Under Deepspace 

Kapitel 2 - erste Mission

Hunters Association HQ

Intel-Abteilung, Protonenkern-Forschungsabteilung, VR-Trainingszentrum, Waffenkammer, Archiv …
In einem imposanten zwanzigstöckigen Gebäude sind verschiedene Abteilungen mit jeweils eigenen Aufgabenbereichen untergebracht. Es bietet eine Vielzahl von Dienstleistungen, die alle sorgfältig organisiert sind.

-Otto-CSE-: 
Hunter's Watch, HOS 11.4 Metaflux-Erkennungssystem, wurde auf die neueste Version aktualisiert. Plan für jedes Stockwerk wurden hochgeladen. Die Nutzung der Schlafkapsel wurde genehmigt, und der Zugang zum VR-Trainingszentrum ist freigeschaltet.

Nachdem der kugelförmige Roboter während meiner Beobachtung eine Reihe atemberaubender Manöver vorgeführt hat, öffnet er ein Fach an seinem Körper.


-Otto-CSE-:
 Das Systemprotokoll zeigt, dass Sie letzte Nacht weniger als vier Stunden geschlafen haben. Die Schlafqualität war zudem extrem schlecht.

Aus dem Fach erscheint eine Konsole, auf der sich eine kleine Pillendose befindet.

-Otto-CSE-:
Eine Sonderlieferung. Ein Draumril.

Ich berühre die Augenringe unter meinen Augen. Vor meinem inneren Auge läuft die Szene ab, wie das „Auge“ letzte Nacht am Fenster erschien.
Ich dachte, Wanderer wären aufgetaucht, und stürmte aus dem Haus. Obwohl ich die Umgebung absuchte, fand ich keine ungewöhnlichen Energiespuren.

(Ich werde versuchen, einige Informationen aus den Akten der Einheit aufzutreiben. Ich werde heute Abend auch weiter Ausschau halten.)

Plötzlich erscheint ein holografischer Bildschirm und unterbricht meine Gedanken. Die bezaubernde Stimme ertönt erneut im Raum.

-Otto-CSE-:
 Das Alpha-Team bietet seinen Mitgliedern eine spezielle Lebensversicherung an. Bitte unterschreiben Sie hier.

MC: 
Was?


-Otto-CSE-: 
Das Alpha-Team befindet sich im dritten Stockwerk. Das Büro liegt direkt neben der Movere-Brücke.
So können Sie im Notfall innerhalb weniger Minuten jeden Ort in Linkon City erreichen. Ich muss jetzt los. Schönen Tag noch!

Der Roboter fliegt weg, und ich bin ganz allein. Ich drehe mich um und sehe ein leeres Büro. Sonnenlicht fällt durch die Glaswände und beleuchten einen Stapel unberührter Unterlagen.

MC: 

Die Ausrüstung eines neuen Rekruten sollte auf seinem Schreibtisch liegen, und meine ist...


Nero:
Ein Newbie? 

Ich höre eine Stimme in der Ecke. Ein Tisch taucht aus dem Schatten auf, und hinter drei Reihen alter Breitbildmonitore steht ein Mann mit kleinen Augen.


(Er muss mein Teamkollege sein.)


MC: 
Hallo, ich bin –


Nero: 
B-bleib… bleib genau dort!

Zögernd rühre ich mich nicht. Mein Blick fällt unwillkürlich auf die Reihe dunkler Monitore.  In Zeiten rasanten technologischen Fortschritts sieht man solche altmodischen Geräte nur noch selten. Ich vermute, sie dienen hauptsächlich dazu, Smalltalk zu vermeiden.
Die Rückseiten der Monitore sind mit unzähligen Porträts von Wanderern beklebt, großen wie kleinen. Handschriftliche Notizen mit allerlei …

(Ist das nicht ein Luiminivore?)

Die in den Aufzeichnungen erwähnten Wanderer sind allesamt selten. Diese Person scheint über beträchtliches Wissen zu verfügen.

(Ach ja, das, was ich gestern Abend aus meinem Fenster gesehen habe...)

Ich gehe zum Monitor und tippe ein paar Mal darauf.

MC: 
Entschuldige, darf ich dir eine Frage stellen? Glaubst du, dass es Wanderer gibt, die sich unsichtbar machen oder blitzschnell verschwinden können? Du musst nicht antworten.


Nero: 
Was hast du gesehen?

Wie auf Knopfdruck springt er plötzlich hinter dem Schreibtisch hervor und geht an mir vorbei.

MC: 
Nun ja … es ist einfach …


Nero: 
Shhh… zeichne es. 

Seine kleinen Augen wirken überraschend groß, als er mich fixiert. Er drückt mir einen Stift in die Hand, dessen Spitze rot flackert.

MC:
 Ein Braimago?


Nero: 
Du kennst sie? Das hat das neueste Kenel OS! Frisch aus dem Ofen unserer Technikexperten! Oh … ich nutze es nur für die Arbeit. Das ist alles. Schau mal, hier ist der TSC-Sicherheitsauthentifizierungscode.

Ich nicke und nehme den Stift. Ich drücke den Schalter, und die Spitze sendet drei grüne Lichtstreifen aus, die sich um meinen Arm winden.
Die Erinnerung an das, was sich hinter dem Vorhang befand, taucht wieder in meinem Kopf auf. Sobald der Stift das Papier berührt, beginnen Linien zu tanzen. In Sekundenschnelle wird dieses furchterregende Auge sichtbar.

Nero: 
Es ist wunderschön…

MC: …


Nero:  
Ich meine, es sieht gefährlich aus.

Ich erinnere mich an das Gesehene und füge manuell noch einige Details hinzu.

MC: 
Das ist alles, woran ich mich erinnern kann.


Nero: 
Überlass das einfach mir.

Jenna: 
Nero, Andrew sucht dich.

Die Tür schwingt auf. Captain Jenna kommt herein. Anscheinend ist sie gerade von einer Mission zurückgekehrt.

