Prologue to Tomorrow

Kapitel 2 - Dornen unter dem Mond

 Der Klang ihrer Schritte hallt hohl auf dem Marmorboden wider. Zayne blickt auf und sieht erneut die vertraute Silhouette des Mädchens. In dem stillen Krankenhausflur, dessen Wände graublau und nur schwach von Glühlampenlicht erhellt sind, steht nur das Mädchen hell und entschlossen da.  

Zayne: …  

Er möchte sie rufen, kann aber keinen Laut von sich geben. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als seine Schritte zu beschleunigen. Er rennt ihr nach. Doch in diesem Moment brechen furchterregende schwarze Kristalle aus den Wänden hervor.  

Zayne
Nein … Halt!  

Ohne Vorwarnung verzerrt sich der gesamte Raum. Scharfe Stacheln schießen auf den Hals des Mädchens zu. Panisch dreht sie sich zu ihm um. Als sich ihre Blicke treffen, zittern ihre Lippen vor Verzweiflung, und sie flüstert leise, gebrochene, verzweifelte Laute.  

Mädchen:
Zayne … Zayne!  

MC:Zayne, Zayne? 

In Aksos Reha-Klinik öffnet Zayne plötzlich die Augen. Er liegt in einer Schlafkapsel, und sein Blick gewöhnt sich langsam an die Dunkelheit.  

MC: 
Hattest du wieder einen Albtraum?  


Zayne: 
Ja…  

 Er reibt sich die Schläfen und setzt sich auf. In seinen Augen spiegelt sich meine Besorgnis wider.  

Zayne: 
Mach dir keine Sorgen. In so einer großen Kiste zu liegen und angestarrt zu werden – wenn ich dabei gut schlafen könnte, dann hättest du wirklich Grund zur Sorge.  

MC: 
Hey, ich mache mir aber Sorgen um dich. Und was soll ich denn sonst tun? Jemand hat sein seit seiner Rückkehr vom Mt. Eternal keine Nacht mehr richtig geschlafen. Und die Albträume sind auch noch seine Ausrede.  


Seit seiner Rückkehr vom Mt. Eternal vor zwei Monaten ist Zaynes Gesundheitszustand schlecht. Er kann überhaupt nicht mehr schlafen. Doch er spricht nicht darüber, was in der Arktis passiert ist. Dieser wiederkehrende „Albtraum“ ist das Einzige, was er mir freiwillig anvertraut hat.  

MC: 
Du hast nächste Woche noch eine Geschäftsreise. Mit diesem Zustand könnte der Arzt vor seinen Patienten zusammenbrechen.  


Zayne
Selbst wenn ich zusammenbreche, wird es immer einen anderen Arzt geben, der einspringt. Ganz egal, was passiert –  

Ich lege ihm warnend den Finger auf die Lippen.  

MC: 
Egal wie viele Ärzte es gibt, sie sind für andere da. Mein Arzt ist direkt vor mir.  


Zayne: 
Okay, ich passe auf mich auf und bleibe am Leben.  

MC: 
Lass meine Sorgen nicht zu deiner Belastung werden. Ich glaube, du hast angefangen, Albträume zu haben, nachdem ich dir das Kristallfragment aus der N109-Zone gegeben habe.  


Zayne nimmt seinen Mantel von der Garderobe an der Wand. Gemeinsam betreten wir den Korridor.  

Zayne: 
Das hängt nicht zusammen, also mach dir keine Sorgen. Es ist nur ein Zufall. Apropos, es gibt Fortschritte bei der Analyse des Kristalls.  

MC: 
Steht er im Zusammenhang mit dem Protonenkern-Syndrom?  


Zayne: 
Ich habe eine Hypothese auf Basis der Daten entwickelt. Sobald es endgültige Ergebnisse gibt, teile ich dir die Details mit.  

Ich steige in den Aufzug und drücke den Knopf für das Erdgeschoss. Zaynes Spiegelbild erscheint in den geschlossenen Türen; die dunklen Ringe unter seinen Augen unterstreichen seine tiefe Müdigkeit.  

MC: 
Lass dir Zeit. Du solltest dich zuerst um deine Schlaflosigkeit kümmern.  


Zayne: 
Da ich sowieso nicht schlafen kann, kann ich meine Zeit genauso gut sinnvoll nutzen.  

MC: 
Es ist also nicht so, dass Ärzte sich nicht selbst behandeln können. Sie wollen sich eigentlich gar nicht behandeln lassen. Ich habe Milch für dich bestellt. Sie wird dir geliefert und sollte dir beim Einschlafen helfen. Und die hypnotische Musik –  


Zayne: 
Meinst du die Schlaflieder-Playlist? MC, hast du vergessen, wie alt ich bin?  

MC: 
Ich versuche nur, als normaler Hunter zu helfen. Du musst nicht auf mich hören, Dr. Zayne.  


Wir steigen aus dem Aufzug, und meine Uhr klingelt. Jemand ruft an. Ich deute Zayne den Anruf an und gehe dann zur Seite, um ihn anzunehmen.  

MC: 
Captain Jenna.  


-Jenna-: 
MC, sind Sie gerade erreichbar? Wir haben β-Protonenkurven-Aktivität an einem bestimmten Ort festgestellt.  

Nach einer kurzen Erklärung beendet Captain Jenna das Gespräch schnell.  

Zayne: 
Warum runzelst du die Stirn? Ist etwas passiert?  

MC: 
Meine Mission hat ein Update erhalten. Ich muss mich bei Captain Jenna melden, daher kann ich vielleicht nicht mit dir zu Abend essen.  


Gerade als ich zum Haupteingang des Krankenhauses sprinten will, legen sich mir zwei Hände auf die Schultern und lenken mich in eine andere Richtung.  

Zayne: 
Lauf noch nicht weg. Ich fahre dich hin.  

Als ich die Association erreiche, herrscht im Büro des Alpha-Teams absolute Stille. Nur Jenna steht vor dem Kontrollpult. Ihr Blick ist auf einige vergrößerte Fotos gerichtet, die projiziert werden.  

Jenna: 
Perfektes Timing. Schauen wir sie uns gemeinsam an.
 

 Sie winkt mit der Hand, und die Fotos werden mir zugeschoben. Als ich näherkomme, um sie mir genauer anzusehen, wird deutlich, dass auf jedem Bild eine markante Gestalt zu sehen ist. Die Gestalt ist außerdem mit auffälligen Farben markiert, die Spuren einer β-Protonenkurve zeigen.  

MC: 
Sie alle stammen von demselben Wanderer.  


Jenna: 
Ja. Allein heute Morgen hat Andrew fünfmal seine Spuren gefunden. Jedes Mal wurde β-Protonenkurvenaktivität festgestellt.  

MC: 
Das bedeutet, es hat mit einem Ätherkern zu tun …  


Jenna: 
Es könnte durchaus einen bei sich tragen. Oder ein Fragment eines Ätherkerns.  

Ein weiterer Bildschirm erscheint und zeigt eine Reihe von Daten und Informationen. In der Mitte ist das verschwommene Bild eines Wanderers zu sehen.  

Jenna: 
Dieser Wanderer kann sich bewegen, indem er den Raum verzerrt, und wir haben ihn noch nicht vollständig erfasst. Das Intel Department hat jedoch eine Entdeckung gemacht. In Gebieten, in denen er aufgetaucht ist, sind viele Patienten mit Protonenkern-Syndrom ins Koma gefallen. Einige erleiden sogar einen Schock.  

Mein Blick fällt auf die linke Seite des Bildschirms. Dort steht: „Ort: Chansia City.“ 

– Rückblende –  


Zayne: 
Ich werde nächste Woche nach Chansia City reisen. Dort gibt es einige Patienten mit einem schweren Fall von Protonenkern-Syndrom, die für ihre Behandlung die Hilfe des Akso-Krankenhauses benötigen.  

– Rückblende –  

 

(Die von Zayne erwähnten Patienten könnten tatsächlich Opfer dieses Wanderers sein.)  

Jenna: 
Im Moment vermuten wir einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Vorfällen. Wir könnten anfangen, nach diesen Patienten zu suchen. Und zufällig schickt das Akso-Krankenhaus nächste Woche ein Ärzteteam nach Chansia City.  

MC: 
Captain, ich hätte eine Bitte. Darf ich das Ärzteteam als Hunter-Eskorte bei der Untersuchung des Wanderers begleiten?  


Jenna: 
Dein Antrag wurde genehmigt. Unsere Niederlassung in Chansia hat ebenfalls ihre Operation gestartet. Ihre Mission ist es, zu bestätigen, ob es Anzeichen für einen Ätherkern gibt. Sie können uns jederzeit kontaktieren, falls du Hilfe benötigst. Wir werden dir jede erdenkliche Unterstützung anbieten.  

MC: 
Verstanden. Ich werde vorsichtig sein.  

Als ich die Association verlasse, taucht Zaynes Gestalt in der Ferne auf. Er wartet geduldig am Straßenrand. Gerade als ich hinübergehen will, erscheint plötzlich ein riesiger Strauß weißer Rosen und verdeckt mein ganzes Sichtfeld.  

??:
Miss MC? Ich habe schon so viel von Ihnen gehört. Es ist mir eine Ehre, Sie endlich persönlich kennenzulernen.  

MC: 
Und Sie sind?  


??: 
Entschuldigung. Ich hätte beinahe vergessen, dass dies unser erstes Treffen ist. Aber Sie hätten meine Visitenkarte vor ein paar Tagen erhalten sollen. Zusammen mit den Blumen.  

Der Mann blickt mich freundlich an. Er streckt mir die andere Hand entgegen.  

