25
Licht in die Dunkelheit
01 | Einladung
Das endlose Gezanke dröhnt in Isaiahs Ohren und bringt ihn aus dem Takt seines Schwerttrainings.
Er verabscheut es, unterbrochen zu werden, wenn er sich konzentrieren will. Er zieht die Stirn kraus und steckt seine Klinge zurück in die Scheide. Das heutige, selbst auferlegte Training ist vorzeitig beendet. Er geht auf die Quelle des Tumults zu.
Am Eingang des Trainingsgeländes stehen sich zwei Gruppen gegenüber. Auf der einen Seite eine Handvoll unscheinbarer Schüler. Bürgerliche. Auf der anderen Seite dieser unausstehliche junge Marquis, den Isaiah am meisten verabscheut. Hinter ihm stehen seine einfältigen Gefolgsleute.
Da die Auswahlzeremonie des Ordens der Lightseeker immer näher rückt, herrscht überall Unruhe.
"Wir haben diesen Platz im Voraus reserviert und uns an alle Regeln gehalten! Was gibt dir das Recht, ihn uns wegzunehmen?" Der junge Mann, der die Bürgerlichen anführt, ballt die Fäuste.
"Regeln?" Der junge Marquis richtet mit träger Gleichgültigkeit seinen Armschutz. "Sie existieren, um Effizienz zu gewährleisten. Und im Moment ist es am effizientesten, die Ressourcen denen zuzuteilen, die am ehesten ausgewählt werden." Er tritt einen Schritt vor, und seine Anhänger drängen sich hinter ihm. "Schließlich kann keine Anstrengung der Welt die Kluft zwischen den Blutlinien überbrücken."
Das Gesicht des jungen Mannes läuft rot an vor Wut, seine Brust hebt und senkt sich heftig. Isaiah nähert sich. Als sich ihre Blicke treffen, flackert Hoffnung im Gesicht des Bürgerlichen auf. An der Astria-Knyght-Akademie gibt es nur wenige, die dieses Mitglied der Königsfamilie nicht kennen – berüchtigt für seinen Hochmut und seine scharfe Zunge. Vor allem aber verleiht ihm sein Stand die Autorität, diesen Streit zu beenden.
Als der junge Marquis Isaiah gegenübersteht, setzt er sofort ein warmes Lächeln auf. "Es ist nichts Wichtiges. Sicher nichts, das der Erwähnung wert wäre."
Isaiah ignoriert ihn und geht direkt auf die Bürgerlichen zu. Er macht sich nicht einmal die Mühe, sie voneinander zu unterscheiden. Er zieht einen Umschlag mit dem Wappen seiner Familie aus seinem Mantel und hält ihn dem jungen Mann vorne zwischen zwei Fingern hin.
"Eintrittskarten für die äußere Halle." Isaiahs Stimme ist kühl, sein Ton duldet keinen Widerspruch. "Nimm sie. Mein Vater veranstaltet ein Bankett. Dort könnt ihr euer Glück versuchen."
Für ihn ist dies ein effizienterer Tausch von Wert, als sich um das Trainingsgelände zu streiten. Eine Gelegenheit, von der gewöhnliche Schüler nur träumen könnten – für ihn lediglich ein belangloses Geschenk – eingetauscht gegen sofortige Ruhe.
Die Schüler erstarren. Der junge Mann vorne starrt auf den goldgeprägten Umschlag, während Demütigung und Zögern auf seinem Gesicht miteinander ringen.
Der junge Marquis grinst. Er öffnet den Mund, um Isaiah zu schmeicheln, doch Isaiahs Aufmerksamkeit ist bereits woanders. Zwei große Gestalten nähern sich aus der entgegengesetzten Richtung.
Xavier wurde offensichtlich mitten aus seinem Training gerissen. Das Schwert in seiner Hand glänzt noch immer in kaltem Silberlicht. Verwirrt geht Jeremiah neben ihm her und reckt den Hals in Richtung der Schülergruppe. "Trainiert ihr nicht? Hast du nicht gesagt, jemand hätte euch den Platz weggenommen? Deshalb hast du mich gebeten, den Präfekten zu holen..."
Isaiah fand diesen lockenköpfigen Bürgerlichen schon immer nervtötend, besonders wenn er zu viel redet und seinen Platz vergisst.
"Xavier!" Die Schüler klammern sich an Xavier wie an einen Rettungsanker. Sie eilen hinter ihn, ihre Stimmen voller Empörung. "Wir haben das Trainingsgelände zuerst reserviert und uns an die Regeln gehalten. Sie sind einfach aufgetaucht und haben es uns weggenommen."
"Ist das so?" Xavier würdigt Isaiah keines Blickes. Stattdessen richtet sich sein Blick auf den jungen Marquis hinter ihm.
Seit Xavier aufgetaucht ist, wirkt der junge Marquis angespannt. Sein Lächeln erstarrt, und die Atmosphäre wird schwer.
