Under Deepspace
Kapitel 7 - Mondlicht unter dem Meer
Rafayels Haustür steht einen Spalt offen, genau wie bei meinem letzten Besuch. Ein silberner Lichtstrahl dringt durch den Spalt. Ich drücke die Tür vorsichtig auf und achte auf meine Schritte. Skulpturen, Staffeleien und Künstlerbedarf stehen überall herum. Rafayel liegt auf dem Boden. Er rührt sich nicht.
MC:
...Rafayel!
Ich nähere mich ihm schnell und beuge mich zu ihm hinunter, unsere Gesichter nur einen Atemzug voneinander entfernt. Rafayels Ausdruck ist friedlich, als wäre er in einen Traum versunken. Ich lege meinen Finger unter seine Nase und spüre seinen sanften Atem auf meiner Haut.
MC:
... Er lebt noch.
Eine Brise streicht durch die weißen Vorhänge am Fenster und verteilt Zeichenpapier auf dem Boden. Ich bücke mich, um eines aufzuheben. Einige der unordentlichen Skizzen zeigen prächtige Architektur, andere wogende Wellen. Manche sind so abstrakt, dass ich nicht erkennen kann, was sie darstellen. Sie haben jedoch eines gemeinsam. In der unteren rechten Ecke steht ein winziges Wort: Lemuria.
Rafayel: ...
Noch etwas schläfrig blickt er mich mit halb geschlossenen Augen an. Ich trete zurück und stoße einen Topf mit Pinseln um. Flüssigkeit ergießt sich. Üppig grüne Bäume, blauer Himmel und weiße Wolken spiegeln sich in der Oberfläche.
Rafayel:
Du bist hier?
MC:
...Rafayel, alles in Ordnung?
Nachdem er mich lange angestarrt hat, bewegt Rafayel plötzlich den Kopf und streckt mir die Hand entgegen.
MC:
...Was machst du da?
Rafayel:
Zieh mich hoch.
MC:
Kannst du das nicht selbst?
Rafayel:
Schnell. Hilf mir vom Boden hoch.
Kaum habe ich seine Hand ergriffen, reißt Rafayel mich herunter.
MC: ...!
Rafayel:
Du bist wirklich nett. Du sorgst dich um mich und begleitest mich sogar zum Mittagessen. Also, hast du irgendetwas Verdächtiges gesehen?
MC:
... Alle starrten auf den achtlos geparkten Sportwagen draußen.
Rafayel:
Ist der nicht genial? Meine Auto-Installation. Ein Unikat.
MC:
Und jetzt? Da ist eine Menschentraube um dein Auto. Wie sollen wir denn jetzt wegkommen?
Rafayel:
Von vielen Leuten umgeben zu sein, ist die beste Tarnung. Falls etwas Gefährliches auftaucht, lassen wir das Auto stehen und rennen durch die Hintertür. Wir lösen uns quasi in Luft auf.
Ich atme tief durch, um mich zu beruhigen.
MC:
Wusstest du schon, dass die Leute in der N109-Zone es auf dich abgesehen hatten?
Rafayel:
Ja, das ist eine lange Geschichte. Aber um es kurz zu machen: Jemand in der N109-Zone wollte, dass ich ein Bild male, aber ich habe abgelehnt.
Wie aus dem Nichts holt Rafayel einen Kugelschreiber hervor. Er streicht eine Serviette auf dem Tisch glatt und fängt an zu kritzeln.
MC:
...Sie wollen dich wegen eines Bildes umbringen? Ist deine Kunst wirklich so besonders?
Rafayel:
Na ja, schon. Sie entdecken die geheime Botschaft in meinem Bild, das sie zu ihrem Herzenswunsch führen würde.
Ich habe nicht viele Gemälde von Rafayel gesehen, aber eines, das ich einmal bei Raymond zu Hause gesehen habe, hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich erinnere mich an diese Zeit und mir wird ein wichtiger Hinweis klar.
MC: .
.. Hat das, wonach sie suchen, mit der Illusion in deinem Gemälde zu tun?
Sein Stift hält inne und hinterlässt einen großen Tintenklecks auf der Serviette.