??: 
Ich bin Carter von Xander Sciences.  

Ich erinnere mich, dass vor Kurzem eine Visitenkarte auf meinem Schreibtisch aufgetaucht ist. Dazu kamen auch aufsehenerregende Lieferungen.  

MC: 
Oh, die waren von Ihnen.  


Carter: 
Dank Miss MCs Einsatz bei der Festnahme der Protonenkern-Händler konnte Xander Sciences eine wertvolle Charge Protonenkerne sichern. Dadurch konnten viele Patienten gerettet werden. Natürlich wollte ich mich bedanken. Würden Sie mir die Ehre erweisen, mit mir zu Abend zu essen, Miss MC?  

Zayne: 
Sie hat bereits Pläne für heute Abend.  

Eine Hand schiebt den Blumenstrauß beiseite. Zayne zieht mich an sich und stellt sich zwischen mich und Carter. Als Carter Zaynes Gesicht sieht, verdüstert sich sein Gesichtsausdruck merklich.  

Carter: 
Was für ein Zufall, Zayne. Es ist schon lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Wollen wir drei nicht zusammen essen gehen? Ich lade euch ein.  

Mein Blick wandert schnell von Carters Lächeln zu Zaynes gleichgültigen Augen. Ich verstehe, was los ist.  

MC: 
Es tut mir leid, Mr. Carter. Die Association verbietet Huntern strengstens, Einladungen zum Abendessen aus beruflichen Gründen anzunehmen.  


Zayne: 
Los geht's.  

Gerade als ich mich umdrehen will, versperrt mir der Blumenstrauß erneut den Weg.  

Carter: 
Miss MC, ich verstehe, dass es Regeln bezüglich Abendessen gibt. Aber die Blumen haben doch nichts falsch gemacht, oder?  

Bevor ich ablehnen kann, nimmt Zayne blitzschnell die weißen Rosen an sich. Er betrachtet sie. Mit ausdruckslosem Gesicht gibt er Carter die Rosen zurück.  

Zayne: 
Sie sind wirklich nett. Leider ist in meinem Auto kein Platz mehr dafür.
 

Carter: 
Miss Hunter –  

Zayne hält mich am Arm fest, und ich gehe. Carter folgt uns hartnäckig.  

Carter: 
Eigentlich wollte ich Sie nur daran erinnern: Die Welt da draußen ist nicht so sicher wie Linkon. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie unterwegs sind.  

Zayne: 
Anschnallen!  

Zayne lenkt, und das Auto reiht sich in den fließenden Verkehr ein.  

MC: 
Der Typ scheint dich ziemlich gut zu kennen. Kennst du ihn? Und Xander Sciences … den Namen habe ich doch schon mal gehört … 

 

– Rückblende –  


Raymond: 
Dein Kollege hat dich gelobt und gesagt, es gäbe Dinge, die nur ihr zwei könnt. Ich bin sehr neugierig. Xander Sciences wird dir die besten Mitarbeiter, das beste Labor ... und sogar die beste Behandlung bieten.  

– Rückblende –  

MC: 
Die Person, die Raymond erwähnt hat, als wir bei ihm waren, ist Carter, richtig?  


Zanye: 
Wir haben beim selben Professor studiert. Das ist alles. Unsere Wege sind völlig unterschiedlich.  

MC
Ihr zwei seid euch nicht ähnlich, soweit ich das beurteilen kann. Ich habe auch das Gefühl, dass er mir etwas verdächtig vorkommt. Es war offensichtlich, dass er nicht nur aufgetaucht ist, um mich zum Abendessen einzuladen. Und ich sehe, dass du ihm gegenüber sehr vorsichtig bist. Gibt es Streit zwischen euch? Du kannst mir davon erzählen.  


Zanye: 
Das ist nicht interessant.  

MC:
Zayne hat Streit mit jemandem und ist sehr misstrauisch ihm gegenüber. Ist das nicht schon interessant genug?  


Zanye: 
Allein die Tatsache, dass er dir Rosen geschenkt hat, hat mich schon alarmiert. Aber als er dir gesagt hat, du sollst auf Reisen vorsichtig sein … ich bezweifle, dass das nur eine harmlose, freundliche Erinnerung war.  

Gerade als ich Zayne von meiner Reise erzählen will, überlege ich es mir anders. Ich schüttle den Kopf und lächle.  

MC: Vielleicht war Carter genervt, weil wir ihn ignoriert haben. Deshalb hat er versucht, uns Angst einzujagen.  


Zanye wirft mir einen amüsierten Blick zu. Er sagt nichts weiter zu dem Thema.  

Drei Tage später, Flughafen Linkon  


In der geschäftigen Flughafenhalle ist Greyson wie versteinert. Einige Sekunden vergehen, bis er endlich blinzelt.
 
 

Greyson:
Also … du bist dieses Mal unsere Hunter-Eskorte? 

Erfreut über Greysons Reaktion, stelle ich mir unwillkürlich Zaynes  

Gesichtsausdruck vor, wenn er mich später sieht. Ich gehe näher an ihn heran
und wedele mit meinem Flugticket vor seiner Nase. 


MC: 
Was ist das für ein Gesichtsausdruck? Bist du erleichtert? Oder noch nervöser?  


Greyson: 
Willst du die Wahrheit wissen?  

Greysons Tonfall klingt zwar unbeschwert, doch ein Hauch von Besorgnis huscht über sein Gesicht.  

Greyson: 
Angeblich machen die Krankenhäuser einen akademischen Austausch. Aber in Wirklichkeit fliegen wir dorthin, um ihnen zu helfen. Warum sonst sollten sie so ein großes Team schicken? Oder überhaupt eine Hunter-Eskorte anfordern?  

MC: 
Dass Zayne den ganzen Weg dorthin fliegt … Die Lage muss ziemlich ernst sein. 

 

Greyson: 
Das Hauptproblem betrifft eigentlich einen der Patienten.  

Greyson senkt die Stimme und beugt sich näher zu mir. 

Greyson: 
Die Biopsie ergab, dass die Kristalle in seinem Herzen eine bestimmte Form und Struktur aufweisen, die sich von denen beim Protonenkern-Syndrom unterscheidet. Außerdem verursachte er bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus einen Metaflux-Schub.  

Als ob er befürchtete, dass ich ihm nicht glaube, holt Greyson sein Handy heraus und zeigt mir ein Video.  

Greyson
Ein Freund, der im Chansia-Krankenhaus arbeitet, hat mir das geschickt. Der gesamte Fluxstabilisator in der Notaufnahme war ausgefallen. Es herrschte Chaos.  

Im Video ist ein Alarm zu hören, und die Lichter flackern unkontrolliert. Trotz der verwackelten und unscharfen Aufnahmen ist die chaotische Situation unverkennbar. Ein abnormales Herz, ein plötzlicher Metaflux-Schub … Ein Bild beginnt sich in meinem Kopf zu formen, etwas seltsam Vertrautes.  

Greyson: 
Zum Glück ist kein Wanderer aufgetaucht. Aber es ist seltsam, wenn man bedenkt, wie hoch der Fluktuationsindex war …  

MC: 
Der Fluktuationsindex gibt nur die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Wanderers an. Es ist nicht garantiert. Aber angesichts der Art der Energiefluktuation ist es merkwürdig, dass kein einziger Wanderer aufgetaucht ist …  


Ich sah mir das Video noch einmal an, um nach etwas zu suchen, das ich vielleicht übersehen hatte.  

(Ist das Metaflux eine Folge der Exposition des Patienten gegenüber diesem Wanderer und der β-Protonenkurve?)  

MC:
Greyson, würdest du mir die anderen Dokumente dazu zeigen?  


Greyson: 
Klar. Was möchtest du sehen?  

Zayne: 
Man sollte keine Annahmen treffen, solange die Dinge noch ungewiss sind.  


Als Greyson und ich uns vorbeugten, erschien plötzlich eine Hand zwischen uns. Greyson wurde leicht zur Seite geschoben.  

Greyson: 
Dr. Zayne!  

In einer fließenden Bewegung nahm die Hand das Telefon, schaltete den  
Bildschirm aus und legte es Greyson zurück in die Hand.  

Zayne: 
Das Chansia-Krankenhaus wurde vor langer Zeit gebaut. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Fluxstabilisatoren dort Fehlfunktionen aufweisen. Was den Biopsie Befund des Patienten angeht, muss er zusammen mit anderen Berichten weiter analysiert werden. Es ist zu früh für voreilige Schlüsse.  

Ich sehe Zayne direkt in die Augen. Er steht vor mir, eine Hand ruht auf dem Griff seines Koffers.  

MC: 
Guten Morgen, Dr. Zayne.  


Ich halte eine Papiertüte hoch.  

MC: 
Möchten du einen Kuchen oder ein Eiersandwich? Du kannst nur eines aussuchen.  


Zayne
Ich nehme den Kuchen. Bist du extra früh zum Flughafen gekommen, um Frühstück zu kaufen?  

MC: 
Wann habe ich das denn behauptet?  


Ich hole meinen Koffer hinter einem Stuhl hervor und zeige Zayne stolz meinen Ausweis als Hunter-Eskorte.  

MC: 
Überraschung!  


Zayne: 
…Mhm.  

Anders als erwartet, sehe ich in Zaynes Gesichtsausdruck keine Spur von Erstaunen. Stattdessen reicht er mir ruhig einen heißen Latte.  

Zayne: 
Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, wer deinen Begleitantrag und die Ausweispapiere genehmigt und unterschrieben hat?  