Jenna: 
Ich möchte dich daran erinnern, dass sich die Datenanalyse im fünften Stockwerk befindet. Wenn du dich nach Ruhe und Frieden sehnst, kannst du gerne eine Versetzung beantragen.

Nero wagt es nicht zu antworten. Er reißt mir Stift und Papier aus der Hand und rennt davon, ohne sich umzudrehen.

MC: 
Ma’am.


Jenna: 
Nenn mich Captain, wie alle anderen auch. Jenna geht ansonsten auch.  Wie sieht es mit den Unterlagen aus? Falls es Probleme gibt, kannst du jetzt fragen.

MC: 
Alles läuft gut, aber die Einheit...


Jenna: 
Es ist normal, dass wir nicht hier sind. Wir müssen nicht ständig im Hauptquartier sitzen, wenn es keine Mission gibt.

MC: 
Verstehe.


Sie scheint meine Unsicherheit zu spüren und lächelt.

Jenna: 
Entspann dich. Ja, unser Job kann gefährlich sein. Aber bevor wir dir eine Mission zuweisen, prüft Advanced Tech Labs deine Evol Gesamtleistungsfähigkeit. Natürlich lässt sich Effektivität messen, aber Menschen sind eine andere Sache. Außerhalb dringender Missionen kannst du dir deine Missionen aussuchen. Keine Sorge, du wirst nicht gleich am ersten Tag aus dem Alpha-Team rausgeschmissen. 

MC: 
Verstanden. Danke, Captain Jenna.


Ich spüre eine Vibration an meinem Handgelenk. Als ich den Arm hebe, zeigt mir die Hunter’s Watch die virtuelle Benutzeroberfläche für Missionen.

Jenna: 
Perfekt, Advanced Tech Laps hat einen Auftrag für dich. Hör dir die Erklärungen erst einmal an. Dann sieh dir die Sache an.

MC: 
Jawohl, Captain!


Jenna:
Dorthin zu gelangen, wird etwas knifflig. Ich habe bereits eine 270HM an der Movere-Brücke für dich bereitgestellt.
                

Auftrag 
Auftraggeber: Henry

Vor etwa zwei Wochen zeigte Mr. Raymond, ein bekannter Sammler dieser Stadt und Arbeitgeber unseres Auftraggebers, Anzeichen von Verwirrtheit und anderem auffälligen Verhalten. Er schloss sich in einem seiner Sammlungsräume ein. Nach mehreren Untersuchungen konnte eine psychische Erkrankung ausgeschlossen werden.

Die südöstlichen Vororte von Linkon City liegen nahe des Meeres und der Berge. Hier befinden sich zahlreiche luxuriöse Villen und Ferienanlagen. ausgerechnet hier ließ sich der renommierte Kunstsammler, Mr. Raymond, nieder…

MC
Dieser Weg scheint endlos zu sein!


Die steile, kurvenreiche Straße durch die Berge nahe der westlichen Vororte ist von Bäumen gesäumt, die den Himmel verdecken könnten.

(Man fühlt sich wie in der Wildnis. Es gibt nichts zu sehen, und man kommt nirgendwo hin … Wenn das Auto hier eine Panne hat, ist man aufgeschmissen.)

Ich biege scharf ab und sehe ein bekanntes Auto am Straßenrand parken. Eine große Gestalt steht daneben. Als ich an ihm vorbeifahre, dreht er sich um, und unsere Blicke treffen sich. Ich erschrecke, wer das ist.

MC: 
Zayne?!


Ich ziehe voll an der Bremse und komme zum Stehen. Dann nehme ich meinen Helm ab.

Zayne: 
Du hast diesen Gesichtsausdruck. Was ist los?

Er geht zu seinem Auto und öffnet die Motorhaube. Weißer Rauch quillt heraus.

MC: 
Ich dachte mir, vielleicht wäre ich besser Wahrsager als Hunter geworden. Du solltest es lieber lassen, sicher ist sicher.


Das System des Wagens hat bereits den Pannendienst gerufen. Da er nichts anderes tun kann, schließt Zayne die Motorhaube, klopft sich den Staub von den Händen und wirft einen Blick auf das Motorrad hinter mir.

Zayne: 
Schon eine schwierige Mission, obwohl noch nicht mal zwei Tage vergangen sind?

MC: 
So schlimm ist es nicht. Ich bin nur hier, um nachzusehen, ob sich im Haus des Klienten irgendwelche Wanderer aufhalten.


Zayne:
Raymond?

MC: 
Du kennst ihn? Wir fahren doch nicht zum selben Ort, oder?


Zayne: 
Jemand hat mich eingeladen.

MC: 
Und was wirst du tun?


Man sieht Zayne nicht oft in so einer Zwickmühle. Ich unterdrücke ein Lachen, räuspere mich und steige auf mein Motorrad. Ich klopfe auf den Soziussitz.

MC: 
Komm schon, lass mich meine gute Tat für heute vollbringen. Ich bringe dich hin.


Zayne:
S
chafft dein Motorrad das?

MC: 
Zweifelst du an meinen Fahrkünsten oder an den Fähigkeiten dieses Fahrzeugs?


Zayne: 
Beides.

MC: 
Viel Glück beim klettern, Dr. Zayne. Sieh es als Training!



Ich starte das Motorrad, und das AR-Navigationssystem plant sofort die Route.


-Navigation-: 
AdvanNavi sagt, du bist noch 13,5 Kilometer entfernt.

In diesem Moment setzt sich Zayne hinter mich.

Zayne
Ich muss später zurück ins Krankenhaus. Lass uns keine Zeit  verlieren.

MC: 
Du bist ziemlich flexibel.


Zayne: 
Anpassungsfähigkeit ist eine  Tugend.

MC: 
Okay, festhalten und sitzen bleiben.  Arme und Beine am Körper lassen.