Rafayel:
Eine Illusion? Was hast du gesehen?
MC:
Ich sah ein junges Mädchen am Strand. Sie sang ein Lied, das ich nicht verstand ... Es klang traurig. Ist das Gemälde deshalb so besonders, weil du den Korallenstein von diesem Tag verwendet hast?
Rafayel:
Ja. Ich hab gehört, er ist ziemlich selten. Man hat ihn in der Nähe des Meeresgrundes gefunden, an einem Ort namens Lemuria. Dort gibt es unzählige seltene Schätze. Schon ein winziges Stück Koralle kann einen in eine Traumwelt entführen. Wenn man den Korallenstein zu Pigment zermahlt, kann man den Betrachter in ein wunderschönes, vom Künstler geschaffenes Bild eintauchen lassen.
Er erzählt diese unglaubliche Geschichte, aber seine Stimme zittert nicht. Er scheint die Wahrheit zu sagen. Ich kann meine Skepsis nicht verbergen. Rafayel dreht seinen Stift zwischen den Fingern und sieht mir dann in die Augen.
Rafayel:
Na ja … ich schätze, du bist nicht hier, weil du dir Sorgen um meine Sicherheit machst, oder?
MC:
Rafayel, auf dich ist ein Kopfgeld aus der N109-Zone ausgesetzt. Das heißt, du hast schon davon gehört. Ich muss dorthin und etwas finden … Es ist wirklich wichtig. Außer einfach reinzuplatzen, weiß ich nicht, wie ich da reinkommen soll.
Mein Hinweis ist glasklar. Doch Rafayel schüttelt nach kurzem Nachdenken den Kopf. Sein Gesichtsausdruck ist völlig gleichgültig.
Rafayel:
Linkon ist noch gefährlicher geworden, und du redest davon, ein Labyrinth zu betreten? Vergiss es. Ein Hunter wie du, der da einfach so reingeht, ist wie ein Lamm in der Höhle des Löwen.
Seine Worte entmutigen mich, aber er hat recht.
MC:
…Da du wohlauf bist, mache ich mich mal auf den Weg.
Gerade als ich aufstehen will, packt Rafayel meine Hand.
Rafayel:
Warte.
MC:
Was?
Rafayel:
Jemand folgt uns.
Rafayel lockert seinen Griff. Er legt seinen Stift beiseite und schiebt mir eine Serviette zu. Mit wenigen Strichen skizziert er den Grundriss des Restaurants darauf. Rechts hinter uns sitzt ein Mann in schwarzer Jacke. Er sitzt lässig da, perfekt hinter einer Topfpflanze versteckt.
MC:
Er ist schon da?
Rafayel:
Ich bin mir nicht sicher. Aber da er sich so verdächtig verhält ... ist er definitiv keiner meiner Fans.
Ich hebe meinen Arm und aktiviere die Uhr an meinem Hand-gelenk. Eine handtellergroße, holografische Karte erscheint vor Rafayel und mir.
MC:
Wir schleichen uns hinten raus, rennen durch das Einkaufszentrum und gehen auf der Nordseite raus. Dann laufen wir im Kreis, bis wir eine Gasse hinter dem Blumenladen erreichen.
Rafayel:
Weißt du, du bist echt ein guter Hunter.
MC:
Wenn man das große Ganze sieht, braucht man einen Köder.
Ich schaue auf und bemerke die vorbeigehende Menge, die sich im Fenster spiegelt. Eine Gruppe Schüler, die gerade Schulschluss haben, strömt durch die Tür.
MC:
Es ist so weit.
??:
Verdammt, wie konnte er schon wieder entkommen ...?
MC:
Hey.
??:
Wer bist du?! Ahhh!
MC:
Er hat weder Waffe noch Schutzausrüstung. Außer dass er den Harten mimt, ist er nicht ausgebildet. Wenn er ein Auftragskiller sein soll, ist er wirklich erbärmlich...
Rafayel:
Könnte alles nur gespielt sein, weißt du. Ihn mit einem Schlag umhauen... Lust auf eine Zugabe?