Der Flug dauert mehrere Stunden. Schließlich landet die Maschine auf dem Flughafen Chansia. 

Das Ärzteteam besteigt den Shuttlebus des Krankenhauses Chansia und fährt sofort zum Einsatzort. Der Chefarzt, dessen Haar bereits ergraut, wechselt ein paar Worte mit Zayne, bevor er sich schnell dem Gespräch über den Patienten widmet.  

Chefarzt: 
Er ist an der ECMO angeschlossen. Nach der offenen Herzoperation haben sich Verwachsungen gebildet. Und heute Morgen haben wir gesehen, wie sich die Kristalle ausbreiten. Sie sind jetzt sehr nah an der Lunge.  

Zayne: 
Dann müssen wir so schnell wie möglich operieren.  

Zayne blättert schnell in der Patientenakte und macht sich Notizen.
 

Chefarzt: 
Die Kristallentfernung ist schon ein komplexer Eingriff. Diese Verklebungen werden … Wir befürchten, dass der Patient während der Narkose nicht stabil sein wird.  

Zayne
Das ist unsere einzige Möglichkeit. Wir müssen operieren. Wir werden den Gesundheitszustand des Patienten erneut beurteilen und erst dann fortfahren, wenn es sein Zustand zulässt.  

Einige Stunden später


Die OP-Leuchten werden im Operationssaal eingeschaltet.
 

Die rhythmischen Geräusche der medizinischen Geräte hallen wider. Unter der Leitung von Zayne konzentriert sich ein Team von Ärzten und Pflegekräften auf die bevorstehende Operation.  Der Beobachtungsraum ist voller Menschen, deren Blicke auf einen großen Bildschirm gerichtet sind. Darauf sind zwei Hände zu sehen, die mit einem Skalpell sorgfältig winzige Kristalle entfernen.
 
 

Zayne: 
Sicht frei.  

Nachdem ich mich vergewissert habe, dass nichts Ungewöhnliches passiert, gehe ich zurück zum Glas.  

Captain Willow: 
Dr. Zayne ist mutig, einen so riskanten Fall anzunehmen.  

MC: 
Captain Willow.  


Captain Willow: 
So sehen wir uns wieder, MC.  

Bei meinem letzten Besuch in Chansia City haben wir zusammengearbeitet. Nach dem Austausch der Formalitäten zeigt sie mir aktualisierte Daten. Innerhalb weniger Sekunden erscheint der Verlauf der letzten Aktivitäten eines Wanderers auf der integrierten 3D-Karte meiner Uhr.  

MC: 
Er hat es geschafft, die gesamte Stadt in fünf Minuten zu durchqueren. So schnell habe ich noch nie einen Wanderer sich fortbewegen gesehen. Captain Jenna meinte, es gäbe noch kein klares Bild von dem Wanderer. Haben Sie neue Hinweise?  


Captain Willow: 
Wir haben einige Vergleiche angestellt. Abgesehen davon, dass die Protonenkurven nicht übereinstimmen, ähnelt der Wanderer Myst sehr.  

MC: 
Aber wenn man sich alle Daten ansieht, unterscheiden sich die Merkmale dieses Wanderers von denen der Mysts, die ich gesehen habe. 

 

Captain Willow:
Ja, ich weiß auch nicht, was da reingeraten ist und wie er sich so gut verstecken konnte.  

(Vielleicht hat der Ätherkern ihn mutieren lassen oder so...)  

Plötzlich bricht neben uns eine Diskussion aus. Das lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den Bildschirm. Ein schuppenartiger, winziger Kristall wird langsam vom Rand eines Blutgefäßes abgelöst.  

Captain Willow: 
Chirurgen haben echt ruhige Hände, was?  

(Dieser Kristall...!)  

Er ist genau wie die von den „Monstern“ in der N109-Zone! Zayne muss ihn auch bemerkt haben. Ich fasse mich wieder und sehe ihn sofort an. Unter der OP-Haube bleiben seine Augen ruhig und konzentriert. Er fährt mit dem Eingriff fort, bis der Kristall auf dem OP-Tablett liegt.  

Zayne: 
Sieht alles im Ultraschallbild gut aus?  

Anästhesist
Ja. Es ist abgegangen.  

Zayne
Blutungen? 
 

Anästhesist: 
Nein.  

Zayne: 
Lasst uns zum Schluss kommen. 

Applaus bricht im Beobachtungsraum los, und Erleichterung überkommt mich. Doch ich spüre ein seltsames, ungewöhnliches Dröhnen in meiner Brust ... Etwas dehnt sich schnell aus.  

MC:
Metaflux!  


Der Alarm der Fluxstabilisatoren ertönt im gesamten OP-Saal. Captain Willow und ich wechseln einen Blick und legen sofort los. Sie beginnt, die Zuschauer zu evakuieren, während ich zum Sprechgerät renne.  

MC:
Zayne, ein Wanderer taucht gleich auf. Du musst raus!  


Greyson: 
Dr. Zayne, der Blutdruck des Patienten sinkt.  

Zayne: 
Erhöhe das Adrenalin auf 0,1 Mikrogramm.  

Der Alarm wird lauter. Ich ziehe sofort meine Waffe und ziele auf die Stelle, wo die Energiefluktuation ihren Höhepunkt erreicht hat. Die schwache Energiefluktuation lässt nach, doch das Beben in meiner Brust nicht.  

MC:
Zayne, du musst gehen! Sonst ist es zu spät!  


Zayne: 
Die Vitalwerte des Patienten sind instabil. Ihn zu bewegen ist im Moment nicht möglich.  

Durch die Glasscheibe sieht Zayne mich an, sein Blick so ruhig wie immer.
 

Zayne: 
Kannst du den sich aufbauenden Metaflux mit deiner Evol unterdrücken?  

Ich begegne Zaynes Blick, der mich subtil zu beruhigen versucht. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf Greyson und die anderen, die sichtlich besorgt sind. Sie warten auf meine Antwort.  

MC: 
Ich werde mein Bestes geben.  


Zayne: 
Gib mir fünf Minuten. Lasst uns weitermachen.  

Mithilfe meiner Evol und der Flux-Stabilisatoren verschaffe ich Zayne erfolgreich die nötige Zeit, um die Naht zu beenden. Als die Operation beendet ist, verschwindet das Metaflux plötzlich, als wäre alles nur eine Illusion gewesen. Andere Ärzte kümmern sich um die Nachsorge. Ich ziehe meinen sterilen Anzug aus.  Gerade als ich wieder zu Atem komme, zieht mich Zayne in den  Aufenthaltsraum, wo niemand ist.  

Zayne: 
Gib mir deine linke Hand. Ich mache eine kurze Evol-Untersuchung. 

Zayne stellt ein Metalltablett ab, nimmt einen mit Medizin getränkten  
Wattebausch und desinfiziert meine Hand.  

MC: 
Mir geht es gut. Ich habe es vielleicht etwas übertrieben, aber ich vertrage meine Evol besser als vorher.  

Zayne: 
Während es das ist, was du fühlst, rate ich dir, die Ergebnisse abzuwarten und auf deinen Arzt zu hören. Außerdem …  

Ein kühles Gefühl geht von meiner Handfläche aus, als er meine Finger hält. Er klebt auf jeden Finger einen Patch.  

Zayne: 
Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass das Metaflux vorhin nicht von einem gewöhnlichen Wanderer erzeugt werden konnte.
 

MC: 
Du wusstest es von Anfang an.  


Zayne: 
Sag bloß nicht, du hast mir tatsächlich geglaubt, ich hätte dich für eine Hunter-Eskorte gehalten, deren einziger Zweck es ist, uns zu beschützen.  

MC: 
Natürlich. Du und Dr. Noah wisst ja schon länger von der Existenz der Ätherkerne.  


Ich richte mich auf und denke nach.  

MC: 
Du hast es während der Operation bemerkt, oder? Dieser Kristall war der Probe, die ich dir gegeben habe, sehr ähnlich. Ich bin mir fast hundertprozentig sicher, dass der Wanderer, der diesen Patienten angegriffen hat, mit dem Ätherkern in Verbindung steht. Es ist möglich, dass der Ätherkern die Monster in der N109-Zone in ihren jetzigen Zustand verwandelt hat.  


Zayne: 
Nicht unbedingt.  

Das Untersuchungsgerät piept. Zayne beobachtet die schwankenden Zahlen auf dem Bildschirm, während er weiterspricht.  


Zayne: 
Der Ätherkern sollte nicht die Ursache der Mutationen sein. Die Verschmelzung deines Herzens mit einem solchen Kern ist ein perfektes Beispiel dafür. Angesichts des Ausmaßes der von Ihnen beschriebenen „Mutation“ neige ich eher zu der Annahme, dass … jemand versucht hat, schlau zu sein, dabei aber gescheitert ist.  

MC: 
Willst du damit sagen, dass jemand für das Auftauchen dieser „Monster“ und  
den Zustand dieses Patienten verantwortlich ist?  


Zayne: 
Ich spekuliere nur. Vergiss nicht, dass in dieser Welt viele Mächte den  
Ätherkern begehren. Du bist noch nicht allen begegnet.  

MC: 
Du hast Recht.  


Zayne: 
Alles in Ordnung. 

Das Gerät piept, was das Ende der Untersuchung signalisiert. Zayne entfernt vorsichtig die Patches von meiner Hand und legt sie weg. In dem stillen Raum bewegt sich der Sekundenzeiger der Wanduhr leise und streift das schwache Licht, das uns umgibt. Ich muss gähnen.  

MC
Ich habe doch gesagt, dass es mir gut geht … Wenn ich jetzt von einem Problem sprechen muss, dann bin ich etwas müde.  