Zayne: 
Ist mir klar.

Als ich am Gasgriff drehe, schnellt die Tachonadel hoch. Überrascht fällt Zayne zurück.

Zayne: …!

Ich ziehe schnell an der Bremse, aber er knallt mir in den Rücken.

Zayne: 
...Könnte die Fahrerin bitte einen Moment an die Sicherheit ihres Fahrgastes denken? Bitte?

Wir erreichen Raymonds Villa, und das kunstvolle Eisentor öffnet sich langsam. Wir betreten einen verlassenen Innenhof, der in unheimlicher Stille liegt.
Der Architekturstil ist modern und schlicht. Ein großer Pool umgibt das Anwesen, dessen Wasseroberfläche mit blaugrünen Algen bedeckt ist.

MC: 
Zayne, bist du ein enger Freund des Besitzers?


Zayne: 
Er war früher Patient von mir und hat einen schweren angeborenen Herzfehler.

MC: 
Was ist er für ein Mensch? Ist er freundlich?


Zayne:
Nervös?

MC: 
Ist es offensichtlich?


Zayne wirft mir einen wortlosen Blick zu.

MC: 
Ein bisschen. Das ist schließlich meine erste Solo-Mission. Warst du nicht nervös bei deiner ersten OP?


Zayne: 
Würde es dich beruhigen, wenn ich ja sagen würde?

MC: 
Ja.


Ein Anflug von Belustigung huscht über Zaynes Gesicht.

Zayne:
War ich nicht.

Ich möchte ihm am liebsten auf den Fuß treten, aber ich reiße mich zusammen und trete stattdessen auf seinen Schatten.

Raymonds Villa

Als ich die Villa betrat, verschwamm meine Umgebung. Mein Blick fiel sofort auf das Aquarium mitten in der Halle. Es war leer. Ein seltsames Skelett  saß darin, und im Licht wirkte es  matt und blass.
Flossenartige Knochen ragten  aus seinem Becken. Dem Skelett  fehlten die Beine; seine Wirbelsäule erstreckte sich wie ein Faden.  Seine Pose war unheilvoll schön  und erinnerte an ein Mädchen.


MC: 
Das...


Herman: 
Es ist nur Kunst. Machen Sie  sich keine Gedanken, Miss Hunter.

Plötzlich erschien der Butler. Er verbeugte sich vor Zayne und mir.  Er fragte nicht nach unserem Besuch. Er schien auch nicht  sonderlich daran interessiert zu sein, warum wir hier sind.
Um das Aquarium herum schlängelte sich eine Wendeltreppe
bis zur Decke.

Zayne:
Ist er noch in seinem Sammlungsraum?

Jeder weiß, wen er meint: Raymond.

Herman: 
Ja, im dritten Stock. Dr. Zayne, Sie waren ja schon einmal hier, also fühlen Sie sich wie zu Hause.

Zayne nickt, dann wendet sich der Butler mir zu.

Herman: 
Miss Hunter, soll ich Sie bei der Untersuchung des Wanderers begleiten?

MC
Nein, schon gut. Ich möchte mich erst einmal umsehen.


Nachdem der Butler und Zayne gegangen sind, beginne ich, die Villa zu erkunden.  Das Skelett ist zwar verdächtig, aber weder die Hunter’s Watch noch meine Evol können Metaflux daran feststellen.

(Vielleicht ist es nur eine skurrile Dekoration …)

Ich steige die Treppe hinauf. Über mir befindet sich der Sammelungsraum im dritten Stock. Durch die Tür höre ich zwei Personen sprechen.

Raymond
Ich habe Sie schon mehrmals zu mir eingeladen. Sie besuchen mich nur, wenn es mir nicht gut geht … Dr.

Zayne: 
Laut dem Akso-Fernmonitor haben sich Ihre Vitalwerte verbessert. Das Gerät hat außerdem festgestellt, dass Sie viel fitter sind, als Sie dachten.

Raymond: 
Fragen Sie sich nicht, warum ich noch lebe?

Zayne: 
Ich gebe zu, eine Zeit lang schon. Aber mittlerweile nicht mehr.

Die Stille in der Villa verstärkt fast jedes Geräusch und macht das Gespräch oben alles andere als angenehm. Ich zögere, die Treppe hinaufzugehen.

(Ich warte, bis sie fertig gesprochen haben.)

Ich habe noch nicht einmal zwei Schritte gemacht, als ein markerschütterndes Lachen ertönt, gefolgt von einem schwachen Hustenanfall.

Raymond: 
Ihr Kollege lobte Sie und sagte, es gäbe Dinge, die nur Sie beide schaffen. Ich bin sehr neugierig. Xander Sciences wird Ihnen die besten Mitarbeiter, das beste Labor … und sogar die beste Behandlung bieten. Dr. Zayne, was Sie als Grenze Ihres Talents wahrnehmen, ist nur ein weiterer Anfang Ihrer Karriere.

Zayne: 
Wenn Sie Ihr Ziel erreichen, werde ich Sie beglückwünschen.

In Gedanken versunken lehne ich mich ans Fensterbrett neben der Treppe und beobachte die zwitschernden Vögel draußen. Schritte holen mich in die Realität zurück. Ich drehe mich um.  Er wendet den Blick nicht ab. An seinem Handrücken sind unzählige feine Narben zu sehen. 

Zayne: 
Hast du etwa gelauscht?

MC: 
Nicht wirklich. Es scheint, als ob dich jemand wirklich abwerben will. Du bist gut darin der Versuchungen zu widerstehen.


Zayne: 
Bitte stell mich nicht auf ein Podest. Ich bin nur ein ganz normaler Arzt. Ich habe nicht die Absicht, von meinem eingeschlagenen Weg abzuweichen.

Lauschen ist nicht gerade höflich, besonders wenn es um Zaynes persönliche Angelegenheiten geht. Ich lenke das Gespräch in eine andere Richtung.