Ein maskierter Mann mittleren Alters kauert in der Ecke, sein Körper zittert bei diesen Worten. Er ist der Inbegriff von Angst.
??:
Ich... ich bin kein Mörder! Ich will nur eine Story!
Während der Mann sich wehrt, fällt ein Zettel aus seiner Brusttasche. Rafayel hebt ihn auf, pustet den Staub ab und hält ihn gegen das Sonnenlicht.
Rafayel:
Ein Reporter von Weekly Arts... Joe.
MC:
Kennst du die?
Rafayel:
Ein zweitklassiges Kunstmagazin. Sie kratzen Informationen zusammen, die sie von Prominenten und Künstlern entdecken.
Ihm fällt etwas auf. Sein Blick wandert nach unten, als er einen seltsam aussehenden Knopf vom Hemd des Mannes nimmt.
Rafayel:
Diese versteckte Kamera … war bestimmt nicht billig, oder?
Eine kleine Flamme züngelt aus Rafayels Finger. Sie verwandelt den „Knopf“ in Asche.
Rafayel:
Gibt es irgendetwas über mich, das für eure Berichterstattung berichtenswert wäre?
Joe:
H-hört mir zu. Was auch immer ihr tut, tut mir bitte nicht weh. Es liegt an diesem Sammler! Raymond! Er ist ... tot.
Einen Moment lang herrscht Stille. Rafayel und ich tauschen einen Blick. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns in seinem Fachgebiet bewegen, dass Joe sich aufrichtet. Er wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht. Ein Funke Aufregung liegt in seinen Augen. Der Nervenkitzel, Neuigkeiten zu entdecken.
Joe:
Er ist letzte Nacht gestorben! Ertrunken in seiner Badewanne. Niemand hat es bis zum nächsten Tag gemerkt. Als der Butler ihn fand, war es schon zu spät.
(Wurde Raymond von Wanderern angegriffen? Nein ... Die müssten längst weg sein.)
Joe:
Die Polizei hat sein Haus bereits durchsucht und die Überwachungsaufnahmen gesichtet. Sie haben nichts gefunden, nicht einmal jemanden, der sein Zimmer betreten hat. Aber –
MC:
Komm zur Sache.
Joe:
Das von Rafayel gemalte Bild ist aus seinem Sammlungsraum verschwunden. Ich habe die Gerüchte gehört. Manche sagen, er habe sich vor seinem Tod viele Schnitte in Arme und Beine gemacht. Seine Haut sah aus wie ein Haufen Fischschuppen. Schrecklich, wenn ich das mal so sagen darf. Und sobald ein reicher Mann tot ist, versucht die Polizei es sofort zu vertuschen. Sie haben Angst, dass ein Geheimnis ans Licht kommt, eines, dass sie ihre Jobs kosten könnte ... Aber es gibt kein Geheimnis, das sich nicht verbergen lässt. Mr. Rafayel, sind Sie sicher, dass Sie nichts mit seinem Tod zu tun hatten? Können Ihre Gemälde tatsächlich Menschen manipulieren?
Rafayel:
Selbst wenn sie es könnten, würde ich es Ihnen nicht sagen. Außerdem sagten Sie, er sei letzte Nacht gestorben. Ich war zu der Zeit in meinem Atelier und bin nirgendwo hingegangen. Nirgend. Wo. Aber ich stimme Ihnen zu, es ist eine Tragödie. Aber wollen Sie etwa Raymond selbst fragen?
Joe:
N-nein, n-überhaupt nicht! Ich … ich habe Ihnen doch alles erzählt, was ich weiß. Können Sie mich bitte dieses Mal gehen lassen?
Rafayel:
Klar, klar. Ich gebe Ihnen sogar noch etwas extra. Morgen werde ich meinen Agenten anweisen, sich wegen Ihres widerwärtigen Stalking-Verhaltens bei Ihren Vorgesetzten zu beschweren und unser exklusives Kolumneninterview abzusagen. Ich schätze, Sie werden bald arbeitslos sein.
Rafayel spricht entspannt. Er beugt sich vor, ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht.