"Das Trainingsgelände gehört der Königsfamilie. Warum sollte man dafür überhaupt reservieren müssen..."
Xaviers Blick gleitet ruhig über alle Anwesenden. Dann hebt er die Hand, und ein sanfter, aber fester Lichtschirm erscheint über dem Eingang. Darauf werden die Zugangs- und Reservierungsdaten sichtbar. Auf der Oberfläche des Lichtschirms leuchtet das von den Schülern reservierte Zeitfenster auf – und zeigt, dass es noch nicht abgelaufen ist.
"Die Systeme des Trainingsgeländes sind gut instand gehalten. Deine Augen müssen schlecht sein, wenn du das nicht lesen konntest." Xavier betrachtet den jungen Marquis mit kühler Distanz. "Kannst du es jetzt sehen?"
"I-ich... ich sehe es..."
Während die jubelnden Bürgerlichen sich um Xavier drängen, wirft er Isaiah nicht ein einziges Mal einen Blick zu. Dieses Auslassen wirkt absichtlich.
Isaiah bewahrt seine hochmütige Fassade, knirscht jedoch mit den Zähnen und schluckt seinen Groll hinunter. Jeremiah ignorierend tritt er vor und reicht Xavier eine noch edlere Einladung. "Perfektes Timing. Das erspart mir die Mühe, diesen Untergebenen von dir zu fragen. Mein Vater bestand darauf, die Einladung Eurer Hoheit persönlich zu überreichen."
Jeremiah verdreht die Augen, sobald Isaiah den Mund aufmacht. Isaiah bemerkt es und wirft ihm einen scharfen Blick zu. Dieser lockenköpfige Bürgerliche ist schon wieder respektlos! Dass Xavier sich mit so jemandem umgibt, ist völlig unter seiner Würde.
"Wie aufmerksam von dir", sagt Xavier. "Das Bankett überschneidet sich mit meinem Trainingsplan. Ich werde nicht kommen."
Er wendet sich mit vertrauter Leichtigkeit an Jeremiah. "Lass uns zurückgehen."
"In Ordnung." Jeremiah fällt sofort neben ihm in Schritt.
Die beiden gehen Schulter an Schulter davon, ihre Schritte vollkommen aufeinander abgestimmt. Gesprächsfetzen über die Auswahlzeremonie werden vom Wind zurückgetragen.
Isaiah bleibt wie angewurzelt stehen, während sich die zurückgewiesene Einladung in seiner Hand zerknittert.
02 | Entscheidung
Xavier ... betrachtet Jeremiah tatsächlich als seinesgleichen. Einen Bürgerlichen. Ihre sich entfernenden Gestalten, die sich vollkommen synchron bewegen, stehen wie eine unausgesprochene Antwort jenseits der Grenzen jener Welt, an der Isaiah immer festgehalten hat. Es ist unmöglich, es zu erklären – und unmöglich, es zu ignorieren.
Die Tage vergehen, doch jede Erinnerung schärft das Bild nur weiter.
Während seines einsamen Trainings gerät Isaiahs Schwertführung auf ungewöhnliche Weise ins Stocken. Wenn seine Klinge zittert, ist das, was er nicht unterdrücken kann, etwas Tieferes: ein instinktives, nagendes Unbehagen.
Xavier, der zukünftige König von Philos, entfernt sich immer wieder von der Welt, die zu regieren er geboren wurde. Und Jeremiah ist dabei der deutlichste Bezugspunkt. Er ist ein unbedeutender Bürgerlicher, der es wagt, einen Platz im Orden der Lightseeker zu begehren.
Ein Ritter zu sein bedeutet, das Gewicht seiner Blutlinie und seiner Pflicht zu tragen. Ihre Bedeutung und ihre Ehre dürfen nicht leichtfertig behandelt werden.
Isaiah wird Xavier den richtigen Weg zeigen. Diejenigen, die wirklich würdig sind, an seiner Seite zu gehen, sind jene, die geboren wurden, die Zukunft von Philos zu tragen – nicht irgendein zufälliger Begleiter, der nur zufällig mit ihm denselben Weg eingeschlagen hat.
Unter dem Heiligen Schwert der Göttin richtet Isaiah seine Klinge auf Jeremiah. "Ich werde derjenige sein, der deine Qualifikationen prüft."
"Ich, Isaiah, Schüler des dritten Jahres aus dem Haus Starhunters, Sohn des Obersten Ratsmitglieds des Königlichen Rates und Mitglied der Königsfamilie, fordere dich hiermit offiziell zu einem ehrenhaften Duell heraus!"
Kaum haben die Worte seine Lippen verlassen, schießt seine Klinge wie ein Blitz nach vorn. Er wartet nicht auf Jeremiahs Antwort.
Jeremiahs Hand fährt zu seinem Schwertgriff, und er fängt den Angriff mit gleicher Entschlossenheit ab.