MC: 
Ein ganz normaler Arzt, der den Starcatcher Award gewonnen hat und der jüngste Empfänger des Linde Awards ist? Ich verspreche, ich werde nie mehr zu spät zu meinem Termin mit dir kommen.


Ich mache eine Geste, als würde ich scherzhaft auf meine Ehre schwören. Zayne streckt die Hand aus, um meine wieder an meine Seite zu legen, doch dann spürt man eine kaum wahrnehmbare Welle.

MC: 
Es ist Metaflux! 


Die Resonanzspur führt direkt zum Sammelungsraum. Ich renne die letzten Stufen hinauf, und die Hunter’s Watch  bestätigt meinen Verdacht.
Hinter der schweren Tür sammelt sich Metaflux in alarmierender Geschwindigkeit.  Die Situation zwingt mich dazu, die Tür einzutreten. Raymond liegt bewusstlos auf dem Teppich.  Das Licht flackert, und ich spüre einen unsichtbaren Druck auf mir. Der Wanderer bewegt sich.

MC: 
Zayne, bring ihn hier raus.Ich kümmere mich darum!


Zayne: 
Wie lange hältst du das noch durch?

Zisch! Ein Eiszapfen fliegt auf den Wanderer zu, der plötzlich aufgetaucht ist. Im Nu steht Zayne neben mir.

Zayne: 
Machen wir's kurz, ja?

 

Zayne: 
Männlich, 39 Jahre alt. Er brach vor fünf Minuten vor Schreck zusammen, weil ein Wanderer aufgetaucht ist. Keine äußeren Verletzungen. Sein Puls ist normal. Die Adresse lautet …

Nachdem Zayne einen Rettungshubschrauber alarmiert hat, hilft er dem Butler, Raymond in einen anderen Raum zu bringen.

Die Hunter’s Watch scannt jeden Winkel des Sammelraums und sendet Daten an die Zentrale.

MC: 
Intelligentia-Typ, geschätzte Bedrohungsstufe mindestens B. Hat noch keinen Protonenkern gebildet. Es gibt keine Opfer und keinen Metaflux. Ende der Durchsage.


Eine Benachrichtigung erscheint, die mir mitteilt, dass die Mission nun als abgeschlossen gilt. Doch ich werde dieses ungute Gefühl nicht los. Obwohl der Wanderer erledigt ist, stimmt etwas mit diesem Raum nicht.

(Huh? Das ist …)

Ein atemberaubendes Ölgemälde hängt an der Wand gegenüber vom Sofa. Es zeigt ein strahlend blaues Meer mit kaskadenartigen weißen Wellen. Jeder Pinselstrich fühlt sich lebendig an. Am Meeresrand färbt sich das Wasser allmählich purpurrot, als würde etwas zerrissen, verschluckt und zu einem Blutklumpen verschmelzen.

(Was für ein seltsames Gemälde …)

Ich versuche, es zu erfassen, aber da ist nichts.  Ich lege meine Hand auf den Rahmen und versuche,  mit ihm in Resonanz zu treten. Das trübe Wetter, das Rauschen des Ozeans, eine salzige Feuchtigkeit kriecht langsam in mein Haar.

MC: 
Das ist …


Ich komme zurück zu meinem Weg und merke, dass ich im Meer stehe. Ich drehe mich um und sehe ein Mädchen am Ufer, deren Unterkörper im Wasser liegt. Seltsam. Es ist fast, als würde sie weinen und lachen. Der wirbelnde Nebel trägt eine leise, ätherische Melodie in der Meeresbrise. Es klingt wie ein Lied, ist aber zugleich eine Klage. Ich kann nicht anders, als mich ihr zuzuwenden. Doch der Nebel wird immer dichter, und alles verschwimmt. Eine eisige Kälte umgibt mich allmählich …

Zayne: 
Reiß dich zusammen!

MC:  …!


Ich blinzle ein paar Mal. Ich bin zurück in Raymonds Sammlungsraum.

Zayne
Ist dir etwas aufgefallen? Du warst wie in Trance.

Zayne runzelt die Stirn und hält eine komplett gefrorene Tasse in der Hand. Sprachlos fasse ich mir an den Hals.

MC: 
Im Ernst? Du hast sie mir die ganze Zeit gegen den Hals gehalten?


Zayne: 
Die Eiswürfel haben nichts gebracht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Dosis zu erhöhen. Was ist passiert?

Ich schüttle den Kopf und betrachte das Gemälde erneut.

(Ein mit Metaflux angereichertes Gemälde, das Halluzinationen auslöst, Könnte das der Grund für Raymonds seltsames Verhalten sein? War das auch das Versteck des Wanderers?)

 Der Rettungshubschrauber trifft ein und lädt den bewusstlosen Raymond ein. Zayne besteht darauf, ihn ins Krankenhaus zu begleiten.

Zayne: 
Pass auf dich auf. Denk an deinen nächsten Kontrolltermin.

MC: 
Ich weiß. Denk du an dein Auto. Sorg dafür, dass es repariert wird.


Zayne: 
Danke.

Ich sah dem Hubschrauber nach, wie er in den Wolken verschwand, und atmete erleichtert auf. Ich schaltete meine Kommunikationsgeräte wieder ein und betrachtete die Villa.

MC: 
Mission HM-U-0048-XXX, die Koordinaten sind mein aktueller Standort. Dort befindet sich ein Ölgemälde, das besondere Behandlung benötigt.

Hunters Association HQ

Das Ölgemälde wird zurück ins Hauptquartier gebracht. Ich setze mich an die Datenanalyse, während Tara geschickt Informationen aus verschiedenen Datenbanken abruft.

Tara: 
Es gab nicht viel Metaflux zu extrahieren. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Analyse uns nützliche Informationen liefert.

MC: 
Können wir herausfinden, woher das Gemälde stammt?