Rafayel:
Also, könntest du mir einen Gefallen tun und herausfinden, wer versucht, all die Informationen zu verbergen, von denen du gerade gesprochen hast?
Ein Schwarm weißer Motten tanzt unter dem grauen Himmel um die Straßenlaterne und wartet auf die Nacht. Wir steigen die Steinstufen zu einem Garten im Himmel hinauf. Unter uns liegt Linkons lebendigstes Viertel. Vor uns erstreckt sich eine Wiese, die von Bäumen gesäumt ist – ein wunderschöner Anblick. Gegenüber schwebt eine holografische Werbung über der Stadt und wirbt für Rafayels Kunstausstellung im nächsten Monat. Ein schieferblaues Meer hüllt die Stadt wie Nebel ein und ergießt sich über die hoch aufragenden Wolkenkratzer. Von den Gebäuden bis zum Verkehr – alles ist in die Fluten getaucht. Obwohl es offensichtlich ein Lichtspiel ist, können neugierige Menschen nicht anders, als stehen zu bleiben und die vorbeischwimmenden Fische zu berühren.
Rafayel:
Weißt du, was sich am besten verkauft? Gemälde von einem ruhigen Meer. Sie können ganz schön teuer werden. Je wilder und chaotischer der Ozean ist, desto weniger Menschen interessieren sich dafür.
MC:
Menschen können Katastrophen nicht so spüren wie Tiere. Deshalb distanzieren wir uns unbewusst von Dingen wie schlechtem Wetter. Bei deiner letzten Kunstausstellung sagtest „du“ mir, das Gemälde stamme aus einem deiner Träume.
Ich starre auf das virtuelle Meer aus Fischen, die mit dem Nachthimmel verschmelzen. Es ist beunruhigend und zugleich faszinierend, da die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmt.
MC:
Ist das wieder einer deiner Träume?
Rafayel:
Ja, genau. Ich tagträume ständig in meinem Atelier. Es ist ziemlich schwer, sich an die reale Welt zu erinnern. Danke, dass du mich heute aus meinen Träumen geholt hast.
MC:
Gern geschehen.
Eine lange Zeit vergeht, bevor er sich umdreht. Viele Passanten blicken immer
noch in den Himmel, fasziniert von dem holografischen Meer.
MC:
Hast du irgendwelche Pläne?
Rafayel:
Ich gehe nach Hause. Die Kunstausstellung muss stattfinden.
Sobald ein Bild verkauft ist, muss ein anderes an seine Stelle treten.
MC:
Pass auf dich auf. Wenn du irgendwelche Geheimnisse entdeckst oder etwas über die N109-Zone hörst, sag mir Bescheid.
Ich klopfe mir das Gras von der Kleidung, stehe auf und verabschiede mich.
Rafayel:
Aber mir fehlt immer noch die Farbe, um das Bild fertigzustellen, an dem ich arbeite.
Rafayel richtet sich auf, seine Augen funkeln, als er mich ansieht. Ich habe ein ungutes Gefühl dabei.
Rafayel:
Erinnerst du dich nicht an unsere Abmachung?
MC:
…Was?
-Rückblende -
Rafayel:
Ich habe gesehen, wie du gekämpft hast – schnell und präzise. Dieser letzte Schlag war beispiellos. Wenn du mein Bodyguard sein könntest …
Beschütze mich auf unserer gemeinsamen Reise. Sollten wir eine
Alternative finden, gebe ich dir gerne, was ich gerade in der Hand halte.
-Rückblende -
MC:
Äh…
Rafayel:
Dieser Blick… Du hast es vergessen, was? Keine Sorge, ich habe alles aufgeschrieben. Uns wird es gut gehen. Wahrscheinlich.
MC:
Ich habe in den nächsten Tagen einiges zu erledigen. Aber ich verspreche, mich darum zu kümmern.
Ich sage ein halbherziges Versprechen. Und ich bin schon bereit zu fliehen, als ich ihn leise seufzen höre.
Rafayel:
Ich habe eine Idee, wie du dich in die N109-Zone schleichen können.
MC:
Wirklich?