Der Schlagabtausch ist schnell und erbittert. Unnachgiebig hallt das Kreischen scharfen Stahls wider. Das Duell dauert nicht lange. Isaiahs Schwertkunst erweist sich als überlegen. Jahre elitärer Ausbildung haben sich in strenger Präzision und schneidender Eleganz niedergeschlagen. Beim zehnten Zug nutzt er eine winzige Lücke aus und schlägt Jeremiah die Waffe aus der Hand. Das Schwert seines Gegners wirbelt davon. Isaiah hält seine Klinge an Jeremiahs Kehle. Er hebt das Kinn, und Stolz strahlt aus jeder seiner Bewegungen.
Wie erwartet erhebt sich ringsum erstauntes Gemurmel.
Ja. Genau so sollte es sich anfühlen. Isaiah spürt, dass seine Klinge endlich aufgehört hat zu zittern.
Jeremiah atmet langsam aus und gibt ohne falschen Stolz nach. "Ich habe verloren."
Isaiah steckt sein Schwert weg und blickt an Jeremiah vorbei. Mit kaum verhohlener Erwartung sucht sein Blick Xavier in der Menge.
Sieh hin.
Das ist der deutlichste Beweis für den Orden der Lightseeker, an den er glaubt. Es kann nur Stärke, Technik und den unbedingten Willen geben, den Sieg um jeden Preis zu erringen. Die Kluft, die diese Dinge erschaffen, ist der unwiderlegbarste Beweis für die Werte, die er heilig hält.
Doch Xavier erwidert seinen Blick nicht. Er geht an Isaiah vorbei, hebt das gefallene Schwert auf und legt es Jeremiah in die Hände, als hätte er lediglich einen belanglosen Trainingskampf zwischen Gleichgestellten gesehen.
Jeremiah nimmt es entgegen, und die Frustration der Niederlage weicht rasch seinem gewöhnlich unbeschwerten Wesen.
Der Stolz auf Isaiahs Gesicht erstarrt. Der Schatten des Heiligen Schwerts fällt schräg über den Boden und verschlingt ihn in kalter Dunkelheit. Er hat gewonnen. Und doch bleibt das Band, das er so verzweifelt zu zertrennen versuchte, unberührt. Der Maßstab, dem er alles gewidmet hat und mit dem er den Wert eines Menschen beurteilt, bedeutet in Xaviers Augen nichts.
03 | Das Tagebuch eines Backtrackers
Blütenblätter wirbeln von den Baumwipfeln herab und gleiten lautlos zwischen die geöffneten Seiten eines Tagebuchs. Es berichtet von zahllosen Frühlingen, die seit Beginn der Rückkehr vergangen sein müssen.
Die Gefühle des Autors gerieten beim Schreiben außer Kontrolle; die Handschrift wird immer unordentlicher und fahriger. Das Tagebuch wurde in einem Anfall von Trotz weggeworfen. Es wirkt, als hätte er eine Erinnerung begraben.
Ein Mann sitzt unter dem Baum und liest darin. Er ist still und konzentriert. Obwohl er gelegentlich innehält, verweilt sein Blick auf bestimmten Sätzen, als würde er etwas abwägen. Seine Fingerspitzen fahren über das philosophische Adelswappen, das in den Einband geprägt ist. Von der Seite wirkt er ausgezehrt und blass.
Als Xavier unseren Aufbruch ankündigte, legte sich endlich die Last auf meiner Brust. Ich hielt meinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle, damit mich nicht irgendein törichter Bürgerlicher überraschte. Selbst nach all den langen Monaten der Vorbereitung im Untergrund kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, von meinen sogenannten Teamkameraden umgeben zu sein.
Am Anfang war es genauso. Als Xavier mir von Operation Backtrack erzählte, hielt ich es für ein Zeichen, dass er endlich begriffen hatte, welche Art von Mensch geeignet ist, in das Schicksal von Philos einzugreifen! Und dann? Ich folgte ihm in die geheime Basis, nur damit ein mechanisches Flughörnchen auf mich zuflog. Es sang. In diesem Moment begriff ich, dass dieses Team ... bunter zusammengewürfelt war, als ich gedacht hatte.
Abgesehen von einer Handvoll adeliger Sprösslinge, die ich ertragen konnte – denjenigen mit tatsächlichen Fähigkeiten –, bestand der Rest aus Bürgerlichen, die Xavier irgendwo aufgelesen hatte. Keiner von ihnen erfüllte den Mindestwert, der erforderlich ist, um an Operation Backtrack teilzunehmen. Als ich Xavier darauf ansprach, blinzelte er nur und sagte, jedes Teammitglied habe etwas Einzigartiges an sich. Wenn du mich fragst, wurde Xavier von seiner eigenen Evol geblendet!
Hal gab mir dieses Tagebuch als Entschuldigung dafür, dass das Flughörnchen mir ins Gesicht geflogen war. Er sagte, er habe ihm das Singen beigebracht. Offenbar piepst es manchmal „Du schaffst das“ zur Aufmunterung, doch normalerweise benutzt er es, um Daten im Schiff zu protokollieren. Diese Backtracker arbeiten jenseits dessen, was die Menschheit begreifen kann.
