? Haben sie sich an das Leben hier gewöhnt? Betrachten sie die Erde als eine zweite Heimat? Ich schätze, die meisten würden nein sagen. Sonst gäbe es diese wiederkehrenden Konflikte nicht. Jeremiah und Isaiah kehren mit dem Essen zurück, das sie zusammengesucht haben. Überraschenderweise schalten sie das Fernsehdrama ein, das ununterbrochen in der Ecke des Bildschirms läuft.  

Jeremiah: 
Tsk, tsk… Zeigen die das immer noch? Sag bloß, die haben schon zehn Staffeln.
 

Isaiah
Ein Drama über einen Arbeitsplatzidol und die Raffination von Protonenkernen? Warum muss das so nach Magie aussehen? Magie? Hirnlose Leute gucken sich hirnlose Sendungen an.  

Auf dem Bildschirm erforscht der Protagonist Methoden, um die natürlichen Energiequellen der Erde, wie Öl und Kohle, in Protonenkerne umzuwandeln.  
 

MC: 
Wenn es doch nur so einfach wäre… Wenn sich natürliche Energiequellen und Protonenkern-Energie ergänzen und unterstützen könnten, gäbe es vielleicht mehr Innovationen in der Energietechnologie. Aber das ist unmöglich… 


Isaiah:
Da bin ich mir nicht so sicher.  

Wir sind schnell von dem übertriebenen Melodrama der Sendung schockiert. Wir können uns nicht mehr auf unsere wissenschaftliche Diskussion konzentrieren.  

Isaiah:
Wer steuert den Bildschirm? Ich will mich beschweren! Das ist geistige Vergiftung!  

MC: 
Vergiss es. Es gibt immer noch genug Leute, die das gerne sehen. Wenn es dir nicht gefällt, schau einfach weg.  


Xavier: 
Ruhe. 

Xavier steht plötzlich auf. Mit mürrischem Gesichtsausdruck blickt er zum Eingang der Raststätte.  

Xavier: 
Irgendetwas stimmt nicht.  

Der Tunnel ist schon seit einiger Zeit gesperrt, und die Information hat sich unter den hier festsitzenden Fahrern verbreitet. Nach unserer Ankunft kamen weniger Autos. Doch in diesem Moment fährt ein gepanzerter LKW in die Raststätte ein.  

(…! Energieschwankungen!)  

MC: 
Das neu angekommene Fahrzeug ist mit einer Ladung aktiver Protonenkern-Energiewaffen beladen. Es sind ziemlich viele.  

Sie müssen nicht unbedingt von EVER stammen. Aber Xavier zögert nicht. 

Xavier: 
Rückzug. Steigt in den Truck.  

Wir nutzen den Nebel und die anderen großen Fahrzeuge als Deckung und fahren zur Ecke. Eine subtile Energieveränderung liegt in der Luft. Xavier und Isaiah richten ihre Aufmerksamkeit auf die Mitte. 

Xavier: 
Meidet die Patrouillenroboter.  

(Es ist genau wie damals, als Xavier mir half, aus dem Nest zu fliehen. Wir trafen sie auf dem Azure Square …) 

MC: 
Setzt EVER sie ein, um uns zu verfolgen …? 


Isaiah: 
Sie sind alle Produkte von EVER. Die Tatsache, dass sie sofort die Steuerungssysteme der Roboter gehackt haben, beweist es. Bei dem Tempo werden sie unseren Standort in zehn Minuten bestimmen.  

Xavier:
Mach dich bereit für einen Kampf.  

Isaiah: 
Ja.   

Der Nebel wird dichter, und mein Griff um die Waffe wird schweißnass. Vielleicht müssen wir gar nicht kämpfen. Doch die Spannung lässt mein Herz trotzdem schneller schlagen. Ein unerwartetes Thema durchbricht die Stille unseres Rückzugs.  

Jeremiah: 
Bevor dieser schwere Kampf beginnt, muss ich etwas beichten. Über die Jahre habe ich heimlich Teile unseres Raumschiffs, das auf dem Rückweg war, für meinen Truck verwendet.  

Isaiah: 
Da du verrückt bist, solltest du vielleicht eine Therapie machen. Sterben ist auch eine Option. 

MC: 
Keine Widerrede…  


Ich verstehe zwar nicht, warum Jeremiah das anspricht, aber Isaiahs wütender Gesichtsausdruck erstarrt. Dann zerfällt er.  

Isaiah:
Sag mir bitte nicht, dass du diese selbstmörderische Idee, einen Miniatur-Warpantrieb zu modifizieren, immer noch nicht aufgegeben hast… 

Jeremiah: 
Haha.  

MC
Ein Miniatur-Warpantrieb? Kann man den in einen Truck einbauen? 

Erschrocken sehe ich Xavier an. Selbst sein ernster Gesichtsausdruck zeigt erste Anzeichen von Erstarrung. Jeremiah wird zum ruhigsten Menschen im Raum, sein Gesichtsausdruck verrät einen Anflug von Belustigung. 