Er hat meine Aufmerksamkeit. Ich gehe näher heran, um zuzuhören. Rafayel wendet schnell den Blick ab, sichtlich überrascht.
Rafayel:
Du hast es selbst gesagt. „Wenn man das große Ganze sieht, braucht man einen Köder.“ Warum nicht gleich den Masterplan entwickeln? Der beste Köder für Onychinus werden.
MC:
Soll ich mich also selbst benutzen, um sie herauszulocken?
Er nickt und spekuliert weiter.
Rafayel:
Um ins Visier zu geraten, musst du etwas haben, was sie wollen. Informationen oder so. Du kannst entscheiden, ob du das Risiko eingehst oder nicht. Vielleicht reicht schon eine kleine Gelegenheit, um sie zu locken.
Jedes Wort, das Rafayel sagt, ist richtig. Ich beiße mir auf die Lippe.
MC:
Trotzdem müssen wir den perfekten Angelplatz finden, damit unser großer Fisch anbeißt.
Rafayel:
Ich kann dich dorthin führen. Tausche Informationen gegen Informationen, setze alles auf eine Karte. Aber ob du mitspielen willst, liegt an dir.
Er starrt wieder auf das Lichtermeer unter der Brücke. Wie die Ebbe verblassen die Hologramme und geben die Straße frei.
MC:
Ich muss darüber nachdenken.
Rafayel:
Es ist nur ein Vorschlag. Die Entscheidung liegt bei dir. Wenn du es tun willst, triff mich morgen an den Docks von Whitesand Bay.
Whitesand Bay
Nach einer Nacht des Zögerns erreiche ich am nächsten Morgen Whitesand Bay. Am Hafen steht eine vertraute Gestalt: der Manager, den ich neulich bei Flux Arts getroffen habe.
Thomas:
Ah, schön, Sie wiederzusehen, Miss Hunter.
MC:
Hallo, Mr. Thomas.
Thomas:
Kein Grund, so förmlich zu sein. Nennen Sie mich einfach Thomas. Rafayel macht das auch.
Rafayel:
Ich wusste, dass du auftauchen würdest.
Rafayel kommt mit verschränkten Armen herüber und stellt sich zwischen mich und Thomas.
MC:
Vergiss dein Versprechen nicht.
Rafayel:
Ich bin nicht der Typ, der so etwas einfach vergisst.
Thomas:
Ihr zwei versteht euch gut. Ich bin froh, dass Rafayel einen so verlässlichen Freund wie dich hat.
Rafayel:
Hör auf, sie wie mein Kindermädchen zu behandeln!
MC:
Ich werde ihn beschützen ... zumindest für heute ... Aber was sollen wir jetzt tun?
Beide drehen sich in die Richtung, in die ich zeige. Ein einzelnes Holzboot gleitet sanft im Rhythmus der ruhigen Wellen. Ein paar Möwen sitzen auf dem Bug und putzen ihr Gefieder.
MC:
Schmuggeln wir uns etwa selbst hinein?
Thomas:
Moment mal. Du hast mich nicht nach einem Boot gefragt, damit du ein Date hast?
Rafayel:
Ich würde sagen, das Warten hat sich gelohnt.
Bei Windstärke um die 16 km/h und ohne hohe Wellen ist es ein guter
Tag zum Segeln.
MC:
Da die Fahrt aufs offene Meer eine beängstigende Angelegenheit ist, sollten wir nicht... etwas Moderneres benutzen? Wie ein Schnellboot?
Rafayel:
Wir hängen doch immer nur im Haus rum und malen. Lasst uns die Gelegenheit nutzen, uns zu bewegen.
MC:
Jetzt da wir im selben Boot sitzen, ist es Zeit, mir zu sagen, wie es weitergeht.
Rafayel:
Mach dir nicht so viele Gedanken. Du machst einfach das, was du immer machst – kämpfen. Das ist Hat Island. Dort gibt es ungewöhnliche Energieschwankungen, und seltsame Wanderer sind aufgetaucht.
MC:
Du interessierst dich für die Wanderer?