Immer wenn ein weiterer möglicher Warppunkt ausgeschlossen wird, verschlechtert sich die Stimmung in unserer Gruppe. Das Einzige, das gleich bleibt, ist dieses mechanische Flughörnchen, das herumfliegt und singt.
Seit wir mit dem Backtracken begonnen haben, haben wir zu viel Zeit mit unnötigen Umwegen verschwendet. Heute hat Xavier schon wieder die längere Route gewählt, um einem Teamkameraden entgegenzukommen, der unter Warpraumabstoßung leidet. Er hält nicht einmal diese Intensität aus. Das bekommt man vom Blut eines Bürgerlichen! Und was soll's, wenn er geschickt darin ist, Analysen und verschiedene Berechnungen durchzuführen? Jeder kann darin ausgebildet werden, also ist sein Wert begrenzt. Er könnte jederzeit ersetzt werden. Wenn wir ihn zurückgelassen hätten, hätten wir die Hälfte der Zeit gespart. Doch Xavier fehlt die Entschlossenheit. Als ich Einwände erhob, hatte er tatsächlich die Dreistigkeit zu sagen, dass die Sicherheit jedes Teammitglieds mit unserem eigentlichen Ziel verbunden sei. Tsk ... Ist unser Ziel nicht die Rettung von Philos?
Beim vorletzten Mal war es dasselbe. Wir stießen auf eine perfekte Warpgelegenheit. Ich sagte, ich würde die Nachhut übernehmen. Im schlimmsten Fall wäre ich als glorreicher Märtyrer gestorben. Doch Xavier kehrte mit Sullivan zurück, um mich zu retten. Als sie mich auf das Schiff zogen, verlor ich nicht wegen meiner Verletzungen das Bewusstsein. Ich schwöre, daran lag es überhaupt nicht. Nein – die Wut über die verpasste Gelegenheit hat mich überwältigt!
Jetzt sitzen wir auf der Erde fest. Die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag. Alles macht mich wütend. Zu diesen Backtrackern zu gehören bedeutet endlose Streitigkeiten. Dieser lockenköpfige Idiot Jeremiah ist überall, und er hat tatsächlich gesagt, niemand wolle mit jemandem wie mir zusammenarbeiten ... Er versteht gar nichts! Effiziente Befehle und notwendige Opfer – das bedeutet es, Verantwortung für alle zu tragen!
Und doch streiten irgendwann immer weniger Menschen mit mir. Das Leben auf der Erde zermürbt ihren Willen. Diejenigen, die sich entscheiden zu gehen, verschwinden immer lautlos ... auf irgendeine namenlose Insel oder in einen unscheinbaren Buchladen. Manche erliegen der Angst davor, dass ihre Körper altern. Andere zerbrechen an der Einsamkeit, die an der Seele nagt.
Heute stotterte dieses mechanische Flughörnchen plötzlich – und ging kaputt. Die Person, die es reparieren könnte, ist längst verschwunden.
Warum zeigt Xavier niemals seinen Zorn? Wenn ich an seiner Stelle wäre, hätte ich diesen Ballast längst abgestoßen! Und doch steht er einfach da und sieht zu, wie Menschen kommen und gehen.
...Ich habe genug. Vielleicht sollte ich auch gehen. Es ist ja nicht so, als würde die Tür der Slepen-Pod noch einen weiteren meiner Wutausbrüche überstehen! Heute bin ich allein losgezogen, weiter als je zuvor. Aber vielleicht bedeutet „heute“ längst nichts mehr. Operation Backtrack dauert schon so lange, dass mein Gefühl für Zeit und Raum von Tag zu Tag verschwommener wird. Irgendwann auf meinem Weg traf ich Soren. Ich brauchte einen Moment, um mich an seinen Namen zu erinnern.
Sorens Anwesenheit unter den Backtrackern war immer unbedeutend gewesen. Er drückte sich ständig in irgendeine Ecke und stimmte allem zu, was andere sagten. Schon sein Anblick machte mich gereizt. Was war noch gleich seine „besondere Eigenschaft“? Ach ja. Xavier hatte einmal seinen scharfen Verstand gelobt.
Anscheinend trugen einige der kühnsten frühen Konzepte der Backtracker seine Handschrift. Zu meiner Überraschung war er in meiner Gegenwart ziemlich offen und teilte viele seiner Ideen mit mir. Ich habe meine Meinung über ihn geändert. Er ist erträglicher als die anderen Bürgerlichen. Er widerspricht nicht, und er erinnert sich an mehrere meiner makellosen Vorschläge, die Xavier abgelehnt hat. Mit vollkommener Genauigkeit, wohlgemerkt.
Wenn ich Soren noch einmal begegne, bin ich vielleicht bereit, noch ein paar Worte mit ihm zu wechseln. ...