Tara: 
Bin dir schon einen Schritt voraus! Es wurde von einer Kunstgalerie namens Flux Arts verkauft. Sie gehört Thomas. Er ist ein professioneller Kunsthändler. Der Künstler des Gemäldes ist Rafayel.


MC: 
Rafayel?


Tara: 
Er ist ziemlich berühmt, ständig in den Nachrichten. Wahrscheinlich hast du schon von ihm gehört.


Piep. Die Übertragung ist abgeschlossen, Taras synchronisierte Daten erscheinen auf meiner Hunter’s Watch.


MC: 
Rafayel, 24 Jahre alt. Ein Künstler, der Anfang des Jahres ins Land zurückgekehrt ist. Er ist ein Jahrhunderttalent …


Laut Aufzeichnungen ist Rafayel erst vor Kurzem von einer Reise zurückgekehrt. Er ist ein Sonderling. Niemand kennt seine Herkunft oder seinen Geburtsort. Er pflegt selten soziale Kontakte.


Tara: 
Branchenkenner sagen, Rafayel verbringt die Hälfte des Jahres in seinem Atelier und reist die restliche Zeit um die Welt, um sich inspirieren zu lassen. Erst letzten Monat erzielte seine Kunst bei Lizio Auctions den Rekordpreis! Einen Künstler seines Kalibers persönlich zu treffen, könnte schwierig werden. 


Ich überfliege die lange Liste seiner Auszeichnungen, bevor ich bei einem Foto von ihm hängen bleibe. Ein Gefühl von Déjà-vu überkommt mich.


(Ist er dieser wirre Typ mit dem Fisch?!)


Das Foto ist gut gelungen. Durch das Glas und inmitten einer Menschenmenge fängt es den Moment ein, in dem er sich zur Kamera umdreht. Er scheint zu lächeln. Er ist ganz anders als der Mensch, den ich damals kennengelernt habe.


MC:
 „Könnte schwierig werden“ heißt ja nichts anderes als eine Chance. Wo befindet sich die Galerie?

Flux Arts

Für den nächsten Morgen arrangiert die Hunters Association ein Treffen mit Thomas. Er ist nicht nur Inhaber von Flux Arts, sondern auch Rafayels Agent. Neben der Leitung der Galerie kümmert er sich um alle externen Angelegenheiten des Künstlers. Da Rafayel keine Besucher empfängt, ist Thomas die einzige Möglichkeit, den Künstler persönlich kennenzulernen. Ein weißes Gebäude ragt im zentralen Geschäftsviertel der Stadt empor. Flux Arts befindet sich im obersten Stockwerk.

Mitarbeiter: 
Es tut mir leid, Thomas kümmert sich gerade um einen Notfall. Wenn Sie es nicht eilig haben, können Sie sich, wie er sagte, in Ruhe die Ausstellung ansehen.


MC: 
Vielen Dank. 


Nachdem mir der Mitarbeiter einen Katalog gegeben hat, verlässt er schnell den Raum. In der Ausstellung sind die schneeweißen Wände kahl. Das sanfte Licht der Deckenleuchten taucht sie in ein warmes Licht. Je weiter ich umhergehe, desto leerer und einsamer wirkt dieser Ort.


(Es scheint keine Fluktuationen zu geben.)


Ein Scheinwerfer beleuchtet ein großes Ölgemälde, das die halbe Wand einnimmt. Als ich näher komme, kann ich jeden einzelnen, fein gemalten Pinselstrich erkennen – die Unterschiede…


MC:
Dieses Gemälde ist …


??:  
Der Tag der Ebbe


MC: !


Eine Stimme, deren Herkunft unbekannt ist, hallt durch die große Ausstellung. Sie klingt vertraut. Ich schaue mich um, aber die Halle ist leer.


??: 
Jedes Jahr gibt es einen Tag, an dem die Gezeiten gegen die Meeresströmungen laufen. Und mit der Gegenströmung der Nacht werden Kreaturen aus der Tiefsee rangespült … Sobald die Flut im Morgengrauen zurückgeht, kehren sie nach Hause zurück. Dadurch werden alle Begegnungen der Nacht zu fernen Erinnerungen an die Oberfläche. Manche Tiefseekreaturen sind von der Welt außerhalb des Ozeans fasziniert und sehnen sich nach ihrer Wärme. Hartnäckig warten sie auf den Sonnenaufgang, bevor sie zurückkehren. All das nur für einen Sonn-


MC:  
Wer bist du?


Die „Person“ verstummt. Sekunden werden zu Minuten, bevor sie mit träger Stimme antwortet:

Rafayel: 
Hey, ich bin Rafayel. Das ist meine Kunstausstellung.


Der Ausstellungsraum ist still. Der Hologrammprojektor erzeugt ein sanftes Leuchten, als würde er feinste Partikel in der Luft reflektieren.


MC: 
Bist du … ein Sprachassistent? Du beantwortest immer meine Fragen.


Rafayel: 
Echt jetzt, ein Sprachassistent? Weißt du, deine Namensgebung ist etwas besorgniserregend. Nur so nebenbei. Ich bin die Verkörperung seiner Inspiration und Gedanken. Mehr oder weniger.


Seine Stimme ist kühl, aber mit einem Hauch von Lässigkeit durchzogen.


(Ah, eine KI …)


MC: 
Würden Sie mir meine Fragen zu den Gemälden beantworten?


Rafayel:
 Ja, klar. Wenn ich die Antwort kenne.


MC: 
Ich würde mich freuen, wenn du mich herumführen könntest.


Nachdem ich ein paar Ecken umrundet habe, befinde ich mich in einem separaten Ausstellungsraum. Doch die Wand ist leer. Laut Katalog soll hier das Gemälde hängen, das Raymond gekauft hat.


Rafayel: 
Das Gemälde kann momentan nicht richtig ausgestellt werden, deshalb verwenden wir einfach eine ausgeklügelte Hologramm-Technik.