Rafayel:
Ihre Protonenkerne enthalten ein extrem seltenes Material. Ich muss das unbedingt in die Finger bekommen... Ich werde damit Farbe anrühren und etwas Kunst machen. So wie man das eben so macht.
MC:
Echt? Protonenkerne kann man zum Malen verwenden? Ich bin doch kein Kleinkind mehr.
Rafayel:
Komisch. Die Insel ist doch direkt vor uns. Aber wir rudern schon seit einer halben Stunde und sehen immer noch kein Land. Ruderst du im Kreis?
MC:
Ich versuche wirklich, das Boot voranzubringen, aber du ruderst uns immer wieder zurück. Das erklärt, warum wir im Kreis fahren.
Rafayel:
Dieses Ruder ist einfach gemein! Ich habe es satt. Können wir das Boot verlassen und stattdessen schwimmen?
MC:
Oh nein, Rafayel, die Wellen! Sie kommen direkt auf uns zu!
Rafayel:
Hat der Wetterbericht heute etwa geschlafen? Links, links! Schnell!
MC:
Das Boot läuft voll Wasser. Du hast uns verhext! Ich glaube, wir müssen wirklich zur Hat Island schwimmen.
Rafayel:
R-ruhig jetzt. Ruder nicht so wild herum. Mir ist total übel.
Rafayel:
Ich glaube, ich habe einen Attentäter statt eines Bodyguards angeheuert … Die Welt dreht sich wie …
MC:
Hör auf, vor dich hin zu murmeln. Ohne mich wären wir jetzt immer noch im Meer.
Rafayel:
Lieber treibe ich im Meer als an Land …
MC:
Alles sieht gut aus. Ich sehe keine Wanderer.
Rafayel:
Deine Fähigkeiten werden nützlich sein. Los geht’s. Diese Insel ist nicht klein, und wir haben einen ganzen Tag vor uns.
MC:
Alles wieder gut? Warum so eilig?
Rafayel:
Der Berg. Wir fangen dort an.
MC:
Ich sehe keine Lebenszeichen … Ich erinnere mich, als Kind auf einem Schulausflug hier gewesen zu sein.
Rafayel:
Ein Schulausflug? Was ist das?
MC:
Du warst noch nie auf einem? Kinder stellen sich mit ihren Taschen voller Snacks in einer Reihe auf. Und natürlich haben wir ein Reisetagebuch geschrieben und...
Rafayel:
Wow, ihr wart alle mutig, solche Orte zu besuchen. Ich bin beeindruckt …
MC:
… mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen. Veränderung ist unvermeidlich. Die Resonanz ist schwach, und die Uhr misst nichts … Es ist unmöglich, dass keine Wanderer involviert sind.
Rafayel:
Deine kleine Uhr scheint nicht richtig zu funktionieren. Wo ist der Korallenstein?
MC:
Hä? Also … willst du dein Blut wieder verwenden?
Rafayel:
Oder du könntest deine Evol nutzen. Der Korallenstein stammt aus diesem Wasser. Falls dir etwas Seltsames auffällt, könnte er mit derselben Art von Metaflux verunreinigt sein. Nutze deine Evol, um damit in Resonanz zu treten. Ein ähnliches Signal zu erzeugen, könnte ausreichen, um sie anzulocken. Versuch’s?
MC:
Ein Signal aussenden … verstanden. Hmm … Die Fluktuation ist schwach. Ich kann es kaum spüren...
Rafayel:
Warte, warte, warte... Mit so viel Kraft könntest du Nüsse knacken. Bitte zerstöre nicht meine letzte Probe.
MC:
Was dann...?
Rafayel:
Du bist nicht beim Armdrücken. Lass es uns gemeinsam machen. Schließ die Augen. Konzentriere dich ganz auf deine Hände. Na? Spürst du eine warme Kraft in dir aufsteigen? Alles auf dieser Welt hat eine einzigartige, unvergleichbare Frequenz. Deshalb ist jedes Leben isoliert. Aber deine Evol erlaubt es dir, deine Frequenz zu verändern. Du kannst mit anderen in Resonanz treten. Wenn du dein Herz öffnest, kannst du eine Verbindung herstellen. Und deine Kraft teilen.