Die endlosen Tage seit Beginn ihres Backtrackings sind zwischen diesen Seiten verdichtet. Es dauerte nur zwei Tage, sie zu lesen.
Soren schließt das Tagebuch und wirft es tief in eine Schublade. Als er erneut aus dem grauen EVER-Gebäude tritt, legt er sich eine wohlgeübte Maske demütiger Unterwürfigkeit auf. Sein Ziel ist klar, während er in die Ferne geht.
Dies wird die letzte inszenierte Begegnung sein. Dessen ist er sich sicher.
„Es ist lange her.“
Isaiah dreht sich um und sieht, wie Soren ihm lächelnd die Hand entgegenstreckt. „Ich wusste, dass du diesen Weg wählen würdest. Jemand muss den ersten Schritt tun, um Philos zu retten – und das kannst nur du sein“, sagt Soren.
04 | Testaufnahmen
Versuchsperson: Isaiah
Protokollführer: Soren
[Testprotokoll A-0731]
Status der Versuchsperson: Ausgezeichnet, Kooperation: Hoch
Nach Verabreichung des Beta-Anpassungsserums bleiben die natürlichen Vitalzeichen und physiologischen Marker des Philosianers stabil. Es wurden weder eine akute Abstoßungsreaktion des Immunsystems noch Organstörungen festgestellt, wie zunächst erwartet.
Hinweis: Die königliche Blutlinie der Versuchsperson zeigt eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an die Umgebung ohne Anzeichen körperlicher Alterung. Die Daten übertreffen alle bisherigen Proben. Die Versuchsperson ist blutsverwandt mit X. Frühe Beobachtungen zeigen eine teilweise Übereinstimmung mit X.
Diese Phase hat bestätigt, dass eine vergleichbar hochwertige Blutlinie als Ersatzmodell geeignet ist, um die einzigartigen physiologischen Mechanismen von X zu untersuchen. Die Daten sollen zur Optimierung des nächsten Serums verwendet werden. Ziel der Anwendung bleibt X.
Hinweis:Der Wunsch der Versuchsperson nach Selbstbestätigung und danach, den Kronprinzen zu übertreffen, liefert einen idealen Verhaltensantrieb für das Projekt. Diese psychologische Beeinflussung sollte fortlaufend verstärkt werden.
Dialogaufzeichnung:
„Erhöht meine Dosis für die nächste Phase. Ich werde beweisen, dass mein gewählter Weg wirkungsvoller ist als der von Xavier!“
„Natürlich. Sobald du es erfolgreich verträgst und diese Schwelle überschreitest, werden wir einen neuen Horizont erreichen. Dann wirst du der Pionier sein, der für die Rettung von Philos entscheidend ist.“
„Hm... Seit wann hast du Zugang zu all dieser hochpräzisen Ausrüstung?“
„Das Gerechteste am Schicksal ist, dass es diejenigen belohnt, die sich frühzeitig vorbereiten.“
[Testprotokoll E-0929]
Zur Unterstützung der Entwicklung des Beta-Anpassungsserums II wurde bei EVER HQ ein Antrag für die neueste funktionale Beobachtungskapsel eingereicht.
Die Versuchsperson zeigt Symptome neuropathischer Schmerzen und einer Störung des Zellstoffwechsels, doch der Körper wurde noch nicht irreversibel geschädigt.
Die bemerkenswerteste Beobachtung ist, dass sich die Schwankungen des physiologischen Alters stabilisieren. Der Lauf der Zeit beeinflusst die Versuchsperson sogar noch weniger als normale Ausgangswerte.
Dies deutet stark darauf hin, dass königliche Blutlinien über einen genetischen Mechanismus verfügen könnten, der den Abbau der Telomere erheblich verlangsamt und gleichzeitig eine starke Zellregeneration aufrechterhält. Damit übertrifft er sogar die langsame Alterung gewöhnlicher Philosianer.
Da die Versuchsperson als Versuchskörper die engste Blutsverwandtschaft zu X besitzt, müssen Daten über die Belastungs- und Toleranzgrenzen gewonnen werden. Diese Daten sollen die Kernmechanismen königlicher Blutlinien entschlüsseln und präzise Dosisschwellen sowie mögliche Kontrollpunkte ableiten, die auf X anwendbar sind.
Daher sind die Daten dieser Phase entscheidend, um langfristige Stabilität und Kontrolle über X innerhalb der Initiative zur Planetenverpflanzung sicherzustellen.
Hinweis: Die gezielte psychologische Einflussnahme wurde verstärkt, um aufkommende Ängste und Misstrauen zu bekämpfen.