Zayne: 
Eine Operation zu beobachten, muss langweilig gewesen sein.  

MC: 
Überhaupt nicht! Es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich dich operieren sehe. Du sahst cool aus!  


Er nimmt eine Papiertüte vom Tisch und lässt sich auf einer Seite des Sofas nieder. Er greift sich ein Sandwich und teilt es mit seinen sauberen Händen aus.  

Zayne: 
Die Cafeteria im Krankenhaus ist geschlossen. Wir müssen uns mit dem begnügen, was wir haben.  


Das Chaos hat sich gelegt, doch der anhaltende Geruch von Desinfektionsmittel hängt mir noch in der Nase. Mein Körper ist zwar müde, aber mein Geist ist immer noch aufgeregt. Ich beschließe, meine überschüssige Energie auf den Chirurgen selbst zu richten.  

MC: 
Hast du mir vorher nicht zugehört? Jemand hat gesagt, er wird lernen,  
Komplimente anzunehmen.  


Zayne: 
Ich nehme dein Kompliment an.  

Das Sandwichbrot ist bereits flach und  sieht nicht mehr appetitlich aus. Mit der Finesse eines erfahrenen Kochs hebt Zayne das Brot an und Er entfernt den fettigen Speck. Dann wirft er den welken Salat weg und lässt nur die Schinkenscheiben, den Rotkohl und das zerkleinerte Schweinefleisch übrig, die die Zeit überdauert haben.  

MC: 
Heute wird mir in Erinnerung bleiben. Ich habe dich nicht nur zum ersten Mal bei einer Operation beobachtet, sondern durfte auch miterleben, wie ein Sandwich operiert wird.  


Zayne: 
Ich habe nur die Teile entfernt, die zu viel Nährstoffe verloren haben und die Verdauung beeinträchtigt hätten.  

MC: 
Gehört Ernährung zu deinen Forschungsgebieten? Gibt es etwas, das Dr. Zayne nicht beherrscht?  


Zayne: 
ich muss zugeben, dass ich Komplimente von dir nicht gut annehmen kann. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, es mir persönlich beizubringen.  

Zayne sieht mich bedeutungsvoll an und legt mir das operierte Sandwich in die Hand. Dann holt er sein Handy heraus. Verwirrt beuge ich mich vor und sehe zu, wie Zayne auf eine Nachricht tippt. Er öffnet eine neue Nachricht. Der Gruppenchat des Ärzteteams wurde heute Morgen erstellt. Greyson hat dort ein Gruppenfoto geteilt, auf dem die Ärzte und Pfleger, deren Lächeln von Müdigkeit gezeichnet sind, Glasgefäße mit sichtbaren Rissen halten.  

MC:
Ist das etwa...  


von der Energie zerbrochen, die ich nicht mehr kontrollieren konnte, als ich mein Ziel aus den Augen verlor?  

Zayne: 
Du hast es übertrieben, ja. Aber die Ärzte und Pfleger meinten, du seist der „überraschendste Hunter“, den sie je gesehen hätten. 
 

MC: 
So weit müssen sie nicht gehen.  


Verlegen lache ich leise. Schnell konzentriere ich mich darauf, das Sandwich zu vernichten. Bevor Zayne etwas sagen kann, klingelt sein Handy.  

Zayne: 
Hallo?  

Als Zayne die Stimme am anderen Ende hört, erstarrt er. Überraschung spiegelt sich in seinem Gesicht wider.  

Zayne: 
Der Patient... ist aufgewacht?  

Als Zayne, Greyson und ich den Eingang der Intensivstation erreichen, kommt eine Krankenschwester auf uns zu.  

Zayne: 
Wissen Sie, warum er so schnell wieder zu Bewusstsein kam?  

Krankenschwester: 
Wir sind uns nicht sicher. Er hätte eigentlich noch gar nicht aufwachen dürfen. Sehen Sie sich das an, Dr. Zayne. Alle seine Vitalwerte verbessern sich...  

Zayne und Greyson ziehen sich sterile Schutzanzüge an und betreten die Station. Ich warte draußen.  

Zayne
Können Sie mich hören? Wissen Sie noch, wo wir sind? Sehen Sie auf meinen Finger...  

??:
Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass er den Patienten rettet, als er dem Tode nahe war.  

MC: 
...Mr. Carter?  


Carter: 
Guten Tag. Wir treffen uns wieder, Miss MC.  

Als Carter plötzlich auftaucht, trete ich vorsichtig zur Seite. Er begrüßt mich jedoch mit einem Lächeln und hebt beide Hände.  

Carter: 
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin Ihnen nicht gefolgt. Dieser Patient ist ein wichtiger Klient von Xander Sciences. Nachdem ich von dem Vorfall gehört hatte, beschloss ich, ihm einen Besuch abzustatten.  

MC: 
Sie waren nicht da, als er in kritischem Zustand war. Ich glaube nicht, dass er Ihnen so wichtig ist.  


Carter: 
Was meinen Sie?  

Er lehnt sich an die Wand und betrachtet beiläufig die Glastür.  

Carter: 
Ohne Xander Sciences wäre sein schwaches Herz schon längst stehen geblieben. Was wir verfolgen, ist weitaus beeindruckender und ambitionierter als diese kleinlichen Lösungen. 
 

MC: 
Wirklich?  


Carter bemerkt meine gleichgültige Reaktion und runzelt die Stirn. Ein Hauch von Enttäuschung huscht über sein Gesicht.
 
 

Carter: 
Sind sie nicht neugierig auf die Art von Arbeit, die wir hier leisten?  

MC: 
Nein.  


Er schüttelt den Kopf, und sein übliches, hochnäsiges Lächeln huscht wieder über sein Gesicht.  

Carter: 
Schon gut. Irgendwann wird es Sie interessieren. Schließlich kann nur Xander Sciences Antworten auf die Fragen zu Ihrem Herzen geben.
 

Ich runzle die Stirn und unterdrücke den Drang, nachzufragen. Meine Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf die Station.  

Greyson
MC, Dr. Zayne möchte, dass Sie hereinkommen.  

Greyson kommt eilig heraus und reicht mir einen sterilen Anzug.  

Greyson: 
Entschuldigen Sie, dies ist die Intensivstation. Im Interesse des Patienten bitten wir alle nicht beteiligten Personen, den Raum zu verlassen.  

Ich habe keine Lust mehr, Carter zu beachten, ziehe den sterilen Anzug an und betrete das Zimmer. Der Mann, der auf dem Bett liegt, hat die Augen halb geöffnet. Seine Stimme ist schwach, aber von spürbarer Aufregung durchdrungen.  

Patient: 
Ich... ich bin zurück... ich bin zurück!  

Zayne: 
Alle seine Vitalwerte scheinen normal zu sein. Unter normalen Umständen würde sich jemand jedoch nicht so schnell erholen.  

Während Zayne spricht, wirft er mir einen bedeutungsvollen Blick zu.  

Zayne: 
Es können weitere Anomalien auftreten. Sei wachsam.  

Ich nehme seine Warnung zur Kenntnis und nicke. Ich gehe zum Bett, stelle mich vor und erkläre den Grund meines Besuchs. Dann beginne ich, Fragen zu stellen.  

MC: 
Davis, Sie sagten, Sie seien „zurück“. Wo waren Sie?  


Patient: 
Es hat mich gefangen gehalten … Ich konnte nicht raus … Es war wie … wie ein Albtraum … Ich konnte nicht aufwachen …  

Ich schalte meine Uhr ein und zeige ein Bild von Myst.  

MC: 
Meinen Sie mit „es“ das hier?  


Patient: 
Ja … es war dieses Ding! Es war in mir … Aber es war nicht … Ugh!  

Plötzlich piept der Vitalmonitor laut. Der Mann auf dem Bett beginnt zu krampfen, als würde ihn etwas ersticken.  

MC:
Metaflux … Zayne!  


Ich ziehe schnell meine Waffe und spüre eine stärkere Fluktuation. Sie breitet sich aus und erfasst augenblicklich den gesamten Raum.  

Zayne:
Greyson, bring den Patienten in einen anderen Raum und bereite die Reanimation vor!  

Unerwartet öffnet sich ein Riss und gibt die schattenhafte Gestalt eines Wanderers frei. Ich trete ans Fußende des Bettes und richte meine Waffe auf ihn. Doch er verschwindet im Nu. Eine Sekunde später materialisiert er sich wie ein Phantom an einem anderen Ort.  

Zayne: 
MC, hinter dir!  

Ich weiche seinem Hieb aus und ziele mit meiner Waffe auf das Zentrum der Fluktuation. Doch ein Beben durchfährt meine Brust. Ich spüre kaum Schmerz. Nur dichter, weißer Nebel breitet sich vor mir aus und vernebelt mir die Sicht. Der Schutz löst sich auf, während sich meine Umgebung in eine andere Dimension verwandelt. Das Letzte, was ich sehe, ist Zayne, der auf mich zustürmt.  

MC:
Zayne … Pass auf …  

Es fühlt sich an, als würde mein Körper in dichten Nebel stürzen. Dieses Gefühl der Schwerelosigkeit droht, mein Herz aus der Brust zu drücken. Inmitten des Chaos raffe ich all meine Kraft zusammen, um irgendetwas zu finden, woran ich mich festhalten kann. Und nach einer gefühlten Ewigkeit berühren meine Füße festen Boden. Meine Umgebung wird klar. In schwaches, dämmriges Licht getaucht, erscheint vor mir ein langer Korridor. Sein Ende bleibt im Nebel verborgen.  