Ein Lichtstrahl fällt von oben auf die Wand. Farben vermischen sich chaotisch auf dieser improvisierten „Leinwand“. Wellen mit weißem Schaum erscheinen, das azurblaue Meer kräuselt sich und enthüllt einen Farbverlauf von der Wasseroberfläche bis in die Tiefe. Es erinnert mich an das Gemälde, das ich in Raymonds Villa gesehen habe, aber nicht ganz.

MC: 
Was ist die Geschichte hinter diesem Gemälde?


Rafayel: 
Ein Traum.

Seine Stimme wurde plötzlich leiser und trug eine unbeschreibliche Traurigkeit in sich.

Rafayel: 
Als Kind träumte ich, ich hätte mich in einen Fisch verwandelt. Ich schwamm und schwamm und schwamm, aus der Tiefsee, auf der Suche nach einem Ort jenseits der Wasseroberfläche. Nur um schließlich im blutroten Meerwasser zu landen.

Das Licht verändert sich mit seiner Stimme und erzeugt einen schimmernden Glanz. Es ist, als blickte man auf glitzernde Wellen. Der Raum scheint wie das Meer zu fließen. Ein rosafarbener Ton wandelt sich allmählich in ein dunkles Purpurrot.

MC: 
Warum ist das Meer rot geworden?

Er beantwortet meine Frage nicht. Vielleicht hat er keine wichtigen Schlüsselwörter erkannt und einfach weitergeredet.

Rafayel: 
So eine Farbe habe ich nie gefunden. Wer weiß, wie viele Jahre ich versucht habe, sie nachzuahmen. Aber ich habe diesen Rotton nie wirklich hinbekommen. Er war immer etwas anders, wissen Sie …

Aus irgendeinem Grund meine ich fast wieder die leise Melodie aus Raymonds Villa zu hören … 

??: 
Entschuldigen Sie, Miss Hunter.

MC:
...
!


Die Lichter in der Ausstellungshalle waren wieder normal, und das Hologramm verschwand. Wie aus einem Traum erwachend, drehte ich mich um und sah einen Mann hinter mir stehen. Er muss sich mir genähert haben, als ich nicht hinsah.


Thomas: 
Ich bin Thomas, der Leiter der Kunstgalerie Rafayel.

Flux Arts - BÜRO  

Thomas lehnt sich in seinem speziell angefertigten Sessel zurück und schlägt die Beine übereinander. Seine Lederschuhe glänzen. Er bedeutet mir, mich ihm gegenüber zu setzen. Ich erzähle ihm, was in Raymonds Villa geschehen ist. Ich erwähne sogar, dass der Wanderer möglicherweise mit dem Gemälde in Verbindung steht. Thomas' Gesicht erbleicht, doch er fasst sich wieder schnell. 


Thomas:
Sie meinen also, Rafayel könnte bei seinem eigenen Gemälde etwas vermasselt haben?  


MC: 
Es spielt keine Rolle, ob er verantwortlich ist oder nicht. Da der Wanderer sich im Kunstwerk befunden haben könnte, sind sein Atelier, Rafayel selbst und sogar Ihre Galerie in Gefahr. Bitte erzählen Sie mir alles, was Sie wissen. 


Thomas reibt zögernd an seinen teuren Manschettenknöpfen. Es dauert eine Weile, bis er schließlich spricht.  


Thomas: 
Mr. Raymond, ein renommierter Kunstsammler, bekannt für seinen erlesenen Geschmack, beehrte Flux Arts letzten Monat mit seiner Anwesenheit. Obwohl die Galerie mit besseren Gemälden gefüllt war, war er von diesem einen völlig hingerissen. Er musste es unbedingt kaufen. Er musste Rafayel lange überzeugen, bis dieser schließlich einwilligte, es ihm zu verkaufen. Während der Vorbereitungen, der Präsentation und des Verkaufs des Gemäldes hatten über ein Dutzend Personen Kontakt dazu. Niemand erwähnte etwas von einem Wanderer.
 

MC: 
Was aber, wenn jemand aufgrund seiner Kunst Halluzinationen entwickelt?  


Thomas hält einen Moment inne, dann bricht er in schallendes Gelächter aus. 


Thomas: 
Was für ein schönes Kompliment! Menschen buchstäblich für Kunstwerke verrückt zu machen, gelingt heutzutage nicht vielen Künstlern.  


MC: 
Wollen Sie damit sagen, dass er versucht, Drama zu erzeugen, um den Wert seiner Arbeit zu steigern? 


Thomas räuspert sich und reibt sich die Nase.  


Thomas: 
Ich wünschte, Rafayel würde sich für sowas interessieren, dann wäre mein Job ein Kinderspiel. Warten Sie nur, bis Sie ihn treffen … dann wissen Sie, was ich meine. Er hat vor einer Weile mal was erwähnt, er meinte, er höre oft nachts seltsame Geräusche im Studio. Ich dachte, er wollte mich veräppeln. Montags, mittwochs und freitags ist er krank. Dienstags, donnerstags und samstags taucht ein Wanderer auf … 
Könnten Sie mir einen Gefallen tun und nachsehen, ob da wirklich ein Wanderer in seinem Studio ist?  Ich bin gespannt, was er als Nächstes erzählt.  


Ein Lichtfaden flackert in der Luft. Die plötzliche Metaflux-Fluktuation lenkt meine Aufmerksamkeit auf eine Vitrine an der Wand. 


MC: 
Was ist das da drüben? 


Er blickt über die Schulter. 


Thomas: 
Oh, Korallensteine. Rafayel verwendet sie für seine Farben. Hätten Sie Interesse daran?  


Als ich auf die Vitrine zuging, sah ich, dass die Steine ein leuchtendes Rot hatten, fast wie Blut. Ich nahm einen in die Hand.  

 
(Das ist die Quelle.) 

 MC: 
Kann ich es mitnehmen, wenn ich Rafayel sehe?  


Thomas: 
Sicher.   