Dialogaufzeichnung:
„Das... fühlt sich nicht richtig an...“
„Dein Körper baut sich neu auf. Er passt sich einer neuen Welt an.“
„...Ich dachte, wir würden in unsere ursprüngliche Welt zurückkehren! Unser Philos! Ugh...“
„Für die Rückkehr braucht man unerschütterliche Macht. Was du gewinnst, ist eine Macht, die Xavier niemals erreichen könnte. Er rennt immer noch im Kreis und hängt seinen Illusionen nach. Aber du – wir – werden die Philosianer anführen.“
„Aber es tut so weh... Mein Kopf ist völlig durcheinander... Soren...“
„Siehst du? Du durchbrichst deine Grenzen. Beiß die Zähne zusammen und halte durch. Das beweist, dass du besser bist als er. Glaubst du denn nicht an dich selbst?“
[Testprotokoll H-1113]
Die Abstoßungsreaktion der Versuchsperson hat ein kritisches Stadium erreicht. Sie wird begleitet von zeitweiser geistiger Desorientierung, gestörter Erinnerung und einer instabilen Evol-Fähigkeit.Die Belastungsgrenzen werden bald erreicht.
Die Gewinnung der entscheidenden Daten steht kurz vor dem Abschluss und erweist sich als äußerst wertvoll. Gegenwärtig wartet man auf die Genehmigung des Berichts durch HQ, bevor das Anpassungsserum weiterentwickelt wird.
Der jüngste Versuch des HQ, X direkt zu beschaffen, ist gescheitert. Deshalb bleibt diese Versuchsperson das einzige brauchbare Ersatzmodell für eingehende Lebendexperimente. Die Person muss festgehalten werden, bis ein endgültiges Anpassungsserum entwickelt wurde, das X kontrollieren kann.
Hinweis: Die Versuchsperson hat die Initiative zur Planetenverpflanzung entdeckt und weigert sich, weiterhin an den Versuchen mitzuwirken. Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung werden umgesetzt.
Dialogaufzeichnung:
„Die Initiative zur Planetenverpflanzung... Soren, du hast nie versucht, mir zu helfen!“
„ Beruhige dich. Seit wir begonnen haben, zurückzugehen, müsstest du verstanden haben, dass uns niemand helfen kann. Es gibt nur Entscheidungen. Xavier klammert sich an seine nutzlosen Prinzipien und tritt auf der Stelle. Aber du hast den Mut gehabt, einen Weg mit einem klaren Ziel zu wählen. Ich brauche Daten. Du verlangst nach Überlegenheit. Jeder von uns bekommt, was er will.“
„Du Bastard! Du hast an meinem edlen Körper experimentiert, um Medikamente zu entwickeln, mit denen du ihn kontrollieren kannst?!“
„Er ist der Schlüssel und zugleich die instabilste Variable. Gefühle und Pflicht sind zu schwach gegenüber dem Gewicht der Zeit. Ich muss die Mittel besitzen, um seine Kooperation sicherzustellen.“
„Von Anfang an hast du in mir nur seinen Ersatz gesehen...“
„Du kannst es so sehen. Xavier wurde schließlich mit allem geboren – sogar mit dem Privileg, weglaufen zu können. Aber du und ich sind diejenigen, die zurückgelassen wurden. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu ergreifen, was wir bekommen können, selbst wenn wir Risiken eingehen müssen. Leg die Dokumente weg, Isaiah.“
„...“
„Dein Wert bestimmt deinen Platz. Und nun akzeptiere bitte die letzte Injektion.“
05 | Erlösung
„Tagträumst du schon wieder?“
Jeremiah kommt herein und stellt eine warme Mahlzeit auf den kleinen Tisch. Das Klappern ist absichtlich laut – ein Versuch, Isaiahs Aufmerksamkeit zurück in die Gegenwart zu holen. Es sind mehr als zwei Wochen vergangen, seit Xavier ihn gerettet hat, und doch driftet Isaiah von Zeit zu Zeit immer noch in diese „Tagträume“ ab.
Unter dem lockeren Krankenhaushemd sind an seinen hervorschauenden Handgelenken noch immer verblassende Fesselspuren und Einstichstellen zu sehen. Schon das leiseste Geräusch lässt ihn erstarren. Seine unfokussierten Pupillen ziehen sich zusammen und weiten sich dann wieder.
Auch jetzt ist es nicht anders. Isaiah zuckt unbewusst zusammen, während sein Blick misstrauisch zwischen dem Essen und Jeremiahs Händen hin und her wandert. Keine Waffe, keine Spritze. Nur ein großer Strauß frischer Blumen, den Jeremiah an seine Brust gedrückt hält.
„Was starrst du so?“ erwidert Jeremiah mit einem unverblümten Blick. „Ich habe einen Laden zu führen. Dir Essen vorbeizubringen und gleichzeitig Blumen an einen Kunden in der Nähe auszuliefern, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe.“
„...Xavier hat dich geschickt?“ Isaiahs Stimme klingt trocken und rau, weil er sie so lange nicht benutzt hat. Sorens letzte Worte hallen wie ein wiederkehrender Albtraum in seinen Ohren nach. Er ist orientierungslos und versucht verzweifelt, wieder einen Bezug zur Realität zu finden.