(Bin ich in einem Krankenhaus? Nein...)  

Ich spüre ein leichtes Beben in meiner Brust – eine vertraute Energiefluktuation schwingt sich mit dem Nebel. Sie zieht mich irgendwohin.
 
 

(Diese Fluktuation stammt von einem Ätherkern... Ich bin wahrscheinlich im Protonenfeld des Wanderers.)  

Während ich im leeren Raum stehe, dringen Schritte an mein Ohr. Ich drehe mich um und bemerke eine dunkle Gestalt.  

MC:
Zayne?  


Um mich herum materialisieren sich unzählige scharfe Eiskristalle. Sie sind bereit, mein Herz zu durchbohren – der Boden unter mir verschwindet, und ich versinke erneut in Schwerelosigkeit. Während ich in dieser Leere schwebe, rauschen verschwommene Lichter und Geräusche wie eine Lawine an mir vorbei. In der grenzenlosen Dunkelheit ist es, als würden zwei Hände sanft meine müde Seele emporheben. Ich ringe darum, die Augen zu öffnen. Nachdem ich meinen gleichmäßigen Herzschlag einige Sekunden lang gespürt habe, setze ich mich im Bett auf.  

Zayne: 
Du bist wach.
 

Am bodentiefen Fenster steht eine Gestalt in schwarzer Kleidung. Er dreht sich um. Hinter ihm sieht man verfallene Gebäude und das sanfte Licht des Sonnenuntergangs.  

MC:
Zayne …  


Die Gestalt macht einen weiteren Schritt, ihr Aussehen verschmilzt fast mit der dunklen Gestalt, die ich zuvor gesehen hatte. Ich weiche zurück.  

Zayne: 
Wie fühlst du dich?  

Nach kurzem Zögern strecke ich die Hand aus und berühre seine Wange.  
Ich fahre mit den Fingern über seine Augenbrauen und die Konturen seines  
Gesichts. Ich erkenne die Züge, die ich so gut kenne. In dieser Stille  
verharrt er regungslos. Er sieht mich nur an.  

MC: 
Mir geht's gut. Ich glaube, ich habe nur geträumt.  


Vielleicht ist es der Einfluss des Protonenfelds, der diese seltsamen Illusionen verursacht hat... Ich schüttle den Kopf, um meine Gedanken zu ordnen, und richte meinen Blick auf den Raum. Die rissigen, gräulich-weißen Wände umschließen einen Raum, in dem ein Sofa, ein holografischer Bildschirm, ein Kühlschrank und verschiedene Haushaltsgeräte dicht beieinanderstehen. Es sieht aus wie das „Zuhause“ von jemandem, der Schwierigkeiten hat, ein normales Leben zu führen.  

Zayne: 
Erinnerst du dich, was auf der Station passiert ist?  

Der Wanderer, der plötzlich auftauchte, das Beben in meinem Herzen und Zayne, der auf mich zu gerannt kam... Die Erinnerungen kehren allmählich in mein Bewusstsein zurück.  

MC: 
Sind wir... immer noch im Protonenfeld des Wanderers?  


Zayne: 
Ja.  

Ich folge Zaynes Blick, stehe vom Bett auf und schaue mit ihm aus dem Fenster. Als die letzten Reste der Dämmerung verblassen, liegt die Stadt unter hellblauem Himmel vor uns. Ihre Trostlosigkeit ist unübersehbar. Dieser Ort ist nur noch ein verrostetes Gerippe seiner selbst.  

MC: 
Und obwohl die Energieschwankungen um uns herum schwach sind, ähneln sie denen eines Ätherkerns. Der Protonenkern dieses Wanderers muss die Energie eines Ätherkerns besitzen. Aber in meinem Traum …

  

Es ist, als ob die Kälte der Kristalle noch immer in der Luft liegt. Ich umklammere meine Arme fester.  

Zayne: 
Du bist jetzt wach. Denk daran, dass alles, wovon du geträumt hast, nur ein Traum war.  

Eine Decke wird mir um die Schultern gelegt. Ich strecke die Hand aus, aber er geht weg, bevor ich ihn berühren kann.  
Zayne öffnet den Kühlschrank und enthüllt eine Sammlung seltsamer Flaschen mit mysteriösen Flüssigkeiten und ein halbvolles Glas mit Schokolade. Nachdem er das Glas geöffnet hat, bietet er mir ein paar Stücke an, deren Verpackung unerwartet edel ist.  

MC: 
Ich habe keinen Hunger.  


Zayne: 
Meiner Zeitwahrnehmung nach warst du zwei Tage bewusstlos.  

MC: ?!  


Zayne: Wenn du nichts isst oder trinkst, wirst du wohl nicht die Kraft haben, den Wanderer zu finden.  

Der Duft von Schokolade liegt in der Luft und weckt meinen Appetit.  

MC: 
Was, wenn der Wanderer uns überrascht, während wir uns ausruhen …?  


Trotz meiner Worte sinke ich in die abgenutzte Couch. Ich packe zusammen mit Zayne die Pralinen aus. Mein Blick fällt auf ein leuchtend grünes Etwas auf einem Schreibtisch. Es ist ein Blumentopf mit Jasmin. Er wirkt in dieser trostlosen Welt wie ein Fremdkörper. Während Zweige und Blätter noch grün sind, welkt der Stängel bereits.  

MC: 
Ist es normal, Jasmin im Protonenfeld eines Wanderers zu sehen? 

 

Zayne: 
Was willst du damit sagen?  

MC: 
Der Patient, der vom Wanderer angegriffen wurde, ist in einen „Albtraum“ gefallen. Er war in seinem eigenen Traum gefangen. Mit anderen Worten: Die Umgebung, die wir gerade im Protonenfeld sehen, muss ebenfalls eine Manifestation eines Traums sein.  


Und ich kann mich nicht erinnern, hier jemals etwas gesehen zu haben …
 
 

MC: 
Das ist also dein Traum?  


Zayne:
Möchtest du dazu etwas sagen?  

MC: 
Selbst in einer so kaputten Welt wie dieser gibt es noch Schokolade. Ich hätte nichts anderes von dir erwartet. 

 

Zayne: 
Solltest du nicht eher sagen: „Gott sei Dank ist es Zaynes Traum. Wir können immer noch Schokolade essen“?  

Zayne, der nur schwarze Kleidung trägt, wirkt etwas seltsam. Vielleicht sieht er sich so in seinen Träumen.  

Zayne: 
Ich habe von diesem Ort geträumt. Allerdings ist der Jasmin noch nicht verwelkt, und die Welt selbst ist nicht in einem so heruntergekommenen Zustand.  

MC: 
Ist das der Albtraum, den du in letzter Zeit hattest? 


Zayne schweigt einen Moment, bevor er leise antwortet.  

MC: 
Hab keine Angst. Träume sind das Gegenteil der Realität. 

 

Ich halte ihm die ausgepackte Schokolade an die Lippen.  

MC:
Probier. Wer weiß? Vielleicht schmeckt die Schokolade in deinen Albträumen gar nicht nach Schokolade.  


Er senkt den Kopf und isst die Schokolade.
 

Zayne
Sie schmeckt nach Karotte.  

MC: 
Lügner.  


Er blickt wieder aus dem Fenster, wo die Silhouette eines Vogels über den sich verdunkelnden Himmel fliegt.  

Zayne: 
Da Träume das Gegenteil der Realität sind, bin ich in diesem Traum vielleicht kein Arzt.  

In Träumen ist alles verschwommen. Doch in Zaynes Traum erscheinen die Blumen, Bäume, Straßen und Läden mit bemerkenswerter Klarheit. Ich frage mich, wie lange ihn dieser Traum schon verfolgt, sich unaufhörlich wiederholt, bis jedes Detail ausgearbeitet ist.  

Zayne
Obwohl es meiner Traumlandschaft ähnelt, erkenne ich, dass es ein Protonenfeld ist. Dort drüben. 
 

Er führt mich zum Eingang einer schmalen Gasse. Der Weg vor uns ist in dichten Nebel gehüllt. Es ist, als hätten wir den Rand des Traums selbst erreicht. Aus dem Nebel erhebt sich ein Cluster schwarzer Kristalle. Er blüht wie eine Blume und ist so hoch wie ein dreistöckiges Gebäude. Er versperrt den Weg.  

MC: 
Ein Protonenkern-Cluster?  


Zayne: 
Es regeneriert sich sehr schnell, nachdem es zerstört wurde. Ich würde sagen, es ist innerhalb weniger Sekunden wieder wie neu. Ja, ich habe versucht, es zu zerstören, bevor du aufgewacht bist.  

Während ich mich an meine vergangenen Kämpfe erinnere, formt sich in meinem Kopf eine Hypothese.  

MC: 
Ich glaube, ich weiß, was hier vor sich geht. Es muss einen weiteren Protonenkern-Cluster in diesem Protonenfeld geben, und sie versorgen sich gegenseitig mit Energie. Wir müssen beide zerstören, um dieses Protonenfeld zu verlassen.  


Zayne: 
Süßigkeiten machen einen definitiv schlauer.  

MC: 
Danke für das Kompliment.  


Ich deute auf ihn.  

MC: 
Obwohl ich nur geringfügig schlauer bin als du.  


Kichernd zieht Zayne meine Hand herunter.
 
 

MC: 
Da dies dein Traum ist, glaubst du, du weißt, wo sich das andere Protonenkern-Cluster befindet?  


Zayne: 
Wenn man sich in einem Protonenfeld befindet, ist die wissenschaftliche Anwendung von Evol effektiver als Träumen.  