Thomas geht zum Fenster. Draußen erstreckt sich eine wunderschöne Landschaft, soweit das Auge reicht. Ich schaue in die Richtung, in die er zeigt. In der Ferne erhebt sich ein prächtiges, elfenbeinfarbenes Gebäude, das sich bis zum Meer erstreckt.  

Thomas: 
Besuchen Sie das riesige weiße Gebäude dort drüben an der Whitesand Bay. Dort wohnt er. Sein Gedächtnis ist schlecht, deshalb ist die Tür immer offen. Sie können einfach hineingehen. Könnten Sie ihm sagen, er solle sich mit dem Gemälde, an dem er arbeitet, beeilen? Ich habe es bereits verkauft! 

MO ART STUDIOS

MC: 
Er ist doch hier, oder?  


(Ich spüre Energiespuren hinter dieser Tür...) 


??: 
Wer ist da? Das Studio ist geschlossen...  Moment mal, bist du nicht der Hunter von letztens?! Du...  

MC: !!! 


Rafayel:
...Beweg dich!!!    Autsch! Das tut echt weh... Ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell bist. 
 Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich herzlos oder entschlossen nennen soll.  
 Ich kann wirklich nicht sagen, ob es Schicksal oder einfach nur Pech ist, dass wir uns nach zwei Tagen wiedersehen.  
Aber du bist doch nicht etwa hier, um nach den Fischen zu sehen, oder?  

MC
Du weißt, dass ich ein Hunter bin? Ich bin hier, um mich um das Problem mit dem Wanderer zu kümmern. 

 

Rafayel:  
Oh? Ich hatte keine Ahnung, dass im Atelier etwas Gefährliches vor sich ging.  Ah, warte mal … Jetzt erinnere ich mich.  Ich habe vorhin beim Malen seltsame Geräusche gehört. Das war echt nervig.  Thomas hat dich geschickt, was? 

MC: Mmm. 


 (Ein Wanderer, der an seiner Leinwand kaut...? Könnte damit zusammenhängen.) 

MC:  
Wo sind sie also? 


Rafayel: 
Ich bin kein Tier, das mit seinen Ohren Beute orten kann. Sie sind wahrscheinlich unten, oben oder woanders... 

MC: … 


Rafayel: 
Jedenfalls gibt es Wanderers überall. Wirklich überall. Ich habe sogar gehört, es gäbe einen, der ähnlich aussieht wie eine Zitrone. Liege ich da falsch? 

(Er redet gern und viel... Ganz anders als der Rafayel in diesen Zeitschrifteninterviews...)  

MC:
Ist das das Material, mit dem du deine Farben herstellst?  


Rafayel:
Hat Thomas es dir gegeben??  

MC:  
Benutzt du außer diesen Steinen noch irgendetwas anderes, was ungewöhnlich ist? 


Rafayel:
Nun ja... nichts ist seltsam, wenn man daraus eine Farbe gewinnen kann.  

MC: Ahem...  


Rafayel:
Gut, zählen Mumienverbände auch? Unterschiedliche Veredelungsverfahren führen allerdings nicht zwangsläufig zum gleichen Braunton.  

MC
Das meinte ich nicht. Was gibt es denn sonst noch? 


Rafayel:  
Du hast mir sooo viele Fragen gestellt. Aber du bist nicht hier, um meine Probleme zu lösen, oder? 

MC: 
Was bist du...? 


Rafayel: 
Ich habe diese Charge Korallensteinpigment bisher nur für ein einziges Gemälde verwendet.  

MC:
Du wusstest also von Raymond. Sein unberechenbares Verhalten steht in Zusammenhang mit dir.  


Rafayel: 
Was ist das für eine verdrehte Logik? Und warum denkst du nur an die anderen? Ich bin auch ein Opfer. Außerdem gehört mir dieser Korallenstein. Gib ihn mir sofort!  

MC: 
Du wirst mir nicht die Wahrheit sagen, oder? Wenn deine Kunst weitere Probleme verursacht, bin ich beim nächsten Mal nicht alleine.  


Rafayel:  
Wirklich, ein Hunter hat nur drei Minuten Geduld? Ich war noch nicht fertig. Lass mich erst mal nachsehen. Ich möchte auch wissen, ob das Problem am Korallenstein liegt..   


(Es ist heiß!) 


MC
!!! Illusionen.  


Rafayel: 
Nun, das erklärt, warum ich  direkt nach einem Papierschnitt anfing,  Geräusche zu hören.  

(Fluktuation...) 

MC:  
Hast du hier viele Wertgegenstände? 


Rafayel: 
Kommt darauf an, wen man fragt...

MC: 
Antworte mir.  


Rafayel: 
Nicht wirklich.  


MC: 
Dann solltest du dich jetzt verstecken. Überlass den Wanderer mir.  

 

Rafayel: 
Wie bitte? Das ist mein Haus! Du solltest dich verstecken.  Beschädige nicht meine Schätze!   

(Der Metaflux ist stärker... liegt es an Rafayels Blut?)

 

Rafayel: 
Puh, anscheinend sind alle Leinwände wohlauf. Der Wanderer war so nett, sie nicht zu beschädigen... 

MC: 
Der Korallenstein ist mit Metaflux überzogen. Woher hast du ihn?  


Rafayel: 
Korallensteine kann man nicht einfach so auf dem Markt kaufen. Vielleicht habe ich mit den Sarden getauscht. Oder vielleicht... 


MC
So schlecht kann dein Gedächtnis doch nicht sein...  


Rafayel:  
Möchtest du mein Sammlungsprotokoll einsehen? 


MC: 
Du hast ein Protokoll? 


Rafayel
Es gibt Millionen von Farben. Manche Leute mischen sogar ihre eigene Farbe. … falls es tatsächlich ein Problem mit der Quelle gibt, wie willst du damit umgehen?  

MC:  
Nachforschen. Möglicherweise muss das Gebiet abgesperrt werden.   