„Offensichtlich. Glaubst du etwa, ich würde freiwillig dein miesepetriges Gesicht anschauen?“ Jeremiah schnaubt. „Er hat andere Dinge zu erledigen.“
„Du musst das nicht tun.“ Isaiah wendet den Blick ab, seine Stimme absichtlich distanziert. „Ein lockenköpfiger Bürgerlicher, der plötzlich wohltätig wird ... Wenn du etwas von mir willst, dann sag es einfach.“
„Hör auf, Unsinn zu reden.“ Jeremiahs Bewegungen sind schnell und routiniert, während er die Rückenlehne des Bettes hochstellt und das Tablett vor Isaiah schiebt. „Iss. Sonst halte ich dir die Nase zu und schütte es dir in den Hals. Such es dir aus.“
Er drückt Isaiah ein Besteck in die Hand. Doch der rührt das Essen nicht an. Gereizt stochert er auf einem hartnäckigen Brokkolistück herum, bis es an den Rand der Schale rollt. Er schnaubt. „Hast du den Brokkoli absichtlich so hart gekocht, als lächerliche Rache? Und eins will ich klarstellen: Ich habe Soren nie vertraut. Es war gegenseitige Ausnutzung, nichts weiter. Ich ... habe mir nur den falschen Verbündeten ausgesucht.“
Jeremiah lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Oh? Dann passt das ja perfekt. Wenn es wirklich nur darum ging, einander auszunutzen, dann hättest du nicht erwartet, dass er ehrlich zu dir ist.“
Isaiah stößt ein freudloses Lachen aus. Er weigert sich, nachzugeben, und richtet sich mühsam im Bett auf.
„Ehrlich? Weiß überhaupt jemand bei den Backtrackers, was das bedeutet? Ging es uns nicht von Anfang an nur um uns selbst?“
„Wenn du nie jemandem vertraut hast, warum hast du dich ihnen dann angeschlossen?“
„Wer weiß schon, was Xavier wirklich will?“
Stille legt sich über den Raum. Isaiah holt tief Luft und macht sich auf Jeremiahs bissige Antwort gefasst.
Doch Jeremiah grinst nur. Er nimmt Isaiah das Besteck wieder ab und ersetzt es durch einen Löffel. Dann rettet er den zerstochenen Brokkoli, indem er ihn selbst in den Mund steckt. Mit vollen Backen antwortet er: „Als Xavier mir zum ersten Mal eines dieser schrecklichen Fleischküchlein aus der Cafeteria der Astria Knyght Academy mitgebracht hat, hat er sicher nicht erwartet, dass ich ihm einmal dabei helfen würde, einen Planeten zu retten.“
06 | Isaiah gegen die Welt
Tag für Tag, durch Streitigkeiten, die scheinbar niemals enden wollen, kommt schließlich Linkons jährlicher Karneval.
An diesem Abend erscheint auf einer der Fensterbänke von Philo eine seltsame Lampe in Gestalt eines Wanderers. Ihr schiefes Grinsen leuchtet schräg in das Zimmer hinein. Isaiah starrt sie an, bis ihm schwarz vor Augen wird. Ein schweres Bündel Kleidung landet auf seinem Kopf und versperrt ihm die Sicht.
„Jeremiah!“ Isaiah reißt sich das störende Kleidungsstück vom Kopf und dreht sich um. Er kocht vor Wut.
Der Schuldige zeigt ihm einen vollkommen ungerührten Gesichtsausdruck. Zwei weitere Personen stehen in der Nähe. Xavier sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben, während sie ihn warm anlächelt.
In ihren Händen hält sie ein wunderschön verpacktes Geschenk. „Isaiah, das ist für dich.“
„Bist du sicher, dass du es ihm geben willst?“ Xavier beugt sich zu ihr hinüber und flüstert, als würde er sich ernsthaft beschweren. „Er hat gar kein Geschenk vorbereitet.“
„Genau! Isaiah versteht überhaupt nichts von den Feiertagen auf der Erde!“, wirft Jeremiah ein.
Und trotzdem geht sie mit dem Geschenk auf ihn zu. Isaiahs Gesichtsausdruck spannt sich an. Er will sagen, dass er keinen Bedarf an solchem kindischen Erdenkram hat. Aber sie hält es in den Händen, das Geschenkpapier raschelt leise, und sie lächelt. „Nimm es. Bis nächstes Jahr wirst du alle Feiertage der Erde verstehen.“
Isaiah hört, wie Xavier und Jeremiah hinter ihr kichern. Doch dieses Mal entfacht das Gelächter nicht seinen Zorn. Die Spitzen seiner Ohren werden heiß, als er das Geschenk entgegennimmt. Er drückt es fest an seine Brust. Geschoben und gezogen wird Isaiah schließlich auf die Straße gezerrt.
Als er aus Philo heraustritt, wurde er in eine große grüne Erbsenschote verwandelt. Sein Mund ist ein röhrenförmiger Abschussmechanismus, aus dem mit Süßigkeiten gefüllte Kugeln geschossen werden können.