Das Protonenfeld ist geradezu von unregelmäßigen Energiefluktuationen durchdrungen. Mitten im Gewirr der Protonenkurven entdecke ich eine, die besonders hervorsticht. Ich öffne die Augen und zeige in eine Richtung.  

MC: 
Nach meinen Wahrnehmungen … müsste sich der zweite Protonenkern-Cluster auf der anderen Seite des Protonenfelds befinden.  


Ähnliche Energiefluktuationen erscheinen aus einer anderen Richtung. Ich sehe Zayne an.  

MC: 
Welchen möchtest du wählen?  


Zayne blickt in die Ferne. Ich weiß nicht, ob ich es mir eingebildet habe oder nicht, aber eine Art von Emotion regte sich in seinen Augen.  

Zayne
Den, der am weitesten entfernt ist.  

Das andere Ende der Stadt ist in schwarzen Nebel gehüllt, der dem gähnenden Rachen eines im Schatten verborgenen Ungeheuers ähnelt.  

MC: 
Nein. Ich will den. Ich verstehe, dass das dein Traum ist, also weißt du, wo die Gefahren lauern. Aber willst du dich ihnen wirklich wieder allein stellen? 

 

Zanye: 
Das ist mein Traum. Ich komme schneller ans Ziel als du.  

MC: 
Aber dein Traum ist im Moment nicht gerade nett zu dir. Je mehr du versuchst, ihn zu nutzen, desto mehr wird er dich ausnutzen. Lass mich lieber gehen.  


Zanye: …  

MC: 
Überanstreng dich nicht, wenn du in Schwierigkeiten bist. Ich halte dir den Rücken frei. Das ist ein Tipp deiner Hunter Begleitung. 

 

Lächelnd trete ich einen Schritt zurück und klopfe ihm auf den Rücken. Ohne Zaynes Antwort abzuwarten, winke ich und gehe los.  

Zanye
Überanstreng dich nicht. Das ist ein Tipp deines Arztes.  

Hinter mir höre ich ein leises Seufzen, gefolgt von Zaynes besorgten Worten. Ich drehe mich um und sehe ihn im Schatten stehen. Er ist jetzt weit weg, deshalb kann ich seinen Gesichtsausdruck nicht genau erkennen. Ich presse die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und nicke. Egal, ob er oder ich, wir wissen, dass wir uns immer gegenseitig unterstützen werden. 

Als das Mädchen weggeht und ihre Gestalt hinter der Weggabelung verschwindet, richtet Zayne seinen Blick in die Tiefen der Gasse. Im dichten Nebel flackert eine kaputte Straßenlaterne. Er hebt die Hand. Teile des Nebels lösen sich von der Luft. Sie wirbeln und verdichten sich und bilden über seiner Handfläche Eiszapfen. Dunkle Verunreinigungen steigen lautlos aus ihnen auf, doch sie hören auf, sich auszubreiten, kurz bevor sie die äußerste Schicht weißer Kristalle durchbrechen.  

Es ist, als würde ein bedrohliches schwarzes Loch alles Reine und Weiße verschlingen wollen. Doch eine dünne, unerschütterliche Schicht aus makellosem Eis bleibt standhaft und bildet die letzte Verteidigungslinie.  

Zayne: …  

Schatten dehnen sich aus. Und in der unendlichen Ferne erwartet ihn der Protonenkern-Cluster wie ein schlafender Wanderer. Im Nebel entsteht ein kalter Wind, während sich aggressive Gestalten träge regen.  

Zayne: …!  

Der Eiskristall in seiner Handfläche zerschnitt die Luft und traf scheinbar nichts. Doch der Protonenkern-Cluster flimmerte einen flüchtigen Moment lang. Immer mehr Wanderer tauchten auf, ihr Gebrüll hallte wider, und ihre Gestalten erschienen und verschwanden. Zayne führte seine Angriffe mit vernichtender Präzision aus. Eisklingen zerschnitten die Dunkelheit, und ein stechender Geruch erfüllte die Luft. Der Boden unter seinen Füßen veränderte sich langsam. Er wurde weich und schleimig wie Schlamm und klebte hartnäckig an seinen Beinen. Benommen blickte Zayne nach unten. Durch den Nebel und die Schichten unklaren Eises hindurch fiel sein Blick auf seine Handfläche. 

??:
Zayne …  

Ein blutiger Schimmer färbte seine Hand, und ein unheimlicher Schatten legte sich über seine Sinne. Er wurde für einen Moment in diesen alptraumhaften Traum zurückversetzt. Zayne war schockiert. Er blickte auf und wusste, wer vor ihm stand. Die Spannung war greifbar und packte ihn.  

Zayne: 
William?  

William: 
Es ist zu spät … B-bitte …!  


Im heulenden Eiswind hört Zayne sein schweres Atmen. Wieder einmal ist er zurück in der endlosen, schneebedeckten Weite des Mt. Eternal. Blutige Tränen strömen aus Williams leeren Augenhöhlen. Dann erscheinen aus der Projektion des Clusters unzählige Gesichter.  

??: 
Wollt ihr … nicht meinen Geburtstag mit mir feiern? Warum … habt ihr mich  
getötet …?  

??: 
Seid ihr nicht Arzt?! Ihr hättet mich  retten sollen! Warum habt ihr mich und  
mein Kind nicht gerettet …!  

William:
Zayne, bitte … töte mich …!  

Er erstickt. Er ist gefangen. Ihm wird schwindelig. Zayne bemerkt, wie seine Finger unkontrolliert zittern. Er taumelt zurück und stolpert erneut.  

Zayne
Es ist … nur eine Illusion. Es ist nicht real. Es ist nicht …  

Immer mehr Hände strecken sich nach ihm aus. Sie sind erstarrt. Der Raum um ihn herum zersplittert und verzerrt sich zu Spiegeln – sie reflektieren seine blutunterlaufenen Augen. Darin sieht man, wie seine Hände so fest geballt sind, dass die Adern hervortreten. Plötzlich durchbohrt ein schwarzer Eiszapfen die Spiegel und zersplittert einen Teil des Protonenkern-Clusters. Das Protonenkern-Cluster regeneriert sich NICHT. Er gleicht einer Klippe, die am Rande balanciert und jeden Moment in sich zusammenstürzen kann.  

Zayne: 
Sie hat es geschafft.  

Als sich die Spiegelsplitter in schwarzen Nebel auflösen, verstärkt sich das kalte Licht und erzeugt einen überirdischen Schein. Entschlossen stößt Zayne die Eisklinge auf die menschliche Gestalt zu.  

Mädchen:
Zayne …!  

Die Eisklinge hält inne, als sich Zaynes Pupillen verengen. Sie ist es. Aber sie kann unmöglich hier sein.  

Mädchen
Das sind deine Patienten ... wie konntest du ... bin ich ... die Nächste ... wirst du ... mich töten ... oder? Nein ... du bist nicht Zayne. Wer bist du?!  

Es ist ein Gesicht, das er in diesem unsagbaren Albtraum nur allzu gut kennt. Ihr Ausdruck ist von Ungläubigkeit und Schmerz gezeichnet. Ja, sie ist es.  

Mädchen:
Zayne ... töte mich ...!  

Schwarze Eisblumen erblühen aus ihrer Brust, ihre Blütenblätter entfalten sich. Sie ist federleicht, losgelöst von der Last des Lebens. Doch sie sinkt fast mit einem dumpfen Geräusch in seine steife Umarmung. Ein Summen umhüllt Zaynes Ohren, als er erneut in die Tiefen eines endlosen Albtraums gezogen wird. Obwohl er weiß, dass es eine Illusion ist, kann er sich nicht befreien. In diesem Moment pulsiert das zerbrochene Protonenkern-Cluster in blutrotem Licht. Die Luft um ihn herum bebt.
 

Zayne: …!  

Der gewaltige Schatten vor ihm zerbricht zusammen mit dem anderen Protonenkern-Cluster. Die Illusion in seinen Armen verändert sich erneut, doch er blickt nicht auf. Er ballt nur die Faust.

Zayne: 
Es ist Zeit, das zu beenden. 
 

Ein kalter Schimmer flackert auf, und pechschwarze Eiskristalle quellen unter ihm hervor. Sie erstarren jede Gestalt, die im Schatten lauert. Die Dunkelheit breitet sich aus, und seine Umgebung verändert sich. Es ist neblig. Eine verschwommene Gestalt taucht langsam aus den Rissen im Raum auf. Zayne beschwört schwarzes Eis und zielt. Doch sein Körper erstarrt, als wäre er eingefroren.  

??: 
Du solltest dich nicht ihretwegen in Gefahr begeben.  

Zayne: 
Wer – Ugh!  

Sein ganzer Körper wird von Eis umschlossen. Schwarze Kristalle durchbohren seine Brust und breiten sich bis in seine Finger aus. Der heftige Schmerz lässt Zaynes Rücken schweißgebadet zurück. Er verliert die Kontrolle über seinen Körper und bricht zusammen. Sein Herz rast vor Angst, als er diese kalte Stimme hört.  

??: 
Erfülle dein Schicksal. Nur dann kannst du Erlösung finden.  

Als das Protonenkern-Cluster zerbricht, durchfährt ein fernes Beben die Luft. Der Raum um mich herum verwandelt sich in Nebel, und Mondlicht fällt herab. Dann löst sich der Nebel auf. Ich spüre den Boden unter meinen Füßen. Vorsichtig sehe ich mich um und bemerke, dass ich mich in einem Garten hinter einem Krankenhaus befinde.  


MC:
 ...Irgendetwas stimmt nicht.  