Rafayel:  
Ich gebe ihn dir nicht umsonst. Es sei denn …  
wir finden eine Alternative. Korallensteine gibt es in der Nähe von Linkon City. Ich wollte mir das sowieso mal ansehen. Schade, dass ich mich heute verletzt habe. Ich kann nicht mal mehr einen Pinsel heben. Ich bekomme Schwierigkeiten, wenn ich mich in Gefahr bringe.  


MC:
Okay. Was willst du?  


Rafayel
Ich habe gesehen, wie du gekämpft hast – schnell und präzise. Dieser letzte Schlag war unvergleichlich. Wenn du mein Bodyguard sein könntest … 

MC
Was?  


Rafayel: 
Beschütze mich auf unserem gemeinsamen Ausflug. Sollten wir eine Alternative finden, gebe ich dir gerne, was ich gerade in der Hand halte.  
Keine Sorge, ich kann warten. Betrachte dies als einen privaten Auftrag 
von mir. Die Tür ist dort drüben. 

(Diese Mission ist zu wichtig. Daher bleibt mir   nichts anderes übrig, als vorerst mitzuspielen.) 

 MC:  
Okay, ich mach's. Aber übertreib's nicht. 


Rafayel: 
Wunderbar, ich teile dir Zeit und Ort mit. Meine Sicherheit liegt in deinen Händen. 

Ich schaue aus dem Zugfenster. Die Landschaft verschwindet rasch in der Ferne. Über der Glaskuppel des Zuges ragen allmählich metallische Wolkenkratzer empor. Die Neonlichter flackern im Regen, ihre kaleidoskopischen Farben spiegeln sich in den Fenstern.  

MC: 
Der Metaflux des Korallensteins ist schwach. Er ist bestimmt nicht leicht zu erkennen, oder?  


-Tara-: 
Keine Sorge, ich melde mich, sobald wir die Ergebnisse haben. Aber wir sind auf dem verlassenen Forschungsgelände auf etwas Neues gestoßen. Interessiert?  


MC: 
Was haben sie gefunden? Eine Kiste mit illegal verkauften Protonenkernen?  


-Tara-:
 Nein, nein, eine Stele! Sie hat lauter seltsame Muster und Symbole... Sie haben sie in dem Gebiet gefunden, das wir im Auge behalten haben... 

 

MC: 
Aber war die Basis nicht auf die Erforschung von Protonenkerne spezialisiert? Wie konnte das passieren? 

 
-Tara-:
 
Wer weiß. Leider ist ein Teil davon explodiert. Nero hat etwas darüber erwähnt...  


Als der Zug in den Tunnel einfährt, ertönt ein Pfiff. Taras Stimme wird gedämpft. Und neben dem schrillen Geräusch sind Wellen in der Luft zu sehen. 

(Irgendetwas stimmt nicht) 

Ich schaue auf, die Glaskuppel spiegelt müde Gesichter wider, die vom Schein des Bildschirms erhellt werden. Es ist abendliche Hauptverkehrszeit, und der Zug ist hauptsächlich mit Büroangestellten und Studenten gefüllt. 

Passagier: 
W-was ist das?!  

Mitten in der Panik verlässt der Zug den Tunnel. In diesem Moment, begleitet von einer Warnung der Hunter's Watch, huscht ein Schatten über die Kuppel. 

 -Tara-: 
Es klingt ziemlich laut dort drüben. Ist irgendetwas passiert? 

MC: 
Da ist ein Wanderer vor dem Zug. Synchronisiere jetzt meinem Standort!  


-Tara-: 
Verstanden. Ich schalte auf den Notfallkanal. Bleib wachsam! 


 -Zugdurchsage-:
 Wir nähern uns der Universum Station. Bitte machen Sie sich bereit, den Zug zu verlassen. Fahrgäste benutzen bitte die Türen auf der linken Seite. 


Der Fluktuationsmonitor im Bahnhof hat bereits Alarm ausgelöst. Ich verlasse schnell den Zug und packe den Arm eines Mitarbeiters, der von der Menge zu mir geschoben wurde.
 

MC: 
Ich bin ein Hunter von UNICORNS. Evakuieren Sie alle! Solange der Alarm anhält, darf niemand die Station wieder betreten. 

 

Der junge Mann mit den silbernen Haaren steht vor einem Getränkeautomaten. Er bewegt sein Handgelenk in Richtung des grünen Codescanners. Klick. Langsam beugt er sich hinunter. Er wartet darauf, dass das Energy-Drink in das Fach rollt, scheinbar völlig unbeeindruckt vom Chaos um ihn herum.

 -Jenna-: 
Du hast eine neue Mission: Hilf deinem neuen Teamkollegen! 

 Als er den Kopf hebt, tritt eine Gestalt in sein Blickfeld. Anmutig schreiten sie über die Kuppel des Zuges und springen über den Bahnsteig, um einige Meter entfernt zu landen.  

 Xavier: … 

 -Jenna-: 
Wir hatten nicht erwartet, dass die Sache so schnell eskaliert. Ich habe dir die Treffpunktkoordinaten geschickt. Du erhältst auch ihre persönlichen Daten. 

Der Hunter befestigt den Gurt an der speziellen Hunter-Seilrutsche und zieht kräftig daran. Schwupps! Er verschwindet, nur noch ein Punkt am Nachthimmel. 

 Xavier
Das ist nicht nötig. Wir haben uns schon einmal getroffen. 

 -Jenna-: 
Du kennst sie schon? Ungeachtet dessen sind ihre Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen einzigartig. Du musst sie beschützen. 

Xavier blickt auf und starrt auf die dunklen Wolken am Himmel, die sich über die Stadt zusammenbrauten. 

 Xavier:
Sie braucht keinen Schutz.

Blitze erhellten die Nacht. Donner grollte, während heftiger Regen das neonbeleuchtete Linkon einhüllte.