Jeremiah ist als Walnuss verkleidet. Sie und Xavier gehen ein Stück voraus. Beide tragen passende Kirsch-Haarreifen mit ineinander verschlungenen Stielen und tragen einen Weidenkorb bei sich, um mit anderen Teilnehmern kleine Geschenke auszutauschen.
„Willst du wissen, warum ich dich dieses Kostüm tragen lasse?“ Jeremiah erklärt Isaiah seine Designphilosophie. „Mir ist aufgefallen, dass du und Erbsen etwas gemeinsam habt. Ihr seid beide großartig darin, euren Mund aufzureißen.“
„Du bettelst geradezu darum, verprügelt zu werden.“
Isaiah holt aus, um Jeremiah zu treten. Doch als er das Bein hebt, kommt eine Gruppe aufgeregter Kinder angerannt. Sie umringen ihn. Kleine Hände strecken sich in die Luft, und ihre Augen leuchten, während sie jubeln. „Erbsenmann, gib uns Süßigkeiten mit Erbsengeschmack!“
Isaiah erstarrt. Er will zurückweichen und sie anblaffen, sie sollen verschwinden. Doch als er hinter sich blickt und Jeremiah, Xavier und sie sieht, wie sie lächeln und mitspielen, bleiben ihm die Worte im Hals stecken. Er schluckt sie hinunter. Mit all der Gereiztheit, die er aufbringen kann, schießt er zwei Süßigkeitenkugeln aus seinem Abschussrohr. „...Da. Und jetzt verschwindet.“
Das Jubeln der Kinder wird nur noch lauter, als sie davonschwirren, als hätten sie gerade einen Schatz ergattert.
Jeremiah und Isaiah tragen gemeinsam einen großen Stoffbeutel und sammeln die kleinen Geschenke ein, die ihnen Passanten im Gegenzug geben. Immer wenn jemand mit freundlicher Absicht auf sie zukommt, bleibt das steife „Nein, danke“, das Isaiah bereits auf der Zunge liegt, unausgesprochen. Stattdessen wird es von irgendeinem kleinen Geschenk erstickt, das ihm in die Hände gedrückt wird. Bunte Bonbons, gestrickte Untersetzer, selbst gebackene Kekse ... Ein farbenfrohes, chaotisches Sammelsurium häuft sich auf dem Boden des Beutels.
„Ich hoffe, ihr habt einen schönen Karneval!“, sagen die Schenkenden mit strahlendem Lächeln, bevor sie wieder in der Menge verschwinden.
Alles in dem Beutel ist leicht, und doch fühlen sich Isaiahs Arme schwer an. Er sitzt auf einer Bank am Straßenrand und zieht ein unscheinbares Fruchtbonbon hervor, dessen Verpackung beinahe billig aussieht. Langsam wickelt er es aus und legt die durchscheinende orangefarbene Süßigkeit frei. Auf den Banketten von Philos gab es immer erlesene Konfekte, angerichtet auf silbernen Platten. Sie waren Symbole von Etikette und Stand.
Er hat tatsächlich Hunger. Isaiah steckt sich das Bonbon in den Mund und schmeckt künstliches Aroma. Es ist nichts im Vergleich zu der feinen, vielschichtigen Raffinesse, die die Küchenchefs des Palastes einst erschufen. Und doch durchdringt diese einfache, unverfälschte Süße die Taubheit auf seiner Zunge, rinnt seine Kehle hinab und breitet Wärme in ihm aus.
„Na? Ist es hier nicht lebhaft?“, fragt Jeremiah und schaut auf den Strom von Menschen, der durch die Straße zieht.
„...Es geht so“, murmelt Isaiah. „Auf Philos war es auch lebhaft.“
Eine Abendbrise zieht vorbei und trägt den Duft von Blumen und Gebäck mit sich. Eine Erbse sitzt neben einer Walnuss. Jeremiah klopft auf seine Schale, während sein Blick zu der Konditorei an der Straßenecke wandert. Etwas flackert in seinen Augen auf.
Ein paar Sekunden lang schweigen sie. Dann sagt er leise: „Wenn das Philos wäre, wären diese Menschen vielleicht zu Nährstoffen für den Planeten geworden.“
Die Festlichter, die auf beiden Seiten der langen Straße aufgehängt wurden, springen mit einem leisen Knacken an. Sie strahlen gegen die heraufziehende Dunkelheit. Überraschte Jubelrufe gehen durch die Menge, als Fremde einander in die Arme fallen. Das Licht macht keinen Unterschied. Es schenkt auch ihm einen kleinen Funken Helligkeit.
„Hmph.“
Die Süße des Bonbons liegt noch immer auf Isaiahs Zunge. Lange Zeit vergeht, bevor er sich schließlich aufrichtet, den Rücken steif und schmerzend. Er bemerkt nicht, dass er die zerknitterte Verpackung sorgfältig zu einem winzigen Quadrat gefaltet hat. Er hält sie fest in seiner Handfläche.