Das ist Linkons Akso-Krankenhaus. Aber wir sollten in Chansia sein. Mein Herzschlag beschleunigt sich, und ein Gefühl der Vorahnung überkommt mich. Ich ziehe meine Waffe und stoße die Tür zum Krankenhaus auf. Dahinter steigt weißer Nebel auf. Als er sich verzieht, bemerke ich, dass ich wieder bei Zayne bin. Neben der Couch lag jemand mit dem Rücken zu mir auf dem Boden …  


MC:
Zayne!  


Zayne:
 …Sei vorsichtig … wir sind diesem Traum noch nicht entkommen. Es gibt zwei Ebenen, und der Wanderer ist immer noch hier …  


Ich eile zu Zayne und helfe ihm auf. Schwach presst er die Hand auf seine linke Schulter. Sein Gesichtsausdruck allein zeigt, wie sehr er leidet. Er hat Schmerzen.  


MC: 
Das Eis …  


Zayne ballt seine linke Hand zur Faust und weicht meiner Hand aus.  


Zayne: 
Das Eis … es ist gefährlich. Nicht anfassen!  


– Rückblende –  


??: 
… Es ist zu gefährlich. Ich kann es nicht kontrollieren … Geh. Sofort. 
 

– Rückblende–  


Eine plötzliche Stimme in meinem Kopf ließ mich innehalten. Trotz der Warnung beugte ich mich vor, um Zaynes Verletzung zu untersuchen, und spürte, wie mein Herz mit jedem Augenblick schwerer wurde. Äußerlich waren keine Verletzungen sichtbar. Doch schwarzes Eis breitete sich über seine Handgelenke und seinen Hals aus. Es sah nicht so aus, als würde es bald verschwinden.  


MC: 
Ich glaube nicht, dass du einfach nur die Kontrolle über deine Evol verlierst … Lass mich sehen, ob ich dir helfen kann.  


Zayne: 
Keine Sorge, mir geht es gut. Es war nur …  

MC: 
Es sieht nicht so aus, als ob es dir gut ginge. Es beginnt zu schmelzen.  
Da meine Methode funktioniert, warte einfach eine Weile.  


Zayne: 
Verschwende deine Zeit nicht an mich. Wir können später weitermachen...  


MC: 
Kümmere dich erst einmal um dich selbst! Von nun an hörst du auf mich. Egal, ob es um Gesundheit oder Kampf geht.  


Zayne: 
Ich …  


MC: 
Widerstand ist zwecklos. An deiner Stelle würde ich einfach zuhören und mitmachen.  


Zayne: …  


MC: 
Ich helfe dir zuerst, deine Evol zu unterdrücken. Sag mir, wo ich eine Resonanz erzeugen soll, damit du dich schneller erholst.  


Zayne: 
Meine linke Schulter … etwas tiefer …  


MC: 
Du kennst dich vielleicht besser mit Träumen aus, aber ich bin ein Experte im Umgang mit Wanderern. Wenn du wieder kopflos losrennst, werde ich dich nicht retten!  


Zayne: 
Das hoffe ich doch.  

MC: 
Du …!  


Zayne: 
Ich weiß, wie dieser Albtraum endet. Wanderer sind nicht die einzige Gefahr hier ... wenn es hart auf hart kommt, ist es vielleicht das Beste, mich zurückzulassen.
 

MC: 
Ich halte immer mein Wort ... was soll ich denn noch tun? Außer dich hier zurückzulassen. 

 

Zayne: 
Wenn ... wenn ich dich durch etwas verletze, dann sei nicht nachsichtig mit mir. 


MC: 
Das wünscht du dir! Hast du nicht zugesagt, alles zu tun, was ich sage? Nun, hier ist mein erster Befehl: Du darfst nicht mehr so reden. Warte, das ist ...  
Zayne ... sei vorsichtig ...  


Zayne: 
Was ist passiert? ....Dich in diesen Albtraum hineinzulassen, war vielleicht ein weiterer Fehler ... Aber zumindest habe ich noch eine letzte Wahl. ... 

Während ich meine Gedanken sammle, verschmilzt das müde Gesicht vor mir kurz mit einem verschwommenen Bild von Zayne in meinen bruchstückhaften Erinnerungen. Doch sofort trennen sie sich wieder.  

MC: 
Warte … als ich in das Protonenfeld gezogen wurde, wurde ich von diesem Wanderer und dem Bewusstseinsverlust angegriffen … Die Wunde müsste an meinem Körper sein … aber sie ist weg.  


Ich werfe Zayne einen fragenden Blick zu. Ich will eine Antwort,  
doch er wendet den Blick ab.  


MC:
Zayne, was hast du getan, während ich bewusstlos war?  
Liegt es daran, dass du die Kontrolle über deine Evol verlierst?

  

Zayne: …  

Sein Schweigen bestätigt meinen Verdacht. Ich senke den Kopf,  
und meine Hände, die auf seinen Ruhen, umklammern ihn fester.  
Bevor sich die Sorge und die Schuldgefühle in meinem Herzen zu klaren  
Worten formen können, verschwinden sie durch Zaynes Anwesenheit.  
Er senkt den Kopf, und sein Kinn ruht auf meinem Kopf.  

Zayne: 
Du bist meine Hunter-Eskorte, oder? Dich zu beschützen bedeutet auch, mich selbst zu beschützen. Und... nachdem ich dich mit einem so verstörenden Traum konfrontiert habe, ist es das Mindeste, was ich tun sollte, um sicherzustellen, dass du sicher entkommst.  

MC: 
Warum tust du so, als hättest du mich durch die Hölle geschleift? Dein Traum hat mir nicht wehgetan. Der Myst nutzt ihn aus.  


Zayne:
Was, wenn der Wanderer nicht die einzige Gefahr ist? Du hast gesehen, wie trostlos und bedrückend dieser Traum ist. Wie du schon sagtest, ist er nicht gerade nett zu mir. Vielleicht ist der Traum selbst die eigentliche Bedrohung.  

Zayne spricht langsamer und betont jedes Wort mit sanfter Stimme. Es ist, als versuche er, seine brodelnde innere Unruhe zu beruhigen. Mir fällt etwas auf. Seit wir das Protonenfeld betreten haben, das auf Zaynes Traum basiert, verhält er sich zögerlicher. Könnte es sein...?  

MC:
Zayne, dieser Albtraum ist für dich mehr als nur ein Traum, oder?  


Ich spüre seine Hand, die sich unmerklich bewegt – ein Beweis für die Perfektionierung stets seine Gefühle zu unterdrücken.  

Zayne
Ein Traum bleibt ein Traum, solange man daraus erwacht. Aber wenn dieser Tag kommt … wenn ich nicht mehr aufwachen kann …  

MC: 
Hast du Angst, in deinen Träumen gefangen zu sein? Oder dass deine Träume in die Realität eindringen? Wenn dieser Tag jemals kommt … ich glaube, mein Arzt würde mich nicht allein lassen. Also werde ich in der Realität auf dich warten, bis du aufwachst.  


Das Licht der Resonanz strömt leise von meinen Fingern, während ich mit ruhiger Stimme ein nicht ganz so feierliches Versprechen gebe.  
Zaynes Atem stockt, als ob er einen Moment in der Luft schwebte. Dann atmet er aus, schwer von unausgesprochenen Gefühlen.  

MC: 
Wenn alles andere fehlschlägt, begrabe ich dich im Körper eines Schneemanns. Du wirst ein riesiger Schneemann sein.  


Zayne: 
Was?  

Ich schließe die Augen und verbanne die unzähligen Fragen und Sorgen aus meinem Kopf.  

MC: 
Wenn du es nicht allein schaffst, dann gehen wir es gemeinsam an. Ich bin die Beste, also kann ich dir sicher helfen. 

 

Zayne:
Ich sehe, deine Problemlösungsfähigkeiten sind eher direkt und brutal. Sollten wir das als Nebenwirkung deiner wachsenden Stärke betrachten?  

MC: 
Das nennt man die Freiheit, die mit Macht einhergeht! Das ganze schwarze Eis ist verschwunden... Wie fühlst du dich? Tut es noch weh?  


Ich schaue auf und begegne Zaynes Blick. Er scheint mich schon eine Weile beobachtet zu haben.  

Zayne: 
Es tut nicht mehr weh.  

MC: 
Hör auf –  


Gerade als ich Zayne sagen will, er solle nicht wieder lügen, dreht er meine Hand um. Ein schmaler Streifen schimmernden, eisigen Lichts erscheint in meiner Handfläche. Er zieht seine Hand zurück, und zwei pummelige kleine Eisrobben purzeln in meine.  


Zayne: 
Du bekommst zwei. Als Begleiter warst du während deines Jobs sehr professionell. Das ist deine Belohnung, da ich dir nichts anderes geben kann. Vertraust du mir jetzt?  

Von meinem Standpunkt aus tanzen Licht und Schatten  
auf seinen Gesichtszügen. Sie unterstreichen die Belustigung in  
seinen Augen.  

MC: 
Du sagst mir immer wieder, ich soll mich nicht überanstrengen. Aber du musst auch aufhören, deine Sicherheit zu missachten.  


Er nickt. Ich balle meine Hand zur Faust und strecke sie ihm entgegen. Ich helfe ihm auf die Beine, während ich selbst aufstehe.  

MC: 
Du sagtest, dieser Traum habe zwei Ebenen. Sind wir in der äußeren, weil wir die innere durchbrochen haben?  


Zayne geht nicht auf meine Aussage ein. Er dreht sich um und geht voran, um die Tür zu öffnen. Wir treten hinaus und werden von der Nachtbrise empfangen. Wir gehen den Korridor zurück und gelangen in den Krankenhausgarten, der sich vertraut und doch fremd anfühlt.  