MC:
... Wirklich?
Rafayel:
Wenn du daran glaubst.
MC:
Äh ... Ähm!
Rafayel:
Entschuldigung.
MC:
Okay, ich versuche es ...
Rafayel:
!... Ist es ... vorbei?
MC:
... Ich denke schon?
Rafayel:
Nun, das war ein ziemliches Spektakel.
MC:
Es war deine Idee. Wenn wir keinen Fisch fangen, liegt es dann am Köder?
Rafayel:
Okay, ich habe mich wohl geirrt. In die Tiefen von jemandes Evol einzudringen, ist gar nicht so einfach.
Etwas reagierte.
MC:
Ich habe das ganz gut gemacht, oder? Findest du nicht?
Rafayel:
Du bist sogar noch besser, als ich erwartet habe! Der Weg vor uns wird schwierig sein ... Nimm das. Und streng dich weiter an.
MC:
Ich hätte nicht gedacht, dass die Resonanz Wanderer anlocken würde ...
Rafayel:
Wenn wir nicht finden, wonach ich suche, betrachte es einfach als Übung. Lasst uns hier unser Lager für heute Nacht aufschlagen.
MC:
Sie kommen wieder!
Rafayel:
Oh nein, nein, nein, nein.
MC:
Ist es ein Wanderer?
Rafayel:
Noch schlimmer! Ein Monster!
MC:
Ach, wie süß! Ein Kätzchen! Jetzt bist du in Sicherheit ... Du bist doch nicht wegen des Korallensteins hier, oder? Warum bist du da drüben? Es wird dich nicht fressen.
Rafayel:
Bleib weg! Katzen sind bösartige Bestien, die alle mit ihrem harmlosen Aussehen täuschen und nach Belieben mit ihrer Beute spielen ... Ich hasse sie.
MC:
...Eher als Hass, würde ich sagen, du hast Angst vor ihnen. Nicht wahr, Rafayel?
Rafayel:
Nö! Ist mir egal. Katzen interessieren mich überhaupt nicht.
MC:
Es ist verletzt. Sieh mal, irgendetwas stimmt mit seiner Verletzung nicht!
Rafayel:
Halt! Du darfst mir nicht mehr zu nahekommen, seit du es angefasst hast. Du musst dich entscheiden! Ich oder die Katze? Hat es verstanden, was ich gesagt habe?
MC:
Die Wunde sieht nicht normal aus. Vielleicht sind Wanderer beteiligt... Wir sollten nachsehen.
Rafayel:
...Weißt du, du musst nicht so genau hinschauen! Wir stören doch nicht das Zuhause der Katze, oder? Oder? ... Das kleine Monster will offensichtlich nur etwas Zuneigung. Verschwende nicht deine Zeit.
MC:
Schau!
Rafayel:
Das... Ein Wanderer hat es angegriffen.
MC:
Was ist passiert?
Rafayel:
Nicht anfassen – Au...!
MC:
Deine Hand!
MC:
Etwas kommt aus der Tiefe! Es ist ein Deluge Wyrmlord!
(Seine Flammen ... können das Wasser spalten?)
Rafayel:
Du magst mein Blut wohl doch lieber, was? Tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber mein Feuer kann niemals erlöschen.
MC:
Wie sind wir bloß im Ozean gelandet? ..Rafayel! ...Hust. Hust. Hust!
(...Ich muss an die Oberfläche! Wo ist Rafayel...? Da ist er ja...)
Rafayel:
Bleib zurück. Sonst ... kann ich deine Sicherheit nicht garantieren.
(?! Was ist mit dir? Was machst du da ...?!)
Rafayel:
Geht dich nichts an.
(Rafayel...)
-Rückblende -
-Rafayel-: Dann ist es abgemacht. Wenn du nicht zurückkommst, werde ich ... werde ich dich bis ans Ende der Welt verfolgen.
-Rückblende -
(Geh nicht...)
Rafayel:
Du hast alles vergessen. Und trotzdem bestehst du darauf... Na gut...deine Entscheidung.