Jeremiah:
Wie dem auch sei, wir haben im Moment nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir stürmen los und kämpfen. Oder wir probieren den Miniatur-Warpantrieb meines Trucks aus, in dessen Modifizierung ich mein ganzes Herzblut gesteckt habe.  

Isaiah:
Wie hoch ist die Erfolgsquote?  

Jeremia: 
Wenn Erfolg bedeutet, dass niemand stirbt, dann 100 %. Im schlimmsten Fall wissen wir nicht, wo wir landen.  

Isaiah:
Ist deine Rücksichtslosigkeit mit dem Alter gewachsen?  

Jeremiah:
Hat dein Mut mit dem Alter nachgelassen?  

Isaiahs Stirn runzelt sich, bevor sie sich wieder entspannt. Er schnaubt verächtlich und richtet die Frage an mich.  

Isaiah:
Du entscheidest.  

Jeremia: 
Ja. Du entscheidest.  

MC: 
Zuerst muss ich wissen, was dieser Raumwarp ist … Zweitens, hast du vergessen, dass Xavier dein Anführer ist?  


Xavier
Es ist im Grunde eine Technologie für Punkt-zu-Punkt-Weltraumreisen. Aber du hast deine Wahl ja schon getroffen, oder?     

MC: 
Ich denke, wir sollten uns den Weg freikämpfen, anstatt dem riskanten Warp-Antrieb eines Trucks zu vertrauen. Falls wir besiegt werden, können wir uns immer noch teleportieren, richtig? Reicht die Zeit dafür?  


Jeremiah: 
Theoretisch ja. Aber ein Raumwarp unter instabilen Bedingungen erhöht die Unfallwahrscheinlichkeit!  

(…Mit anderen Worten: Es ist der Unterschied zwischen einem kleinen und einem riesigen Risiko.) 

Ich seufzte erschöpft. 

(Dann wähle ich das kleinere Übel.) 

Nachdem ich meine Gedanken geordnet habe, wende ich mich den geduldigen Blicken der drei Männer zu und knirsche mit den Zähnen.  

MC:
Jeremiah, hast du eine Möglichkeit, wie wir unbemerkt verschwinden können? 


Jeremiah:
Ich hab's.  

MC:
Können wir eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme einbauen? Wir müssen sicherstellen, dass wir in einem bestimmten Umkreis bleiben und nicht auf der anderen Seite des Planeten landen.  


Xavier: 
Es gibt hier Leute mit umfangreicher Erfahrung mit ungeplanten Warp-Punkten.  

Mir wird klar, dass er von ihren Erfahrungen mit Traceback II durch Raum und Zeit spricht, und ich kann ein wenig Nostalgie nicht unterdrücken. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür.  

MC: 
Du hast wirklich einige epische Abenteuer erlebt.  


Xavier, der als Erster eingestiegen war, dreht sich in der Hocke um und schiebt die Äste beiseite, die die hintere Tür versperren, während er nach mir greift.
 
 

Xavier: 
Egal, welches Abenteuer wir erleben, du warst immer für mich da.

Bevor ich darüber nachdenken kann, was er meint, zieht er mich ins Fahrzeug. Die Tür schließt sich hinter mir. Sie scheint alle Bedrohungen von außen auszusperren. Eingezwängt in einer Ecke, versteckt zwischen zwei schweren Lastwagen, blitzen die Fenster des kleinen Fahrzeugs auf. Nachdem wir uns vergewissert haben, dass man von außen nicht in den Lkw hineinsehen kann, hebt sich das Lenkrad, und Jeremiah bedient geschickt das darunter verborgene Bedienfeld.  

Jeremiah: 
Jetzt ist es ein kleiner Lkw mit Tarnvorrichtung und Stealth-Technologie. Wir können die Schatten als Deckung nutzen und in die Nebenstraße des Tunnels neben dem Kontrollpunkt einbiegen. Sobald wir da sind, aktivieren wir den Warp-Antrieb am Ende der Kette. Der Tunnel wird den Lärm verbergen, also werden sie uns hoffentlich nicht bemerken.  

MC: 
Okay.  


Alles läuft genau wie von Jeremiah beschrieben. Weder die Patrouillenroboter noch der Kontrollpunkt bemerken uns. Der LKW fährt in die Nebenstraße des Tunnels ein. In diesem letzten Moment streckt Xavier mir die Hand entgegen, als wolle er meine Zustimmung einholen.  

Xavier:
Wir sprengen die Patrouillenroboter in die Luft, um ihnen zu „zeigen“, dass wir uns an diesem Rastplatz verstecken.  

MC: 
So verschwenden sie hier noch mehr Zeit.   


Ich ergreife seine Hand, und wir erzeugen eine lautlose Resonanz, kurz bevor das Fahrzeug in den Tunnel einfährt. Im Rastplatz suchen mehrere Gestalten nach etwas. Patrouillenroboter schweben in der Luft. Mitten in der Luft  

überblicken ihre Facettenaugen den Tunneleingang. Spuren kalten, roten Lichts blitzen auf. Plötzlich verlieren alle Roboter die Energie, ihre Augen flackern und erlöschen. Sie stürzen einer nach dem anderen zu Boden…