Zayne: 
Ein mutiertes Wanderer-Protonenfeld widersetzt sich jeder Logik. Er könnte sich überall verstecken.  

Vor dem Krankenhaus ragen Wolkenkratzer wie hoch aufragende Betonbäume in einem Wald empor. Der Rest der Stadt herrscht gespenstische Stille.  

MC: 
Ich kann meine Evol nutzen, um das Protonenfeld in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.  


Zayne: Negative Folgen von Fehlern müssen nicht behoben werden.  

Der Himmel verdunkelt sich rasch, als ob die Zeit selbst beschleunigt worden wäre.  

Zayne: 
Uns bleibt keine andere Wahl, als diesen Ort zu zerstören.  

MC: 
Warte! Deine Evol ... wir schaffen das zusammen!  


Zayne:
Mmm. Bist du bereit?  

Schwarze Schneeflocken rieseln von unseren verschränkten Fingern. Der Nachtwind verstummt kurz, bevor er sich erneut zu einem wilden Wirbelsturm aufbläht. Unter unseren Füßen breitet sich eine riesige Fläche aus Eiskristallen aus. Der Boden, die Gebäude und sogar die Partikel, die darin schweben, sind von Eiskristallen bedeckt.  

Die Luft war gefangen in der raschen Ausbreitung der eisigen Nacht, umhüllt von ihrer Umarmung. Im Nu erstarrte die ganze Welt zu schwarzem Bernstein. Ein Riss zerriss gewaltsam das Gefüge seines Raumes. Der Wanderer konnte sich nicht länger verstecken. Er kreischte und enthüllte seine wahre Gestalt.  

MC: 
Da ist es. Los geht's.  


Zaynes Mantel flatterte wild im Wind. Inmitten alptraumhafter Dunkelheit materialisierte sich ein eisiger Schimmer in seiner Hand. 

Zayne: 
Lasst uns das beenden, bevor der Morgen graut. 
 

Als der letzte Schlag dem Wanderer versetzt wurde, durchfuhr mich ein heftiges Beben. Doch diesmal war die Resonanz unverkennbar. Sie glich sanften Wellen voller Kraft. Ein leichtes, warmes Leuchten senkte sich sanft in meine Handfläche.  

MC: 
Ist das … das Chansia-Krankenhaus?  


Das Licht der Morgendämmerung strömt durchs Fenster. Im stillen Korridor liegt ein leichter Desinfektionsmittelgeruch in der Luft.  

MC: 
Sind wir zurück? Zayne!  


Zayne
Ich bin hier.  

Meine Hand wird zärtlich gedrückt, und ich drehe den Kopf. Zayne ist neben mir.  

MC: 
Warte. Ich muss nochmal nachsehen. Sind wir noch im Protonenfeld oder in der Realität? Dreh dich erst mal um. Und dann sofort wieder zurück. 


Zayne: …  

Obwohl er etwas hilflos aussieht, gehorcht Zayne.  

Zayne: 
Willst du nachsehen oder mich necken?  

MC: 
Ich vergewissere mich, dass Dr. Zayne die Person ist, die gerade bei mir ist. 

 

Ein Lachen entfährt mir, doch im nächsten Moment falle ich zu Boden. Sofort streckt er den Arm aus, um mich zu stützen.  

Zayne: 
Alles in Ordnung?  

MC: 
Mir geht es gut.  


Ich greife nach etwas, halte aber inne, als ich merke, dass ich etwas in der Hand halte. Ich öffne meine Hand und sehe ein Protonenkernfragment. Es leuchtet schwach grün.  

MC: 
Ein Fragment des Ätherkerns … Wenigstens war unsere Mühe nicht umsonst.  


Captain Willow: 
Ihr seid zurück!  

Greyson
Dr. Zayne!  

Captain Willow und die anderen eilen vom anderen Ende des Korridors herbei. Ihre Gesichter spiegeln eine Mischung aus Erleichterung, Freude und Besorgnis wider.  

Captain Willow: Geht es euch beiden gut? Seid ihr unverletzt? Es sind nun schon drei ganze Tage vergangen, seit ihr in dem Protonenfeld des Wanderers gefangen wart. Alle haben sich große Sorgen gemacht.  

Von Captain Willow erfuhr ich, dass genau drei Tage vergangen sind, seit wir das seltsame Protonenfeld betreten haben. Der Patient wurde auf eine gesicherte Station verlegt und ist nach der Reanimation außer Lebensgefahr. Währenddessen wurde das gesamte Krankenhaus von den Chansis-Huntern bewacht, die eine gründliche Untersuchung durchführten.
 
 

Captain Willow: 
Übrigens, wir haben bei der Untersuchung der Intensivstation ein seltsames Gerät entdeckt.  

Sie spricht leiser und gibt mir einen versiegelten, durchsichtigen Beutel.  

Captain Willow: 
Wir haben es versteckt in einem Fluxstabilisator gefunden, der in einer Ecke stand. Es wäre uns fast entgangen. Seit dem Vorfall in der Notaufnahme werden die Fluxstabilisatoren des Krankenhauses überprüft oder ausgetauscht.  

MC: 
Hat also erst kürzlich jemand an einem von ihnen manipuliert? 

 

Ich nehme den versiegelten Beutel entgegen und lächle dankbar.  

MC: 
Ich werde die Association bitten, eine Untersuchung durchzuführen.  

Linkon City, drei Tage später  


Ich öffne die Tür zu Zaynes Haus. Es ist still.  

MC
Zayne?  


Ich schleiche ins Wohnzimmer. Zayne schläft friedlich auf dem Sofa. Die Vorhänge flattern sanft in der warmen Brise. Licht und Schatten gleiten von seiner Nase zu seinem Kinn.  

(Schläft er oder...?)  

Ich gehe näher und lege meine Hand auf  seine Brust.  

MC: 
Puh, er schläft nur. Er muss total  erschöpft sein...  


Zayne: …  

Ich gehe zu Zaye und knie mich hin, um ihm in die Augen zu sehen. Vorsichtig decke ich ihn mit einer Decke zu, die auf dem Sofa lag. Die Anspannung auf Zaynes Stirn löst sich. Sein Atem ist ruhig, und sein Gesichtsausdruck ist gelassen und entspannt. Ich betrachte sein Gesicht, während mir die Gedanken durch den Kopf gehen, als ich über die Ereignisse der letzten Zeit nachdenke.  

MC: 
Du kannst dich endlich ausruhen.  


Meine Uhr vibriert. Ich verlasse das Wohnzimmer und nehme Simones Anruf entgegen.  

-Simone-: 
MC, die vorläufigen Analyseergebnisse für das Ding, das du mitgebracht hast, sind da.  

MC: 
Erzähl schon

  

-Simone-: 
Es hat eine komplizierte Struktur. Ich brauchte eine Weile, um es auseinanderzunehmen. Ich fand einen Hochfrequenzchip, der mit den Metaflux-Fluktuationen in Resonanz steht. Im Grunde ist es ein Notfallsender. Er kann Protonenkerne orten und sogar Wanderer durch Fluktuationen anlocken.  

MC: 
Ein Sender, der Wanderer anlockt …  


Wenn ich mich an die Ereignisse erinnere, sticht eine Person als besonders verdächtig hervor: Carter. Er tauchte kurz vor und nach dem Auftreten der Anomalien bei der Patientin auf. Ich teile Simone meinen Verdacht mit. Sie stellt daraufhin ihre eigenen Fragen.  

-Simone-: 
Die Komplexität dieses kleinen Geräts übersteigt sein Verständnis und sogar das von Xander Sciences bei Weitem. Es weist hochentwickelte Protonenkern-Technologie auf. Xander Sciences ist eine medizinische Einrichtung. Unmöglich, dass sie über Protonenkern-Technologie verfügen, die mit der der Association mithalten kann, oder?  

MC:
Hmm … Was denkst du?  


-Simone-: 
Nach dem Tod des Firmengründers von Xander Sciences, Raymond, war die Zukunft des Unternehmens ungewiss. Erst vor kurzem wurde das Unternehmen von einem bekannten Konzern übernommen. Der größte Anteilseigner dürfte derzeit EVER sein.  

In diesem Moment fügen sich die bruchstückhaften Informationen in meinem Kopf allmählich zu einem stimmigen Bild zusammen. Carter erwähnte, dass der Patient im Chansia-Krankenhaus bei Xander Sciences in Langzeitbehandlung war. Raymond, der Gründer von Xander Sciences, befand sich in einer ähnlichen Situation. Wenn die seltsamen Kristalle im Operationssaal und die „Monster“ in der N109-Zone denselben Ursprung haben, bedeutet das …  

MC: 
EVER erschafft Monster.  

Wieder einmal jagt Zayne dieser vertrauten Gestalt hinterher. Im strahlenden Sonnenlicht zirpen Zikaden im Hintergrund, während sich der makellose azurblaue Himmel bis zum Horizont erstreckt. Die Sonne steht am Rande der Hochhäuser der Stadt. Das Mädchen dreht sich zu ihm um. Sie lächelt. Wenigstens hat er sie eingeholt.  

Zayne: 
Endlich …  

Er streckt dem Mädchen die Hände entgegen, und sie ergreift sie fest.  

Doch die beiden finden sich in dem scheinbar endlosen, leeren Korridor wieder. Schwarze Kristalle schießen aus seiner Handfläche. Sie greifen nach dem Unterarm des Mädchens. Das Sonnenlicht wird erneut von Dunkelheit verschlungen.